Gold: Indien hebt Zölle auf 15 Prozent

Schwächeres US-Wachstum und steigende Inflation verstärken Stagflationssorgen, während Indiens Zollerhöhung die Nachfrage bremst.

Die Kernpunkte:
  • US-BIP-Revision als Stagflationsindikator
  • Indien erhöht Goldimportzölle auf 15 Prozent
  • Zentralbanken kaufen Rekordmengen Gold
  • Goldpreis notiert unter 50-Tage-Durchschnitt

Drei Kräfte ziehen den Goldpreis gleichzeitig in verschiedene Richtungen. Das Ergebnis: ein hartnäckiger Seitwärtstrend, während die nächste große Weichenstellung unmittelbar bevorsteht.

BIP-Revision als Stagflations-Test

Die BEA veröffentlicht heute die zweite Schätzung des US-BIP-Wachstums für das erste Quartal 2026. Die Erstschätzung hatte einen annualisierten Zuwachs von 2,0 Prozent ergeben — unterhalb der Wall-Street-Erwartung von 2,3 Prozent.

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Entscheidend ist weniger die Wachstumszahl selbst als eine mögliche Aufwärtsrevision beim PCE-Preisdeflator. Die April-Inflation lag zuletzt bei 3,8 Prozent im Jahresvergleich — höchster Stand seit Mitte 2023. Die Kerninflation bei nicht-wohnungsbezogenen Dienstleistungen beschleunigte sich im ersten Quartal auf monatlich 0,4 Prozent, nach 0,1 Prozent im Vorquartal.

Schwächeres Wachstum kombiniert mit höherer Kerninflation würde das Stagflationsszenario erhärten. Historisch ist das ein Umfeld, in dem Gold als Schutz vor Inflation und Rezession gleichermaßen gefragt ist.

Indiens Zollhammer belastet die Nachfrage

Am 13. Mai hob die indische Zentralregierung die Importzölle auf Gold von 6 auf 15 Prozent an. Der Grundzoll stieg von 5 auf 10 Prozent, der Agrarzuschlag von 1 auf 5 Prozent.

Auslöser war ein Importanstieg um 82 Prozent im Jahresvergleich auf 5,62 Milliarden US-Dollar im April — ein Druck, den das außenwirtschaftliche Gleichgewicht nicht verkraften konnte. Die Rupie hat seit Jahresbeginn mehr als 7 Prozent abgewertet.

Der World Gold Council erwartet infolge der Maßnahme einen Rückgang der indischen Schmuck- und Barrennachfrage um 50 bis 60 Tonnen in diesem Jahr — rund 10 Prozent weniger als im Vorjahr.

Zentralbanken kaufen auf Rekordniveau

Dem Gegenwind steht eine strukturell starke Nachfrageseite entgegen. Der World Gold Council verzeichnete im ersten Quartal 2026 eine globale Goldnachfrage von 193 Milliarden US-Dollar — ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zentralbanken kauften netto 244 Tonnen, die globale Barren- und Münznachfrage stieg um 42 Prozent auf 474 Tonnen.

Besonders auffällig: China. Die chinesische Barren- und Münznachfrage kletterte um 67 Prozent auf einen Rekordwert von 207 Tonnen. Die People’s Bank of China erreichte mit rund 2.309 Tonnen ein Allzeithoch bei den offiziellen Goldreserven. Zentralbanken weltweit kaufen seit 2022 im Schnitt rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr — fünfmal so viel wie im vorangegangenen Jahrzehnt.

Seitwärtstrend mit Widerstand

Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.481 US-Dollar je Unze und liegt damit rund 3,5 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt bei 4.643 Dollar. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 3,2 Prozent — nach dem 52-Wochen-Hoch bei 5.450 Dollar im Januar hat das Metall knapp 18 Prozent abgegeben.

Das Zinsumfeld bremst. Der Markt preist eine 67-prozentige Wahrscheinlichkeit für keine weiteren Zinssenkungen im laufenden Jahr ein — Zinserhöhungen bis Jahresende gelten mit 47,4 Prozent sogar als wahrscheinlicher als Senkungen. Die Fed-Leitzinsen verharren bei 3,5 bis 3,75 Prozent.

Große Häuser bleiben dennoch bullisch: J.P. Morgan hält an einem Jahresziel von 6.000 Dollar je Unze fest, Goldman Sachs sieht 5.400 Dollar, ANZ 5.600 Dollar. Ob die heutige BIP-Revision den Seitwärtstrend bricht oder zementiert, wird sich noch heute zeigen.

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