Gold: Krisenprämie trotzt fallendem Ölpreis

Gold gibt nach starkem Lauf leicht nach, während geopolitische Spannungen den Preis stützen. Öl und Gold entkoppeln sich zunehmend.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis fällt nach Gewinnmitnahmen
  • Zinserhöhungswahrscheinlichkeit sinkt deutlich
  • Geopolitische Spannungen stützen Gold
  • Ölpreis schwächelt, Gold bleibt robust

Nach dem stärksten Lauf seit Wochen kommt am Freitag die Verschnaufpause. Anleger nehmen Gewinne mit, nachdem der Goldpreis zuvor auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten geklettert war. Der Grund für den Rückzug: milde US-Inflationsdaten hatten zuletzt Zinssorgen gedämpft — genau diese Erleichterung wird nun teilweise wieder eingepreist.

Am Freitagmorgen gab der aktivste Gold-Future um 39,70 Dollar auf 4.380,70 Dollar je Feinunze nach. Damit bewegt sich der Preis in etwa auf dem Niveau, das er bereits am Donnerstag nach einem Rücksetzer um 37,40 Dollar erreicht hatte. Auch Silber verlor im gleichen Atemzug rund ein Prozent.

Zinsfantasie schwindet, Krisenprämie bleibt

Die US-Erzeugerpreise blieben im Juli gegenüber dem Vormonat unverändert, nach einem revidierten Rückgang im Juni. Die Verbraucherpreise legten nur geringfügig zu, während die Benzinpreise den zweiten Monat in Folge sanken. Laut dem CME FedWatch Tool taxieren Händler die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September inzwischen nur noch auf 33 Prozent — vor einer Woche lag dieser Wert noch bei rund 55 Prozent.

Eigentlich eine klassische Steilvorlage für Gold: sinkende Zinserwartungen machen das zinslose Edelmetall attraktiver. Dass der Preis trotzdem nachgibt, liegt an der Gegenbewegung des Dollar, der seine Verluste zuletzt wieder eingrenzen konnte. Hinzu kommt simples Gewinnmitnahme-Verhalten nach vier Handelssitzungen mit Kursgewinnen in Folge.

Bemerkenswert ist die Entkopplung von Gold und Öl. Während der Ölpreis wegen schwächerer Nachfrageaussichten und hoher US-Lagerbestände zuletzt deutlich nachgab, hält sich die geopolitische Risikoprämie bei Gold hartnäckig. Der Konflikt zwischen den USA und Iran um die Straße von Hormus ist inzwischen im sechsten Monat.

Am Donnerstag wurden zwei Schiffe des staatlichen Ölkonzerns ADNOC bei der Durchfahrt durch die Meerenge angegriffen, was die Vereinigten Arabischen Emirate als iranischen Angriff werteten. Vermittlungsversuche zwischen Washington und Teheran bringen bislang keinen Durchbruch — beide Seiten verschärfen stattdessen ihre Rhetorik.

Diese Gemengelage aus nachlassender Zinsangst und anhaltendem geopolitischem Risiko sorgt für ein ungewöhnliches Bild: Gold verliert kurzfristig an Schwung, ohne sein fundamentales Sicherheitsargument zu verlieren.

Am Abend richtet sich der Blick der Marktakteure auf den wöchentlichen Commitments-of-Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC, der um 21.30 Uhr Aufschluss über die Positionierung der großen Terminmarkt-Akteure bei Gold-Futures gibt.

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