Gold: Iran-Deal könnte Ölpreis entlasten
Gold gewinnt durch mögliche Ölpreis-Entlastung bei Iran-Deal. Fed-Zinserwartungen und ETF-Abflüsse bremsen jedoch den Aufwärtstrend.

- Iran-Verhandlungen beeinflussen Ölpreis
- Fed-Zinserwartungen dämpfen Gold-Fantasie
- Gold-ETFs verzeichnen erste Abflüsse
- J.P. Morgan senkt Goldpreis-Prognose
Gold profitiert zum Wochenauftakt von einer ungewöhnlichen Logik. Fortschritte in den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran könnten die Straße von Hormus wieder öffnen. Das würde den Ölpreis entlasten und damit ausgerechnet Gold stützen.
Der Markt schaut damit weniger auf das klassische Krisenmetall-Muster. Im Zentrum steht die Zinskette: Öl, Inflation, Fed, Realrenditen. Genau dort entscheidet sich aktuell, wie viel Luft Gold nach oben hat.
Iran-Deal bewegt den Ölpreis
US-Beamte berichten weiter von Verhandlungen über die genaue Formulierung eines möglichen Abkommens. Eine finale Zustimmung kann noch mehrere Tage dauern. Präsident Donald Trump schrieb in sozialen Medien, er wolle eine Einigung nicht überstürzen.
Für Gold zählt daran vor allem der Umweg über Energiepreise. Sinkt der Ölpreis, fallen auch die Sorgen vor einem neuen Inflationsschub. Das nimmt Druck von der US-Notenbank und kann die Realrenditen dämpfen.
Die Mechanik ist klar. Teureres Öl hält die Inflationserwartungen hoch. Das bremst Zinssenkungen oder erhöht sogar den Druck auf weitere Straffung. Hohe Realrenditen machen Gold weniger attraktiv, weil das Metall keine laufenden Erträge abwirft.
Fed bleibt der Gegenspieler
Genau hier liegt der Kernkonflikt. Die Märkte haben Zinssenkungen der Fed für den Rest des Jahres ausgepreist. Stattdessen rechnen sie mit mindestens einer Zinserhöhung vor Jahresende.
Laut CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit einer Senkung auf 3,25 bis 3,50 Prozent im Juni nur bei 2,6 Prozent. Unveränderte Zinsen preisen 97,4 Prozent der Marktteilnehmer ein. Das begrenzt die Fantasie beim Goldpreis spürbar.
Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 4.521,00 US-Dollar. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 1,09 Prozent, auf Monatssicht sind es 4,26 Prozent. Seit Jahresanfang bleibt Gold mit 4,13 Prozent im Plus.
Das Chartbild passt zu dieser Gemengelage. Der Preis liegt 3,18 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 17,05 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 49,8 signalisiert weder starke Überhitzung noch klaren Ausverkauf.
ETF-Abflüsse stören das Bild
Auch die Kapitalflüsse liefern kein reines Kaufsignal. In der vergangenen Woche verzeichneten Gold-ETFs erstmals seit Anfang April wieder Abflüsse. Damit endete eine Serie von drei Wochen mit Zuflüssen.
Diese Drehung fiel mit einem Sprung von West Texas Intermediate über 100 US-Dollar je Barrel zusammen. Parallel wurden 25 Handelsschiffe von iranischen Häfen umgeleitet. Kein Wunder, dass der Markt empfindlich auf jedes Signal aus der Region reagiert.
J.P. Morgan senkte die Prognose für den durchschnittlichen Goldpreis 2026. Die Bank verweist auf schwächere kurzfristige Nachfrage von Investoren. Später im Jahr sieht sie aber wieder Rückenwind durch Zentralbanken und mögliche ETF-Zuflüsse.
Strukturell kommt ein weiterer Faktor hinzu. Die Nachfrage nach Gold in Technologieanwendungen stieg im ersten Quartal um ein Prozent auf 82 Tonnen. Treiber bleibt der Ausbau von KI-Infrastruktur.
Kurzfristig hängt Gold damit am Ölpreis und an der Fed-Erwartung. Ein belastbarer Iran-Deal würde den Inflationsdruck mindern und könnte den Zinsdeckel lockern. Scheitern die Gespräche, rückt der Markt schnell wieder auf Energiepreise und Realrenditen.
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