Gold: Liquiditäts-Falle?
ANZ sieht mögliche Goldverkäufe zur Verlustdeckung; hohe Energiepreise und Inflationsdaten halten zugleich Zinssorgen aufrecht.

- ANZ nennt Gold als mögliche Liquiditätsquelle
- Feinunze schließt bei 3.981,32 US-Dollar
- September-PCE steigt jährlich um 3,6 Prozent
- Weitere Fed-Zinsschritte bleiben möglich
Der Ausverkauf bei KI-Aktien könnte heute auch den Goldmarkt zusätzlich belasten. Nach Einschätzung von ANZ können Anleger Gold verkaufen, um Verluste an anderer Stelle zu decken. Damit trifft ein möglicher Liquiditätsbedarf auf ein bereits schwieriges Zinsumfeld. Für eine nachhaltige Erholung müsste deshalb nicht nur der Inflationsdruck nachlassen, sondern auch der Verkaufsdruck an den Aktienmärkten abebben.
Gold als mögliche Liquiditätsquelle
Die Einschätzung von ANZ erklärt, weshalb Turbulenzen am Aktienmarkt dem Edelmetall nicht zwangsläufig zugutekommen. Wenn Anleger Verluste ausgleichen müssen, kann Gold selbst zur Verkaufsposition werden. Die Bank beschreibt damit einen möglichen zusätzlichen Belastungsfaktor, keinen bereits nachgewiesenen Umfang solcher Verkäufe.
Zum heutigen Tagesschluss kostet die Feinunze 3.981,32 USD bei einer Tagesveränderung von -1,0%. Der Rückgang passt zum belasteten Umfeld, lässt sich aber nicht allein den möglichen Verkäufen zur Verlustdeckung zuschreiben.
Zeitweise erhielt Gold Unterstützung durch einen schwächeren Dollar und sinkende US-Anleiherenditen. Diese Gegenkräfte reichten jedoch nicht aus, um den Verkaufsdruck dauerhaft aufzufangen. Für Anleger ist deshalb entscheidend, ob sich die Belastungen gegenseitig verstärken oder die stützenden Faktoren wieder mehr Gewicht erhalten.
Öl verteuert das Inflationsrisiko
Neben den Aktienmarktturbulenzen bleiben die höheren Ölpreise ein zentraler Gegenwind. Reuters berichtet über Angebotsängste nach verstärkten Huthi-Angriffen auf Saudi-Arabien. Steigende Energiepreise nähren die Sorge vor hartnäckiger Inflation und damit vor weiteren Zinserhöhungen.
Die gestern veröffentlichten US-PCE-Daten unterstreichen dieses Risiko: Im September stiegen die Preise um 0,5% gegenüber dem Vormonat und um 3,6% gegenüber dem Vorjahr. Die jährliche Kernrate lag bei 3,1%.
Die Zinspause der Fed am Mittwoch bedeutet deshalb keine Entwarnung für Gold. Weitere Straffungen bleiben möglich. Höhere Zinsen verteuern nach Darstellung von Reuters das Halten unverzinslicher Edelmetalle. Der Ölpreisanstieg wirkt somit über die erwartete Geldpolitik auf den Goldmarkt zurück.
Politische Termine sind kein Richtungssignal
Als nächste mögliche Impulsgeber gelten die US-Zwischenwahlen am 4. November und die Oktober-Arbeitsmarktdaten. Die Commerzbank hält eine geteilte Regierung für möglich. Für Gold hängen die politischen Folgen nach Einschätzung der Bank jedoch von den tatsächlichen wirtschaftspolitischen Entscheidungen ab.
Der Wahlausgang allein liefert damit noch keine belastbare Richtung. Kurzfristig steht Gold zwischen möglichen Verkäufen zur Verlustdeckung und zeitweiliger Unterstützung durch Dollar und Renditen. Solange hohe Energiepreise zugleich weitere Zinsschritte erwarten lassen, ist eine Kurserholung noch kein Beleg für eine grundlegend veränderte Nachrichtenlage.
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