Gold: Islamabad-Memorandum löst Risikoprämie auf
Gold erlebt eine deutliche Korrektur mit vier Verlustwochen in Folge. Inflation, Fed-Politik und nachlassende geopolitische Risiken setzen dem Edelmetall zu.

- Gold verliert vier Wochen in Folge
- Fed signalisiert weitere Zinserhöhungen
- Geopolitische Risikoprämie schwindet
- US-Jobsbericht als nächster Test
Rund 27 Prozent unter seinem Allzeithoch, vier Verlustwochen am Stück und ein Monatsminus von fast acht Prozent — Gold steckt in einer handfesten Korrektur. Hinter dem Rücksetzer stehen drei Kräfte, die gleichzeitig wirken: eine hartnäckige Inflation, eine hawkishe Fed und das Ende einer geopolitischen Risikoprämie.
Fed macht Zinssenkungen unwahrscheinlich
Der Kern-PCE-Index verharrte im Mai bei 3,4 Prozent. Der Gesamt-PCE lag bei 4,1 Prozent — deutlich über der Fed-Prognose von 3,6 Prozent. Das zeigt: Die Inflation ist kein reines Energieproblem. Die Nachfrageseite heizt weiter an.
Fed-Chef Warsh bekräftigte das Bekenntnis zur Inflationsbekämpfung. Zinssenkungen rücken damit in weite Ferne. Märkte preisen derzeit drei Zinserhöhungen für dieses Jahr ein. Die Wahrscheinlichkeit einer ersten Anhebung im September liegt bei 62 Prozent. Den Leitzins hält die Fed aktuell bei 3,5 bis 3,75 Prozent.
Ein stärkerer Dollar ist die Folge — und der drückt auf den Goldpreis.
Islamabad-Memorandum löst Risikoprämie auf
Am 17. Juni unterzeichneten Trump und der iranische Präsident Pezeshkian das sogenannte Islamabad-Memorandum. Es umfasst eine 60-tägige Waffenruhe und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die Ölpreise kehrten auf Vorkonfliktniveaus zurück.
Für Gold bedeutet das den Wegfall einer wichtigen Stütze. Die geopolitische Risikoprämie, die zuletzt sowohl Ölpreise als auch Safe-Haven-Nachfrage hochhielt, hat sich aufgelöst. Kein Wunder, dass der Goldpreis seither unter Druck steht.
Technisches Bild und Bankprognosen
Gold schloss die vergangene Woche bei 4.103,70 Dollar — ein Wochenminus von 1,7 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt bei rund 4.480 Dollar liegt weit oberhalb des aktuellen Kurses. J.P. Morgan sieht Gold zwischen dem 200-Tage-Durchschnitt bei rund 4.340 Dollar und dem 50-Tage-Durchschnitt eingeklemmt. Die 4.000-Dollar-Marke gilt als nächste Unterstützung — ein Bruch würde weiteren Abgabedruck signalisieren.
Die Bankprognosen für Jahresende klaffen weit auseinander. Goldman Sachs senkte sein Kursziel von 5.400 auf 4.900 Dollar. Begründung: Die Fed senkt 2026 nicht. J.P. Morgan hält dagegen und erwartet 6.000 Dollar bis Jahresende — räumt aber ein, dass Geopolitik und Fed-Politik kaum kalkulierbar sind.
Jobsbericht am Donnerstag als nächster Test
Der wichtigste Datenpunkt der Woche kommt am Donnerstag: Das Bureau of Labor Statistics veröffentlicht den US-Arbeitsmarktbericht für Juni. Im Mai schuf die US-Wirtschaft 172.000 Stellen — doppelt so viele wie erwartet. Ein erneut starkes Ergebnis würde die Zinserhöhungserwartungen weiter befeuern und Gold zusätzlich belasten. Am Montag erscheint außerdem der ISM Manufacturing PMI für Juni.
Trotz der jüngsten Schwäche steht Gold im Jahresvergleich noch rund 25 Prozent im Plus. Das übergeordnete Bild bleibt konstruktiv — sofern die 4.000-Dollar-Marke hält.
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