Gold: HSBC senkt Prognose auf 4.560 Dollar
HSBC reduziert seine Goldpreiserwartungen für 2026 und 2027 deutlich. Geopolitische Spannungen und Zinsängste belasten den Edelmetallmarkt.

- HSBC kürzt Goldpreis-Prognose
- Fed-Protokolle deuten auf Zinserhöhung
- Nahost-Konflikt treibt Anleger
- Goldkurs bleibt unter Rekordhoch
Gold pendelt sich über 4.100 Dollar ein, während zwei Kräfte den Preis in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Die Eskalation im Nahen Osten treibt Anleger in den sicheren Hafen. Gleichzeitig macht die US-Notenbank mit einer möglichen Zinserhöhung dem Edelmetall das Leben schwer.
HSBC zieht daraus die Konsequenz und stutzt seine Prognosen deutlich. Die Bank senkt ihre Erwartung für den durchschnittlichen Goldpreis 2026 von 4.864 auf 4.560 Dollar je Feinunze. Für 2027 kürzt sie die Prognose von 5.000 auf 4.925 Dollar. Grund ist ein Zinsumfeld, das sich hartnäckiger zeigt als noch vor wenigen Monaten erwartet.
Fed-Protokolle sorgen für Nervosität
Die veröffentlichten Sitzungsprotokolle der Fed haben die Stimmung zusätzlich eingetrübt. Mehrere Entscheidungsträger befürworteten demnach eine Zinserhöhung, bevor der Leitzins im vergangenen Monat letztlich unverändert blieb. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.
Ein weiterer Faktor treibt die Inflationssorgen: der durch künstliche Intelligenz ausgelöste Strom-Hunger der Rechenzentren. New Yorks Fed-Präsident John Williams nannte genau diesen KI-getriebenen Nachfrageschub als den Faktor, den er derzeit am genauesten beobachtet.
Militärische Zwischenfälle, aber auch Gesprächsbereitschaft
Die US-Streitkräfte griffen am Mittwoch erneut Ziele im Iran an. Es folgten Vergeltungsschläge auf Kuwait und Bahrain, die Region blieb angespannt. Zuvor hatten Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus die Energieflüsse gestört und neue Inflationssorgen ausgelöst.
Trotzdem deutet einiges auf eine diplomatische Lösung hin. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran habe sich um eine Einigung bemüht. Berichten zufolge wollen die USA und der Iran ihre Friedensgespräche fortsetzen – trotz der jüngsten Eskalation.
Der Kurs im Wochenvergleich
Am Freitag schloss Gold bei 4.127,60 Dollar, nahezu unverändert zum Vortag mit einem Minus von 0,12 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,43 Prozent zu Buche, während sich der Preis über 30 Tage mit einem Plus von 0,81 Prozent stabil zeigt. Seit Jahresbeginn liegt Gold jedoch 4,93 Prozent im Minus.
Der Abstand zum Rekordhoch von 5.626,80 Dollar aus dem Januar beträgt mittlerweile 26,64 Prozent. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.365,48 Dollar fehlen 5,45 Prozent, zur 200-Tage-Linie sogar 9,07 Prozent. Der RSI von 44 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand – der Markt sucht seine Richtung.
Die annualisierte Volatilität von 27 Prozent zeigt, wie stark der Goldpreis derzeit zwischen geopolitischer Risikoprämie und Zinserwartungen hin- und herschwankt. HSBCs Prognosekürzung markiert dabei einen Stimmungswandel: Die kurzfristige Skepsis der Analysten wächst, selbst wenn der Nahost-Konflikt und die kommenden Fed-Signale weiterhin über die längerfristige Richtung entscheiden.
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