Gold: Neue Chancen mit Präsident Trump?

Der Kurssprung im Goldpreis, nachdem klar wurde, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat, ist erst einmal kein Liebesbeweis. Eher das Gegenteil. Denn der Preis der Feinunze ist hier ganz klarer Seismograph für die Unsicherheit im Markt, was man vom neuen US-Präsidenten zu erwarten hat. Dennoch sollte diese eindeutige Marktreaktion nicht nur als kurzfristiges Zucken abgetan werden, da der Goldpreis auch unter den neuen Aspekten durchaus über eine positive Perspektive verfügt.

© Pixabay
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Allerdings wird dies kein Selbstläufer sein. Denn immer wieder schießen natürlich auch Analysten quer, welche die aktuelle und zu erwartende Bewertung des Goldes infrage stellen. So hatte sich kurz vor dem Wahlgang die Deutsche Bank diesbezüglich positioniert, dass der Goldpreis (zum Zeitpunkt der Analyse bei rund 1.293 USD je Unze) bereits rund 20% über seinem fairen Wert läge. Inwieweit die Analysten unter den neuen politischen Voraussetzungen daran festhalten, werden wir vielleicht demnächst erfahren.

Was für einen weiteren Goldpreis-Anstieg spricht

Tatsache ist allerdings, dass sich das Geschehen im Goldmarkt prinzipiell wohl nur kurzfristig mit den amerikanischen Wahlergebnissen auseinandersetzen wird. Vielmehr ist zu erwarten, dass die altbekannten Diskussionen über einen neuen positiven Gold-Zyklus in den kommenden Jahren wieder aufgenommen werden, was ganz grundsätzlich aus unserer Warte eher für steigende Goldpreise sorgen dürfte.

Dazu zwei Argumente: Ein wichtiger Stichwort- und Impulsgeber für den Goldpreis bleibt die Geldpolitik. Jüngste Abschläge im Goldpreis waren darauf zurückzuführen, dass man der amerikanischen Notenbank eine Verschärfung der Zinswende zutraute. Wenn uns nicht alles täuscht, dürfte mit der Wahl von Donald Trump die Notenbank vorerst weitere Maßnahmen wieder in die Schublade stecken, inklusive der bereits im Markt erwarteten Zinserhöhung im Dezember.

Zinsen dürften vorerst nur moderat steigen

Dies resultiert im Wesentlichen daraus, dass faktisch noch niemand das tatsächliche wirtschafts- und fiskalpolitische Programm von Donald Trump im Detail kennt (er selbst wohl auch nicht). In dieser Situation dürfte sich die FED, so wie sie sich in den vergangenen zwölf Monaten darstellte, weiter sehr vorsichtig verhalten und jede zusätzliche Belastung der US-Wirtschaft vermeiden wollen.

Eine Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus bzw. die Aussicht auf mittel- bis langfristig nur moderate Zinssteigerungen wäre natürlich positiv für den Goldpreis, der als Anlage-Asset im Wettbewerb auch zu verzinsten Anlagen steht und dabei normalerweise den Kürzeren zieht.

Gold profitiert von Nachfrage der Notenbanken aus Schwellenländern

Ein weiterer Grund, der langfristig für Gold spricht (wenngleich auch mit einem langfristigen Wirkung-Horizont), liegt in den Aktivitäten insbesondere der Notenbanken aus den Schwellenländern bzw. in Emerging Markets. Dabei steht vor allem weiter China im Fokus. Gemessen an den gesamten Devisenreserven hat Gold noch einen relativ geringen Stellenwert im Portfolio der Peoples Bank of China.

Das dürfte sich in den kommenden Jahren sukzessive ändern. Was nicht nur mit einer Risikostreuung zu tun hätte, sondern auch mit dem Versuch, die Wichtigkeit des US-Dollar in Devisenreserven zurückzufahren. Auf den Punkt gebracht: Gold als Gegenpart zum US-Dollar dürfte für die Chinesen weniger monetär wichtig sein, sondern mehr politisch.

Volatilität im Zyklus sollte kein größeres Problem werden

Auf kurze Sicht bleibt die Anfälligkeit des Goldpreises grundsätzlich hoch. Was auch daraus resultiert, dass die einzelnen Determinanten, die auf den Goldpreis einwirken, immer wieder höheren Schwankungen unterworfen sein dürften. Bestes Beispiel dafür liefert der Word Gold Council mit seinen aktualisierten Nachfragezahlen im Goldmarkt zum dritten Quartal.

Demnach ist die globale Goldnachfrage zwar gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10% gesunken, was vor allem einer schwachen Nachfrage aus dem Schmuckbereich zu verdanken war. Demgegenüber ist allerdings die Nachfrage aus dem Investment-Sektor deutlich gestiegen. Was allerdings auch heißt, dass Investoren insgesamt eher zu den volatileren Nachfragern zählen.

Aus dieser Marktsituation heraus ergibt sich folgendes Bild: Der Goldpreis hat grundsätzlich das Potenzial, seinen Aufschwung weiter fortzusetzen. Hierbei sind allerdings im großen Zyklus auch immer wieder Korrekturphasen zu erwarten. Entsprechend sollten Anleger hier mit Absicherung etc. arbeiten.

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