Gold: Goldman senkt auf 4.900 Dollar

Goldman Sachs kappt sein Jahresendziel für Gold massiv. Massive ETF-Abflüsse und eine hartnäckige Fed setzen dem Edelmetall zu.

Die Kernpunkte:
  • Goldman Sachs senkt Gold-Jahresendziel
  • Massive Abflüsse aus Gold-ETFs
  • Fed-Zinserhöhungen belasten den Goldpreis
  • Charttechnik zeigt angeschlagene Lage

Goldman Sachs zieht die Reißleine. Die US-Investmentbank senkt ihr Jahresendziel für Gold drastisch von 5.400 auf 4.900 US-Dollar je Feinunze. Der Grund liegt in massiven Abflüssen aus ETFs und einer hartnäckigen US-Notenbank. Für das Edelmetall setzt sich damit eine bittere Korrektur fort.

Am Freitag rutschte der Goldpreis auf 4.172,90 US-Dollar ab. Auf Monatssicht steht ein Minus von fast acht Prozent auf der Anzeigetafel.

Die Charttechnik sieht düster aus. Der Kurs notiert weit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von rund 4.553 US-Dollar. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von 35,4 eine stark angeschlagene Lage.

Zinsen und ETF-Flucht belasten

Der Gegenwind kommt direkt von der Federal Reserve. Neun der 19 Fed-Mitglieder erwarten in diesem Jahr mindestens eine Zinserhöhung. Der Markt preist aktuell eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt bis September ein.

Diese Aussicht auf länger hohe Zinsen treibt den US-Dollar an. Die Folge: Investoren ziehen massiv Geld ab. Im Mai flossen netto zwei Milliarden US-Dollar aus goldgedeckten ETFs ab. Das global verwaltete Vermögen schrumpfte auf 604 Milliarden US-Dollar.

Asien und Nordamerika führten die Verkäufe mit Abflüssen von jeweils über einer Milliarde US-Dollar an. Lediglich Europa verzeichnete leichte Zuflüsse. Goldman Sachs warnt deutlich. Ohne dieses institutionelle Kaufinteresse aus dem Westen fehlt dem Markt ein entscheidender Motor.

Geopolitik verliert an Zugkraft

Früher trieben Krisen den Goldpreis zuverlässig nach oben. Aktuell verpufft dieser Effekt. Spannungen auf den Energiemärkten lassen leicht nach. Auch die jüngste Absage der US-Iran-Gespräche in der Schweiz brachte keine neuen Käufer in den Markt. Entspannungssignale und Rückschläge wechseln sich ab.

Goldman Sachs rechnet ein weiteres Szenario durch. Bekämpft Fed-Chef Kevin Warsh die Inflation von 4,2 Prozent mit aggressiven Zinserhöhungen, droht weiteres Abwärtspotenzial. Der Goldpreis könnte in diesem Fall bis Dezember auf 4.400 US-Dollar fallen. Die Marke von 4.150 US-Dollar dient aktuell als kritische Unterstützung.

Makrodaten bestimmen die Richtung

Die neue Handelswoche bringt wichtige Konjunkturdaten. Am 23. Juni stehen die Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen an. Am 25. Juni folgen der Kern-PCE-Preisindex und die US-BIP-Revision. Den Abschluss bilden am 26. Juni die Inflationserwartungen der Universität Michigan.

J.P. Morgan blickt derweil deutlich optimistischer in die Zukunft. Die Analysten erwarten bis Jahresende einen Anstieg auf 6.000 US-Dollar je Unze. Für 2027 sehen sie sogar 6.300 US-Dollar als mögliches Ziel. Kurzfristig entscheiden jedoch die kommenden US-Inflationsdaten über den nächsten Impuls für das Edelmetall.

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