Gold: Indien meldet gesunde Bestellungen
Indische Bestellungen und ETF-Zuflüsse stützen Gold, während höhere Ölpreise Inflationssorgen und Erwartungen weiterer US-Zinserhöhungen verstärken.

- Ölpreise schüren Sorgen um US-Inflation
- Gold-Spotpreis schloss bei 4.122,23 US-Dollar
- Indische Händler stocken Saisonbestände auf
- Gold-ETFs verzeichneten Septemberzuflüsse von zehn Milliarden US-Dollar
Die anziehende Goldnachfrage in Indien trifft auf neuen geldpolitischen Gegenwind. Der World Gold Council berichtete gestern von stärkeren Bestellungen vor der Fest- und Hochzeitssaison.
Gleichzeitig belasteten steigende Ölpreise den Goldmarkt: Laut Reuters verstärkten sie die Inflationssorgen und damit die Erwartungen an weitere US-Zinserhöhungen. Für Gold bleibt der Zinsausblick damit der kurzfristige Belastungsfaktor, während die physische Nachfrage Unterstützung verspricht.
Ölpreise verändern den Zinsausblick
Reuters führte den gestrigen Goldrückgang vor allem auf die höheren Ölpreise zurück. Der Spotpreis schloss bei 4.122,23 USD je Feinunze. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob neuer Inflationsdruck die US-Notenbank zu weiteren Zinsschritten veranlassen könnte.
Wie schnell sich dieser Einfluss dreht, zeigte bereits der Wochenbeginn. Am Montag hatten sinkende Ölpreise die Inflationssorgen gemildert und Gold laut Reuters gestützt. Die gegenläufigen Bewegungen verdeutlichen: Entscheidend ist derzeit nicht allein die Nachfrage nach dem Edelmetall, sondern auch die Bewertung des künftigen US-Zinspfads.
Der nächste wichtige Termin ist die Fed-Sitzung am 27.–28. Oktober. Reuters zitierte gestern ActivTrades-Chef Ricardo Evangelista mit der Einschätzung, dass Anleger besonders auf Hinweise zu möglichen Zinserhöhungen im Dezember achten dürften. Auch das für nächste Woche erwartete US-PCE-Inflationsmaß rückt damit in den Blick. Beide Ereignisse könnten die Zinserwartungen neu ausrichten.
Indien meldet Nachfrage, aber keinen Engpass
Aus Indien kommen unterdessen freundlichere Signale für den physischen Goldmarkt. Nach dem gestrigen Bericht des World Gold Council meldeten Hersteller gesunde Aufträge. Händler bauten vor der saisonal wichtigen Fest- und Hochzeitssaison ihre Bestände auf.
Das spricht für eine Belebung der Nachfrage, nicht jedoch für eine knappe Versorgung. Der weiterhin bestehende Abschlag zum Importparitätspreis deutete auf ausreichend verfügbares Gold im Inland hin. Hinzu kamen laut Branchenrückmeldungen Altgold und nicht offizielle Zuflüsse.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich: Mehr Bestellungen liefern ein positives Nachfragesignal. Solange der Markt ausreichend versorgt ist, lässt sich daraus aber kein unmittelbarer Preisdruck nach oben ableiten.
Anlagekäufe bilden ein Gegengewicht
Auch die Investmentnachfrage liefert Unterstützung. Der World Gold Council meldete am 7. Oktober für September weltweite Nettozuflüsse von 10 Mrd. US-Dollar in physisch besicherte Gold-ETFs. Deren Bestände stiegen auf 4.256 Tonnen.
Diese Käufe verhinderten den Preisrückgang im September allerdings nicht. Der World Gold Council führte ihn auf höhere US-Treasury-Renditen, einen stärkeren Dollar und eine rückläufige Positionierung am Terminmarkt zurück.
Damit zeigt sich erneut die Grenze der Nachfragestützen: Zuflüsse in Goldanlagen und saisonale Bestellungen können geldpolitischen Gegenwind nicht zwangsläufig ausgleichen. Für eine nachhaltige Entlastung bleibt entscheidend, ob die kommenden US-Daten und die Fed-Kommunikation die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen abschwächen.
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