Gold: Fünf Banken senken Prognosen auf 4.300–5.600 Dollar

Trotz reduzierter Bankenziele bleibt die chinesische Zentralbank ein stabiler Goldkäufer. Die Nachfrage verschiebt sich zunehmend von privaten Anlegern zu staatlichen Reserven.

Die Kernpunkte:
  • Fünf Großbanken senken Goldpreisziele
  • Chinas Notenbank kauft 19. Monat in Folge
  • Goldpreis erholt sich 34 Prozent vom August-Tief
  • Private Goldnachfrage in China bricht ein

Fünf internationale Großbanken haben ihre Goldpreisprognosen nach unten korrigiert – und dennoch bleibt die Nachfrage der chinesischen Zentralbank ungebrochen. Diese Gegensätzlichkeit prägt derzeit die Debatte um die weitere Richtung des Edelmetalls.

Commerzbank sieht das Edelmetall bis Ende 2026 nur noch bei 4.800 Dollar je Feinunze, Citigroup rechnet auf Sicht von null bis drei Monaten sogar mit einem Rückgang auf 4.300 Dollar.

JPMorgan kalkuliert für den Jahresdurchschnitt 2026 mit 5.243 Dollar, Morgan Stanley sieht für das zweite Halbjahr 5.200 Dollar, ANZ bleibt mit 5.600 Dollar zum Jahresende am optimistischsten. Die Bandbreite der Schätzungen zeigt, wie unterschiedlich die Häuser die weitere Entwicklung nach dem Rückgang vom Rekordhoch Ende Januar einschätzen.

Chinesische Notenbank kauft seit 19 Monaten durch

Während die Analysten uneins sind, liefert die People’s Bank of China ein klares Signal: Im Mai stockte sie ihre Goldreserven um 0,32 Millionen Unzen auf insgesamt 74,96 Millionen Unzen auf – bereits der 19. Monat in Folge mit Zukäufen. Nach Angaben von Goldman Sachs kaufen Zentralbanken weltweit derzeit rund 60 Tonnen Gold pro Monat.

Die People’s Bank of China allein erwarb im Juli 19,9 Tonnen. Diese anhaltende offizielle Nachfrage wirkt wie ein Gegengewicht zu den skeptischeren Bankprognosen und stützt die These, dass Notenbanken Gold weiterhin als Diversifikation zu Dollar-Reserven betrachten.

Auf Privatanlegerseite zeigt sich in China dagegen eine gegenläufige Bewegung. In Peking ist der Goldschmuckpreis um mehr als 300 Yuan pro Gramm auf 1.340 bis 1.370 Yuan gefallen. Der Goldhändler Beijing Caibai berichtet von einem Rückgang der Nachfrage nach Investment-Barren um rund 60 Prozent. Privatanleger und Schmuckkäufer reagieren damit deutlich zurückhaltender als die Zentralbank.

Kurs bewegt sich zwischen Rekordhoch und Erholung

Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.432,00 Dollar, ein Plus von 0,6 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 0,7 Prozent zu Buche, über 30 Tage hat sich Gold um 9,0 Prozent verteuert.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 Dollar, aufgestellt Ende Januar, beträgt aktuell 21 Prozent – die Erholung von den August-Tiefs bei 3.310,10 Dollar hat den Kurs dagegen bereits um 34 Prozent nach oben getragen.

Diese Gemengelage aus fallenden Bankprognosen und ungebrochener Notenbanknachfrage dürfte die Diskussion um die Richtung des Goldpreises in den kommenden Wochen weiter befeuern. Der Rückgang der Schmucknachfrage in China, gepaart mit stetigen Zentralbankkäufen, deutet darauf hin, dass sich die Nachfragestruktur des Marktes verschiebt – weg vom privaten Konsumenten, hin zur strategischen Reservebildung durch Staaten.

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