Gold: Kehrtwende am Abend

Schwache US-Arbeitsmarktdaten senken Zinserwartungen und treiben den Goldpreis trotz starkem Dollar ins Plus.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis dreht nach schwachen Jobdaten
  • US-Arbeitsmarkt enttäuscht im Juni
  • Fed-Zinserhöhung wird unwahrscheinlicher
  • Silber legt ebenfalls deutlich zu

Der Goldpreis hat sich am Montag durch einen turbulenten Handelstag gearbeitet. Am Nachmittag notierte die Feinunze noch bei rund 4.135 Dollar, gut 40 Dollar leichter als am Freitag — belastet von einem wieder erstarkten Dollar. Bis zum Abend drehte der Kurs jedoch ins Plus und kletterte auf 4.162,20 Dollar, ein Tagesgewinn von 36,50 Dollar oder 0,88 Prozent.

Schwache Jobdaten treiben den Dreh

Auslöser der Wende war der Blick auf die Zinspolitik der US-Notenbank. Die US-Wirtschaft schuf im Juni nur 57.000 neue Stellen — deutlich weniger als die erwarteten 110.000 und der niedrigste Wert seit vier Monaten. Nach drei Monaten mit überraschend starken Zuwächsen sorgte das für eine Neubewertung der Fed-Erwartungen. Investoren rechnen laut CME-FedWatch-Tool aktuell nur noch mit 25,10 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung auf der Sitzung am 28. und 29. Juli, während 74,90 Prozent von einer Pause ausgehen.

Sinkende Ölpreise dämpften zusätzlich die Inflationssorgen. Nach der Vereinbarung zwischen den USA und Iran vom 17. Juni normalisierte sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, zudem kündigten sieben OPEC-Mitglieder eine Förderausweitung an. Das drückte WTI-Rohöl auf 68,28 Dollar und nahm dem Dollar trotz eines leicht festeren Dollarindex von 100,96 etwas Rückenwind.

Zweifel am Wendepunkt bleiben

Der Tagesausschlag fügt sich in ein größeres Bild ein: Nach dem schwächsten Quartal seit 2013 mit einem Verlust von rund 13,4 Prozent zeigt Gold zuletzt erste Erholungstendenzen. Charttechnisch bleibt die Lage neutral, solange die Unterstützung bei 4.000 Dollar hält — Fundamentaldaten und Prognosen der großen Investmentbanken laufen derzeit aber so weit auseinander wie selten zuvor. Rückenwind liefert strukturelle Nachfrage: Notenbanken weltweit kauften im Mai netto 41 Tonnen Gold hinzu.

Auch Silber profitierte vom schwächeren Zinsausblick und sprang um 2,06 Prozent auf 62,10 Dollar je Feinunze. Die kommende Fed-Sitzung Ende Juli dürfte zeigen, ob die aktuelle Erholung Bestand hat oder ob der Dollar seine Stärke zurückgewinnt.

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