Gold: Notenbanken kaufen so viel wie nie

Zentralbanken kauften im zweiten Quartal 289 Tonnen Gold. Privatanleger blieben zurückhaltend, während Analysten mittelfristig optimistisch bleiben.

Die Kernpunkte:
  • 289 Tonnen Zentralbankkäufe im zweiten Quartal
  • China stockt Goldreserven weiter auf
  • Gold-ETFs bleiben hinter Kursanstieg zurück
  • Analysehäuser bestätigen mittelfristig höhere Kursziele

Während der Goldpreis von seinem Rekordhoch aus dem Januar zurückgekommen ist, zeigt sich hinter den Kulissen ein bemerkenswerter Trend: Notenbanken haben im zweiten Quartal so viel Gold gekauft wie nie zuvor in diesem Zeitraum. Die Nachfrage der Institutionen kontrastiert damit deutlich mit der Zurückhaltung privater Anleger.

Notenbanken kaufen wie nie zuvor

Weltweit erwarben Zentralbanken im zweiten Quartal netto 289 Tonnen Gold – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der stärkste je gemessene Wert für ein zweites Quartal. China setzte seine Käufe fort und stockte die eigenen Reserven im Juli um rund 20 Tonnen auf inzwischen 76,08 Millionen Unzen auf – der 21. Monat in Folge mit Zukäufen.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet erwarben Notenbanken in den vergangenen vier Jahren jährlich etwa 1.000 Tonnen, doppelt so viel wie im Jahrzehnt zuvor, wie der Vermögensverwalter Crescat Capital feststellte.

Diese strukturelle Nachfrage steht in auffälligem Gegensatz zum Verhalten börsengehandelter Goldfonds. Die Bestände der Gold-ETFs legten seit einem Tief Mitte Juli lediglich um 2,8 Prozent auf 98,9 Millionen Unzen zu, obwohl der Goldpreis im selben Zeitraum um rund 15 Prozent gestiegen war und Ende August bei 4.600 US-Dollar je Unze notierte.

Der Zuwachs bleibt damit deutlich hinter der Kursbewegung zurück – ein Indiz dafür, dass viele Privatanleger die jüngste Rally nicht mitgetragen haben.

Kurs pendelt zwischen Zinssorgen und langfristigem Aufwärtstrend

Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.420,76 US-Dollar je Feinunze und gibt am heutigen Handelstag um 0,7 Prozent nach. Am vergangenen Sonntag hatte Fed-Chef Kevin Warsh mit einer strikteren geldpolitischen Rhetorik die Erwartung an eine Zinserhöhung im September verstärkt, seither hat das Edelmetall um 0,8 Prozent nachgegeben. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 5,1 Prozent, während der Blick über die vergangenen zwölf Monate ein Plus von 27 Prozent zeigt.

Trotz der jüngsten Korrektur bewerten mehrere Analysehäuser den mittelfristigen Ausblick optimistisch. Goldman Sachs bekräftigte ein Kursziel von 4.900 US-Dollar bis Jahresende, während die UBS ihre Zielmarke von 5.400 US-Dollar bis September 2027 beibehielt.

TD Securities sieht kurzfristig zwar Abwärtsrisiko bis in Richtung 4.200 US-Dollar, hält aber am langfristigen Ziel von 5.350 US-Dollar bis zum dritten Quartal 2027 fest.

Der Vermögensverwalter Julius Baer verweist zudem auf einen strukturellen Faktor: Das US-Finanzministerium hat seine Anleiherückkäufe seit vor gut drei Wochen verdoppelt, was den Dollar schwächt und Gold als Anlagealternative stützt.

Indien als stiller Vermögenstreiber

Ein weiterer Baustein der Goldnachfrage liegt abseits der Notenbanken: Indische Haushalte halten laut einer Analyse des Analysehauses Jefferies rund 25.000 Tonnen Gold im Wert von etwa 3,9 Billionen US-Dollar – knapp ein Viertel des gesamten Haushaltsvermögens des Landes. Diese Goldbestände sind seit Anfang 2026 innerhalb von zwei Jahren um 1,9 Billionen Dollar gewachsen.

Ein weiterer Preisanstieg von 10 Prozent könnte laut Jefferies zusätzliches Vermögen von 400 Milliarden Dollar schaffen und über goldbesicherte Kredite einen spürbaren Wachstumsimpuls für die indische Konjunktur liefern – ein Effekt, der über die reine Anlageklasse Gold hinausweist und die volkswirtschaftliche Bedeutung des Edelmetalls in Schwellenländern unterstreicht.

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