Gold: Notenbanken kaufen 288,9 Tonnen im Q2

Zentralbanken kaufen weiter Gold, während US-Arbeitsmarktdaten und höhere Zinserwartungen den Preis belasten und die Fed-Entscheidung näher rückt.

Die Kernpunkte:
  • China kauft 22 Monate in Folge
  • Notenbanken erwerben 288,9 Tonnen
  • 45 Prozent planen weitere Goldkäufe
  • US-Daten erhöhen Zinserwartungen

Der Goldpreis notiert am Dienstag bei 4.395,18 US-Dollar je Feinunze und gibt damit im Tagesvergleich 0,2 Prozent nach. Während kurzfristige Zinserwartungen den Kurs belasten, liefert die Nachfrage der Notenbanken ein starkes Gegengewicht – und genau darin liegt derzeit die entscheidende Frage für Anleger: Wie lange trägt der strukturelle Rückenwind aus den Zentralbanken, wenn die geldpolitische Großwetterlage gegen Gold spricht?

China hat seine Goldkaufsträhne im August auf den 22. Monat in Folge ausgeweitet und die Bestände auf 76,73 Millionen Feinunzen erhöht. Damit setzt die chinesische Notenbank einen Trend fort, der weit über kurzfristige Kursschwankungen hinausreicht.

Noch deutlicher fiel das Bild im zweiten Quartal aus: Notenbanken weltweit kauften laut World Gold Council 288,9 Tonnen Gold, ein Plus von 62,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Polen war mit 51 Tonnen größter Einzelkäufer, China legte um weitere 33 Tonnen zu.

Umfrage zeigt ungebrochenen Kaufwillen

Eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken unterstreicht, dass dieser Trend anhalten dürfte: 45 Prozent der Institute planen, ihre Goldbestände in den kommenden zwölf Monaten weiter aufzustocken – der höchste Anteil seit 2018. Auch bei privaten Anlegern zeigt sich Zuversicht: Die SPDR Gold Shares hielten zum 2. September rund 1.057 Tonnen Gold, ein Plus von 11,13 Tonnen gegenüber der Vorwoche und bereits die siebte Woche in Folge mit Bestandsaufbau.

Diese strukturelle Nachfrage trifft auf ein kurzfristig schwierigeres Umfeld. Am vergangenen Freitag hatte ein Fed-Gouverneur unveränderte Zinsen signalisiert, seither hat der Goldpreis rund 0,8 Prozent verloren. Hinzu kommen deutlich stärker als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten: Die Nonfarm Payrolls legten im August um 162.000 Stellen zu, weit über der Erwartung von 56.000. Das hat laut CME FedWatch Tool die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung beim September-Treffen der Fed auf rund 60 Prozent steigen lassen – ein Umfeld, das Gold als zinslosen Vermögenswert grundsätzlich unattraktiver macht.

Blick auf die Marke von 4.400 Dollar

Der aktuelle Kurs liegt rund 3,3 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.255,16 US-Dollar, gleichzeitig aber knapp 2,9 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.524,29 US-Dollar. Das deutet auf eine Konsolidierung nach dem scharfen Rückgang vom Rekordhoch bei 5.598,58 US-Dollar Ende Januar hin, von dem der Preis inzwischen gut ein Fünftel entfernt notiert.

Für die kommenden Tage rücken nun die anstehenden Inflationsdaten in den Fokus. Anleger warten auf die PPI- und CPI-Zahlen dieser Woche, die weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der Fed liefern sollen.

Verschärfend wirkt zudem die geopolitische Lage: Ölpreise nähern sich nach Angriffen auf Schiffe im Zusammenhang mit den USA und dem Iran über das Wochenende einem Drei-Monats-Hoch, was die Inflationssorgen zusätzlich nährt.

Kommende Woche folgt dann die Zinsentscheidung der Fed selbst – ein Termin, der angesichts der gestiegenen Zinserhöhungswahrscheinlichkeit richtungsweisend für den weiteren Kursverlauf sein dürfte.

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