Gold: Kurs fällt nach Warsh-Rede

Gold verliert trotz kräftiger Zentralbankkäufe an Wert. Nach Warshs Rede rechnen Märkte häufiger mit einer US-Zinserhöhung im September.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis fällt um 2,7 Prozent
  • Zentralbanken kaufen 288,9 Tonnen
  • September-Zinserhöhung deutlich wahrscheinlicher
  • Fed-Entscheidung bleibt überwiegend offen

Der Goldpreis steckt zwischen zwei gegenläufigen Kräften fest. Auf der einen Seite treibt eine massive Nachfragewelle der Notenbanken den Markt strukturell an, auf der anderen Seite sorgen Zinssignale und ein Militärschlag im Nahen Osten für kurzfristige Nervosität. Aktuell notiert Gold bei 4.331,87 US-Dollar je Feinunze, nach einem Tagesverlust von 2,7 Prozent.

Militärschlag in der Straße von Hormus bewegt Ölpreis, nicht Gold

Das US-Militär griff am Montag iranische Raketenwerfer in der Straße von Hormus an – der erste derartige Angriff seit mehr als einem Monat. Normalerweise würde eine solche Eskalation im Nahen Osten Gold als sicheren Hafen beflügeln. Diesmal reagierten vor allem die Ölpreise, während der Goldpreis unter Druck blieb. Der Grund liegt in der Gemengelage: Die Zinssignale aus der US-Notenbank überlagern derzeit selbst geopolitische Schockmomente.

Notenbanken kaufen so viel wie seit Jahren nicht

Während der Markt kurzfristig auf Zinsängste reagiert, zeichnet sich strukturell ein anderes Bild ab. Die Zentralbanken kauften im zweiten Quartal 2026 laut World Gold Council 288,9 Tonnen Gold – ein Plus von 62,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und mehr als das Fünffache des schwachen ersten Quartals mit 56,5 Tonnen.

Eine Umfrage des World Gold Council vom Juni ergab zudem, dass 45 Prozent von 74 befragten Zentralbanken auf Jahressicht weitere Goldkäufe planen – der höchste je erfasste Anteil seit Beginn der Erhebung 2018.

Diese strukturelle Nachfrage erklärt, warum Gold trotz der jüngsten Verluste im August den stärksten Monatszuwachs seit Januar verzeichnete – ein Plus von 10 Prozent.

Getrieben wurde diese Rally durch die Ankündigung des US-Finanzministeriums, seine Rückkäufe längerfristiger Staatsanleihen zur Liquiditätsstützung zu verdoppeln. Anleger werteten dies als Signal einer schleichenden Geldentwertung, den sogenannten Debasement-Trade, und suchten Zuflucht in Gold.

Zinswetten kippen nach Warsh-Rede

Der eigentliche Belastungsfaktor der vergangenen Tage bleibt die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh beim Notenbanktreffen in Jackson Hole am vergangenen Sonntag. Warsh warnte, die Inflation sinke nicht signifikant, und bekräftigte das Ziel der Notenbank, zur Zwei-Prozent-Marke zurückzukehren – bei aktuell nicht restriktiven Finanzierungsbedingungen. Seither hat Gold rund 2,8 Prozent verloren.

Die Marktreaktion auf Warshs Aussagen war deutlich: Laut CME FedWatch Tool sprang die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September von rund 36 Prozent auf etwa 64 Prozent.

Für die kommende FOMC-Sitzung am 15. und 16. September gehen die Markterwartungen dennoch überwiegend von einem Zinshalten bei 3,50 bis 3,75 Prozent aus – mit etwa 69 Prozent Wahrscheinlichkeit gegenüber rund 31 Prozent für eine Anhebung um 25 Basispunkte.

Ausblick bleibt gespalten

Die Gemengelage aus struktureller Notenbanknachfrage und kurzfristigem Zinsdruck dürfte den Goldpreis bis zur Fed-Entscheidung Mitte September volatil halten. Anleger müssen zwischen zwei Narrativen abwägen: dem langfristigen Kaufinteresse der Zentralbanken als Fundament und der kurzfristigen Zinspolitik als Belastungsfaktor.

Der Arbeitsmarktbericht am 4. September dürfte als nächster wichtiger Datenpunkt die Zinserwartungen erneut testen – und damit auch die Richtung des Goldpreises in den kommenden Wochen mitbestimmen.

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