Gold: LBMA suspendiert zwei chinesische Raffinerien

Die LBMA streicht zwei chinesische Raffinerien von ihrer Liste, was den Goldhandel weiter fragmentieren könnte. Zentralbanken kaufen trotzdem weiter.

Die Kernpunkte:
  • Zwei chinesische Raffinerien suspendiert
  • China Gold Association protestiert scharf
  • Zentralbanken kaufen weiter Gold
  • Goldpreis zeigt überkaufte Signale

Während der Goldpreis seine Rekordjagd fortsetzt, eskaliert im Hintergrund ein Konflikt um die Standards der Edelmetallbranche. Die London Bullion Market Association (LBMA) hat binnen weniger Wochen zwei chinesische Raffinerien von ihren Good-Delivery-Listen suspendiert – mit Folgen, die weit über den Goldmarkt hinausreichen könnten.

Zunächst traf es Anfang August Shandong Gold Smelting, nachdem das Unternehmen auf die US-Liste zum Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA) gesetzt worden war.

Am Donnerstag vergangener Woche folgte die zweite Suspendierung: Hunan Shuikoushan Nonferrous Metals Group verlor seinen Status, weil die Prüfgesellschaft dem Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 keine uneingeschränkte Freigabe für den Responsible-Silver-Compliance-Bericht erteilt hatte.

Die China Gold Association reagierte scharf und wirft den USA sowie der LBMA vor, die UFLPA-Liste gezielt als Instrument gegen Teile der chinesischen Goldindustrie einzusetzen.

Zentralbanken kaufen weiter, unabhängig vom Streit

Der Disput um Lieferkettenstandards ändert nichts an der grundsätzlichen Nachfragedynamik: Zentralbanken weltweit bauen ihre Goldreserven aus. Die Volksbank Chinas selbst kaufte im zweiten Quartal 33 Tonnen – der größte Einzelquartalskauf seit Ende 2023 und Teil einer Serie von mittlerweile 21 aufeinanderfolgenden Monaten mit Zukäufen. Auch Polen und Südkorea bauen ihre Bestände strukturell aus, während die Türkei nach Jahren als Großkäufer im ersten Quartal rund 70 Tonnen abgab.

Der Konflikt um die Good-Delivery-Standards trifft die Branche also zu einem Zeitpunkt, in dem geopolitische Spannungen und Zentralbankaktivität ohnehin eng verflochten sind. Sollten weitere chinesische Raffinerien ins Visier der LBMA geraten, könnte das den physischen Goldhandel zwischen West und Ost weiter fragmentieren – ein Szenario, das langfristig auch Preisbildung und Lieferrouten beeinflussen dürfte.

Kursniveau bleibt angespannt hoch

Am Markt selbst zeigt sich die Nervosität in der Bewertung: Der Relative-Strength-Index von 70,5 signalisiert eine überkaufte Situation, nachdem der Goldpreis am Freitag mit 4.661,60 US-Dollar schloss und binnen 30 Tagen um 15 Prozent zulegte. Der Handelsstreit um Lieferkettenstandards liefert dabei keinen unmittelbaren Kurstreiber, wirkt aber als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor in einem ohnehin fragilen geopolitischen Umfeld.

Blick nach vorn: Jackson Hole und FOMC als nächste Fixpunkte

Für die kommenden Wochen richten sich die Blicke auf geldpolitische Termine: Am 28. August spricht Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson Hole Economic Symposium, am 16. September folgt die nächste FOMC-Sitzung samt aktualisiertem Dot Plot.

Beide Termine dürften die Zinserwartungen und damit die Dollar-Bewertung beeinflussen – und damit indirekt auch, wie stark sich der Streit um chinesische Raffinerien auf die globalen Goldflüsse auswirkt.

Die China Gold Association hat bereits signalisiert, dass sie den Konflikt nicht auf sich beruhen lassen will. Wie die LBMA darauf reagiert, dürfte mitentscheiden, ob sich die Fragmentierung des physischen Marktes fortsetzt.

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