Gold: J.P. Morgan sieht 6.000 Dollar

Staatliche Goldkäufe erreichen historisches Niveau und stützen den Preis trotz starkem Dollar und sinkender geopolitischer Risiken.

Die Kernpunkte:
  • Rekordnachfrage der Zentralbanken
  • Gold überholt US-Staatsanleihen als Reserve
  • Zinserhöhungen belasten den Goldpreis
  • Charttechnik signalisiert Abwärtstrend

Der Goldpreis wehrt sich gegen den geldpolitischen Gegenwind. Westliche Investoren fliehen vor hohen Zinsen. Dennoch hält sich das Edelmetall wacker. Aktuell notiert die Feinunze bei rund 4.226 US-Dollar und gewinnt heute 1,28 Prozent. Hinter dieser Stabilität steckt ein massiver Strukturwandel. Staatliche Akteure ersetzen zunehmend private Spekulanten.

Zentralbanken im Kaufrausch

Ein neuer Bericht des World Gold Council liefert den Grund für die Widerstandsfähigkeit. Fast die Hälfte der befragten Notenbanken will ihre Goldreserven im kommenden Jahr aufstocken. Das ist ein historischer Rekordwert. Besonders Schwellenländer treiben diese Entwicklung an. Sie wollen sich unabhängiger vom US-Dollar machen.

Die Folgen dieser Umschichtung sind bereits messbar. Laut der Europäischen Zentralbank überholte Gold Ende 2025 erstmals seit Jahrzehnten die US-Staatsanleihen. Das Edelmetall macht nun 27 Prozent der globalen Währungsreserven aus. US-Papiere fielen auf 22 Prozent zurück.

Zinsdruck bremst den Kurs

Dieser staatlichen Nachfrage steht ein hartes Marktumfeld gegenüber. Die US-Inflation verharrt bei 4,2 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh signalisiert daher weitere Zinsschritte bis zum Jahresende. Das stärkt den US-Dollar und verteuert Gold für Käufer außerhalb der USA. Da das Edelmetall keine Zinsen abwirft, ziehen westliche Anleger ihr Kapital ab.

Parallel dazu verliert Gold seinen Status als Krisenwährung. Die USA und der Iran verhandeln in der Schweiz über ein neues Abkommen. Ein vereinbarter Fahrplan könnte den Konflikt innerhalb von 60 Tagen entschärfen. Das senkt die Sorgen um den Öltransport in der Straße von Hormus. Die geopolitische Risikoprämie schmilzt.

Warnsignale im Chart

Diese Belastungsfaktoren hinterlassen Spuren im Kursverlauf. Auf Monatssicht verlor Gold gut sechseinhalb Prozent. Der Kurs rutschte deutlich unter den 50-Tage-Durchschnitt von 4.542 US-Dollar. Die Folge: ein drohendes „Death Cross“. Dabei fällt die kurzfristige Durchschnittslinie unter die langfristige. Das werten Charttechniker oft als Startschuss für einen längeren Abwärtstrend.

Analysten passen ihre Modelle entsprechend an. Goldman Sachs senkt das Kursziel für 2026 auf 4.900 US-Dollar. J.P. Morgan blickt hingegen auf die massiven Notenbankkäufe. Die US-Bank hält langfristig 6.000 US-Dollar für erreichbar.

Kurzfristig richten Marktteilnehmer den Blick nach unten. Die psychologische Marke von 4.000 US-Dollar dient als wichtiges Auffangbecken. Hält diese Unterstützung nicht, drohen weitere Abverkäufe. Neue Impulse liefern die US-Inflationsdaten am Ende der Woche. Der anstehende PCE-Kernpreisindex dürfte die nächste größere Kursbewegung auslösen.

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