Gold: Iran-Kurswechsel treibt Rallye

Die Entspannung im US-Iran-Konflikt schwächt den Dollar und treibt Gold auf ein Drei-Monats-Hoch. Analysten sehen weiteres Potenzial.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis steigt auf Drei-Monats-Hoch
  • Trump setzt auf wirtschaftlichen Druck statt Militär
  • US-Schulden übersteigen 40 Billionen Dollar
  • Fed-Sitzung im September bleibt Unsicherheitsfaktor

Der Goldpreis hat diese Woche ein Drei-Monats-Hoch markiert und steuert auf einen Wochengewinn von über fünf Prozent zu. Auslöser war eine überraschende Wendung in der US-Außenpolitik: Donald Trump verzichtet vorerst auf militärische Eskalation gegen Iran und setzt stattdessen auf wirtschaftlichen Druck. Das nahm dem Dollar seinen Sicherheits-Bonus – und schob Gold nach oben.

Am Freitag sprang der Comex-Future für September-Lieferung um 108,80 Dollar auf 4.629,50 Dollar je Feinunze. Silber zog parallel um gut zwei Prozent auf 69,56 Dollar an.

Trump bezeichnete sein Vorgehen als „wirtschaftlichen D-Day“ gegen Teheran und drohte allen Staaten, die iranischen Institutionen weiterhin Zugang zu Finanzsystemen gewähren, mit Konsequenzen. Iran wiederum tat die Drohung als Ablenkungsmanöver von der eigenen Schuldenlast der USA ab.

Schuldenberg und Zinsdebatte als Hintergrundrauschen

Genau diese US-Schuldenlast bleibt ein zentrales Argument der Gold-Bullen. Die US-Bundesschulden haben Mitte August die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten – rund zehn Billionen mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln, was die Renditen zeitweise deutlich drückte.

Bemerkenswert: Gold legte zuletzt zu, obwohl die Kapitalmarktzinsen gleichzeitig stiegen – normalerweise ein Gegenwind für das zinslose Edelmetall. Der Markt scheint aktuell stärker auf die Dollar-Schwäche und geopolitische Risiken zu reagieren als auf die Zinsseite.

Die Fed-Sitzung im September bleibt dabei ein Unsicherheitsfaktor: Laut CME-FedWatch-Tool preisen Investoren eine Wahrscheinlichkeit von rund 38 Prozent für eine Zinserhöhung ein, während gut 61 Prozent auf ein Halten der Zinsen setzen.

Chartbild bleibt konstruktiv

Auf Wochenbasis schloss Gold bei 4.602,50 Dollar – das höchste Wochenhoch seit Mai. Wichtige gleitende Durchschnitte, darunter die 200-Tage-Linie bei rund 4.524 Dollar, wurden im Zuge der Rallye durchbrochen und dienen nun als Unterstützung. Halten die Käufer dieses Niveau, gilt eine Bewegung Richtung 4.620 bis 4.657 Dollar als wahrscheinliches nächstes Ziel. Ein Tagesschluss unterhalb der 200-Tage-Linie würde das positive Bild dagegen eintrüben.

Die kommende Woche dürfte zeigen, ob die geopolitische Prämie Bestand hat. Sollte sich der Konflikt um die Straße von Hormus, die derzeit faktisch blockiert ist, weiter zuspitzen, bliebe der Rückenwind für Gold intakt. Eine diplomatische Entspannung zwischen Washington und Teheran könnte hingegen einen Teil der jüngsten Gewinne wieder infrage stellen.

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