Gold: Goldman Sachs erwartet 4.900 Dollar bis 2026
Die DNB verschiebt Goldreserven nach London, während Notenbanken mehr kaufen. Zinserwartungen und Indiens Nachfrage bremsen den Preis kurzfristig.

- DNB verlagert 86 Tonnen nach London
- Goldkäufe der Zentralbanken deutlich gestiegen
- Goldpreis binnen eines Tages höher
- Indiens Goldnachfrage könnte um 37 Prozent sinken
Die niederländische Zentralbank DNB hat zwischen März und August insgesamt 86 Tonnen Gold aus New York und Ottawa nach London gebracht. Damit sinkt der Anteil der in den USA und Kanada gelagerten Reserven von zuvor 31,3 Prozent auf jeweils 18,5 Prozent, während der Londoner Anteil auf 32,1 Prozent steigt.
Notenbankgouverneur Olaf Sleijpen begründet den Schritt mit „zunehmender geopolitischer Unruhe“ und einer verbesserten Handelbarkeit der Bestände. Von den 86 Tonnen wurden 27 Tonnen physisch transportiert, die restlichen 59 Tonnen in New York verkauft und in London zurückgekauft. Die gesamten niederländischen Goldreserven belaufen sich auf 612,4 Tonnen mit einem Wert von 72,2 Milliarden Euro zum Jahresende 2025.
Der Schritt reiht sich in eine wachsende Skepsis europäischer Notenbanken gegenüber der Lagerung in den USA ein. Die Bundesbank hält weiterhin 3.350 Tonnen Gold, davon 37 Prozent in New York, und hat bislang keine Pläne für eine Rückführung angekündigt. Für Anleger ist die Botschaft eindeutig: Zentralbanken behandeln Gold zunehmend als strategisches Krisenaktivum, dessen physische Verfügbarkeit und Verwahrungsort an Bedeutung gewinnen.
Zentralbanken kaufen so viel wie seit Jahren nicht
Parallel zur Verlagerung der niederländischen Reserven verstärkt sich der globale Nachfragetrend der Notenbanken. Goldman Sachs Research beziffert die durchschnittlichen Käufe der Zentralbanken 2026 auf 50 Tonnen pro Monat, gegenüber lediglich 17 Tonnen vor 2022. Im Juni erreichten die Käufe mit 100 Tonnen sogar das Doppelte des Vormonats, wobei China als größter Käufer auftritt.
Auf dieser Basis erwartet Goldman Sachs einen Goldpreis von 4.900 US-Dollar je Feinunze bis Jahresende 2026 – die Analysten weisen zudem darauf hin, dass Derivate-Hedging über Call-Optionen die Rallye zusätzlich verstärken könnte.
Am Markt zeigt sich diese strukturelle Nachfrage bislang nur bedingt in stabilen Kursen. Der Goldpreis schloss am Mittwoch bei 4.387,23 US-Dollar je Feinunze und legte damit binnen eines Tages um 1,4 Prozent zu, nachdem US-Dollar und Anleiherenditen nachgegeben hatten.
Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 4,7 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, wie stark kurzfristige Zinserwartungen den Preis derzeit dominieren. Die Erwartung einer Fed-Zinserhöhung im September lag zuletzt bei rund 62 bis 64 Prozent, nachdem sie zeitweise auf 70 Prozent gestiegen war.
Nachfragebremse in Indien belastet kurzfristig
Gegenläufig wirkt ein Nachfrageeinbruch in Indien, dem traditionell größten Goldkonsumenten der Welt. Premierminister Narendra Modi rief die Bevölkerung auf, Goldkäufe zurückzustellen und stattdessen auf inländische Produkte zu setzen.
Branchenvertreter befürchten, der jährliche Goldverbrauch Indiens könne von bislang 700 bis 800 Tonnen um bis zu 37 Prozent auf rund 500 Tonnen einbrechen. Die Importe im September werden bereits 15 Prozent niedriger erwartet als im August, als 45 Tonnen ins Land kamen.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Strukturelle Käufe der Notenbanken und die Reservenverlagerung der Niederlande signalisieren langfristiges Vertrauen in Gold als Krisenwährung. Kurzfristig bleibt der Preis jedoch anfällig für Zinserwartungen und schwächelnde Nachfrage aus Indien, was die jüngste Volatilität erklärt.
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