Gold: Morgan Stanley erwartet 5.000 Dollar bis 2027

US-Liquiditätsmaßnahmen stützen Dollar und drücken Gold leicht. Zentralbankkäufe und optimistische Analystenprognosen stützen den langfristigen Aufwärtstrend.

Die Kernpunkte:
  • US-Maßnahme stützt Dollar
  • Goldpreis gibt leicht nach
  • Notenbanken stocken Reserven auf
  • Analysten sehen Kurspotenzial

Der Goldmarkt steckt in einem Tauziehen zwischen zwei Kräften. Auf der einen Seite stehen Zentralbanken, die ihre Reserven massiv aufstocken. Auf der anderen Seite sorgt eine überraschende Entscheidung aus Washington für Gegenwind.

Das US-Finanzministerium kündigte am heutigen Donnerstag an, seine Liquiditäts-Rückkäufe für langlaufende Staatsanleihen zu verdoppeln. Das Ziel: mehr Stabilität am Anleihemarkt. Die Folge für Gold ist unmittelbar spürbar, denn die Maßnahme stützt den US-Dollar und lässt die Renditen von US-Staatsanleihen anziehen.

Spot-Gold, das zuvor ein Zwei-Monats-Hoch erreicht hatte, gab daraufhin nach. Aktuell notiert die Feinunze bei 4.584,90 US-Dollar, nach einem Schlusskurs von 4.581,30 Dollar am Mittwoch – der Rücksetzer bleibt damit bislang moderat.

Fed-Protokolle nähren Zinssorgen

Zusätzlichen Druck lieferten die am Mittwoch veröffentlichten Protokolle der Fed-Sitzung vom Juli. Sie bestätigten anhaltende Inflationssorgen innerhalb der Notenbank.

Der Markt preist laut CME FedWatch Tool mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 67,4 Prozent dafür ein, dass die Fed die Zinsen im September unverändert lässt. Das dämpft die Attraktivität von Gold als zinslosem Vermögenswert zumindest kurzfristig, auch wenn der Goldpreis seit der jüngsten Fed-Entscheidung vor gut drei Wochen um 11,0 Prozent zugelegt hat.

Notenbanken bleiben strukturelle Käufer

Der World Gold Council bestätigte in seinem Quartalsbericht eine deutliche Aufstockung der Goldreserven durch Zentralbanken im zweiten Quartal. Besonders aktiv zeigte sich Polens Notenbank, die ihre Bestände um 51 Tonnen auf insgesamt 632 Tonnen ausbaute. Diese strukturelle Nachfrage gilt als einer der wichtigsten Stützpfeiler für den langfristigen Aufwärtstrend, unabhängig von kurzfristigen Zinsschwankungen.

In einer separaten Studie hob der World Gold Council zudem hervor, dass Gold gegenüber anderen Rohstoffen die stärkste Diversifikationsquelle für institutionelle Portfolios darstelle.

Auch der Einzelhandel rückt in den Fokus der Branchenorganisation: Der World Gold Council führte am heutigen Donnerstag den „Gold Dealer Assurance Standard“ ein, einen neuen globalen Rahmen, der Transparenz und Vertrauen im Goldhandel stärken soll. Für Privatanleger könnte das langfristig die Verlässlichkeit physischer Goldkäufe erhöhen.

Analysten sehen weiteres Aufwärtspotenzial

Trotz des aktuellen Gegenwinds bleiben Bankanalysten optimistisch. Morgan Stanley prognostizierte am heutigen Donnerstag einen Anstieg des Goldpreises auf über 5.000 US-Dollar je Unze bis 2027, getrieben von ETF-Zuflüssen und anhaltenden Zentralbankkäufen. Bereits am Mittwoch hatte UBS ihr Kursziel deutlich angehoben und im laufenden Zyklus Potenzial bis auf 5.400 Dollar gesehen.

Die kurzfristige Bewegung durch Dollar-Stärke und steigende Renditen relativiert sich damit vor dem Hintergrund der langfristigen Erwartungen der Analysten. Für Anleger bleibt der Rücksetzer nach dem Zwei-Monats-Hoch damit eher eine technische Verschnaufpause als eine Trendwende – solange die strukturellen Käufer, allen voran die Notenbanken, am Markt aktiv bleiben.

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