Gold: Goldman Sachs hält 4.900-Dollar-Ziel

Zentralbanken kaufen so viel Gold wie nie zuvor und treiben die Nachfrage auf Rekordniveau. Goldman Sachs sieht weiteres Potenzial.

Die Kernpunkte:
  • Notenbanken kaufen Rekordmengen Gold
  • China erhöht Reserven seit 21 Monaten
  • Goldman Sachs bestätigt 4.900-Dollar-Ziel
  • Minensektor kämpft mit steigenden Kosten

Der Goldpreis notiert nahe seinen Jahreshochs, doch der eigentliche Treiber der Rally liegt tiefer als der Blick auf den Chart vermuten lässt: Notenbanken rund um den Globus bauen ihre Goldreserven in einem Tempo aus, das der World Gold Council als historisch bezeichnet.

Im zweiten Quartal 2026 kauften Zentralbanken laut dem Branchenverband 289 Tonnen Gold – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die globale Goldnachfrage summierte sich im ersten Halbjahr auf 2.522 Tonnen, mit einem Wert von rund 380 Milliarden US-Dollar ein Rekord.

Besonders auffällig: 89 Prozent der befragten Zentralbanken gehen davon aus, ihre Goldreserven weiter aufzustocken. Das strukturelle Kaufinteresse offizieller Institutionen unterscheidet die aktuelle Aufwärtsbewegung von rein spekulativ getriebenen Rallys der Vergangenheit.

China kauft seit 21 Monaten ununterbrochen

Chinas Zentralbank hat ihre Goldreserven im Juli den 21. Monat in Folge erhöht – der stärkste monatliche Zuwachs seit Oktober 2023. Der Wert der chinesischen Goldbestände stieg von 303,72 Milliarden auf 306,35 Milliarden US-Dollar. Die People’s Bank of China setzt damit eine Politik fort, die sie seit Ende 2023 nahezu durchgängig verfolgt und die als Absicherung gegen Dollar-Abhängigkeit gilt.

Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Schmucknachfrage ging im zweiten Quartal um 17 Prozent zurück, während die Ausgaben für Goldschmuck wegen der hohen Preise um 22 Prozent auf 86 Milliarden US-Dollar zulegten.

Auch die Technologienachfrage wuchs leicht um 2 Prozent auf 80 Tonnen, angetrieben von einem Plus von 4 Prozent im Elektroniksegment. Anleger kaufen also weniger Schmuckstücke, geben dafür aber mehr Geld aus – ein Effekt, der die Preisdynamik selbst zusätzlich verstärkt.

Goldman Sachs bleibt bei 4.900-Dollar-Ziel

Vor diesem Hintergrund hält Goldman Sachs an seinem Kursziel von 4.900 US-Dollar je Feinunze bis Jahresende fest. Bei einem Goldpreis von 4.335 Dollar am Montag entspräche das einem Aufschlag von 13 Prozent gegenüber dem damaligen Niveau. Das Analysehaus stützt seine Prognose auf die anhaltenden Zentralbankkäufe und die Erwartung, dass diese struktureller Natur bleiben.

Der Goldpreis selbst notierte am Dienstag bei 4.419,59 US-Dollar und damit den dritten Handelstag in Folge im Plus – den höchsten Stand seit dem 5. Juni. Zum Wochenschluss hatte das Edelmetall bei 4.422,30 US-Dollar geschlossen, nach einem Wochengewinn von 6,97 Prozent.

Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 US-Dollar aus Ende Januar fehlen dem aktuellen Niveau allerdings noch gut 20 Prozent – von einem neuen Rekord ist der Markt trotz der jüngsten Stärke also ein gutes Stück entfernt.

Konsolidierung im Minensektor als Nebeneffekt

Die anhaltend hohen Preise befeuern auch strukturelle Veränderungen bei den Förderunternehmen. Barrick hat von Newmont die Zustimmung erhalten, seine nordamerikanischen Goldaktivitäten an die Börse zu bringen.

Newmont zahlt dafür 1,95 Milliarden US-Dollar und bringt im Gegenzug die Projekte Mike und Fiberline ein, während Barrick sein Fourmile-Projekt in die gemeinsame Nevada Gold Mines einbringt – ein Komplex mit rund 100 Millionen Unzen Gold.

Barrick selbst meldete für das zweite Quartal einen bereinigten Gewinn von 0,82 Dollar je Aktie, unter der Erwartung von 0,88 Dollar, bei einem im Jahresvergleich um 34 Prozent gestiegenen Goldpreis. Die Herstellungskosten kletterten parallel um 20 Prozent auf 1.993 Dollar je Unze, die Aktie verlor in Toronto 8 Prozent.

Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Der physische Goldmarkt profitiert von einer breit abgestützten, offiziellen Nachfrage, während einzelne Minenbetreiber trotz historisch hoher Preise mit steigenden Kosten kämpfen. Richtungsweisend für die kurzfristige Preisentwicklung dürften nun die US-Verbraucherpreisdaten am Mittwoch und die Erzeugerpreise am Donnerstag sein, die weitere Hinweise zur Zinspolitik der Notenbank liefern sollen.

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