Gold: Hebel-Anleger am Ausgang?

Der World Gold Council sieht Zinsänderungen und gehebelte Verkäufe als Treiber; langfristig orientierte Fondsanleger zeigen sich zuversichtlicher.

Die Kernpunkte:
  • Vermögensverwalter reduzierten Goldpositionen um elf Tonnen
  • Weitere Positionen sanken um rund 70 Tonnen
  • Goldfonds meldeten vergangene Woche sechs Tonnen Abfluss
  • Hedgefonds verkauften neun Wochen Goldterminkontrakte

Der jüngste Gold-Ausverkauf geht nach Einschätzung des World Gold Council vor allem auf veränderte US-Zinserwartungen und Verkäufe gehebelter Anleger zurück. Der heute veröffentlichte Wochenbericht unterscheidet damit zwischen kurzfristigem Liquidationsdruck und der Haltung längerfristig orientierter Fondsanleger. Die Erholung zum Wochenauftakt bedeutet vor diesem Hintergrund noch keine breite Rückkehr der Nachfrage.

Seit Mitte Oktober sanken die Positionen professioneller Vermögensverwalter laut World Gold Council um rund 11 Tonnen. Weitere meldepflichtige und nicht meldepflichtige Positionen sowie Positionen aus Spread-Geschäften gingen um rund 70 Tonnen zurück. Zugleich verweist die Organisation auf eine Umschichtung in Anleihen.

Diese Unterscheidung ist für Anleger entscheidend: Verkäufe zur Verringerung gehebelter Positionen sind etwas anderes als ein breiter Rückzug langfristiger Goldhalter. Der Bericht beschreibt eine schwächere US-Nachfrage, zugleich aber eine optimistischere Haltung beständiger Fondsanleger.

Fondsanleger und Terminmarkt laufen auseinander

Die Analysten von Saxo zeichnen ein ähnliches Bild. Goldfonds verzeichneten vergangene Woche Abflüsse von rund 6 Tonnen. Dem standen seit Juli Zuflüsse von etwa 150 Tonnen gegenüber. Hedgefonds verkauften dagegen neun Wochen hintereinander Goldterminkontrakte.

Damit trifft die jüngste Verkaufswelle auf einen Markt, in dem spekulative Anleger ihre Positionen bereits länger zurückfahren. Die bislang begrenzten Fondsabflüsse sprechen zugleich gegen einen unterschiedslosen Rückzug aller Anlegergruppen. Eine Entspannung am Terminmarkt wäre deshalb wichtig, um die Erholung auf eine breitere Basis zu stellen.

Vor der jüngsten Verkaufswelle lagen die spekulativen Nettokaufpositionen laut Saxo bei 107.000 Kontrakten. Das waren noch 15.000 Kontrakte mehr als am bisherigen Jahrestief. Die Zahlen beschreiben allerdings den Stand vor den letzten Verkäufen und belegen daher keine bereits abgeschlossene Bereinigung.

Entlastung beim Öl, Zinsrisiko bleibt

Kurzfristig erhält Gold Unterstützung von sinkenden Ölpreisen. Reuters berichtet heute, dass diplomatische Gespräche zwischen Iran und Katar die Ölnotierungen drückten. Das dämpfte Inflations- und Zinssorgen und half dem Edelmetall nach dem Rückschlag vom Freitag.

Die diplomatischen Signale sind allerdings noch keine gesicherte Entspannung. Iran stellte eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus und die Wiederaufnahme von Atomgesprächen unter Bedingungen in Aussicht. Washington hatte diesen Bedingungen nicht zugestimmt. Der Rückenwind für Gold hängt damit auch an politischen Entwicklungen, deren Ausgang offen ist.

Die heutige Erholung um 2,3% auf 3.963,39 USD je Feinunze zeigt, dass die Entlastung Käufer zurücklockt. Sie widerlegt aber noch nicht die Belastungsfaktoren hinter den jüngsten Verkäufen. Insbesondere bleibt die Aussicht auf eine erneute Straffung der US-Geldpolitik bestehen.

JPMorgan Private Bank erwartet laut Bloomberg weitere US-Zinserhöhungen im Dezember und im ersten Quartal 2027. Yuxuan Tang zufolge dürfte Gold erst dann einen stabilen Boden finden, wenn die Zinsen ihren Höhepunkt erreichen. Diese Einschätzung begrenzt die Aussagekraft einer einzelnen kräftigen Erholung.

Arbeitsmarktdaten als nächster Prüfstein

Die US-Zwischenwahlen am 3. November und der Arbeitsmarktbericht am 6. November bilden die nächsten Terminanker. Besonders die Beschäftigungsdaten können die Erwartungen an den weiteren Zinskurs verändern. Ein starker Bericht könnte die Aussicht auf höhere Zinsen stützen und damit die jüngste Entlastung infrage stellen.

Für eine belastbarere Stabilisierung müssen somit mehrere Entwicklungen zusammenkommen: nachlassender Verkaufsdruck gehebelter Anleger, beständige Fondsnachfrage und weniger restriktive Zinserwartungen. Der World Gold Council liefert Hinweise auf unterschiedliche Anlegerreaktionen – aber noch keinen Beleg dafür, dass die Verkaufswelle beendet ist.

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