Gold, Öl, Weizen: Die drei Fronten der neuen Knappheit
Gold-ETFs verzeichnen Milliardenzuflüsse, Öl bleibt knapp und die Agrarwirtschaft kämpft mit Margen. Drei strukturelle Knappheiten prägen die Märkte.

- Gold-ETFs mit Milliardenzuflüssen im April
- Ölpreise bleiben über 100 Dollar
- Deutsche Landwirtschaft unter Druck
- DAX-Konzerne zahlen Rekorddividenden
Liebe Leserinnen und Leser,
am Freitag schloss ich mit der Frage, ob steigende Ölpreise und hartnäckige Inflation der Realwirtschaft engere Grenzen setzen als die US-Tech-Rally ausgleichen kann. Die Antwort zeichnet sich ab — und sie führt nicht in die Chipfabriken von Nvidia, sondern in Goldminen, auf Weizenfelder und durch die Straße von Hormus.
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Während die Wall Street feiert — 84 Prozent der S&P-500-Unternehmen übertrafen im ersten Quartal die Gewinnerwartungen, die US-Unternehmensgewinne stiegen im Jahresvergleich um 10,8 Prozent —, verschieben sich die Kapitalflüsse in eine Richtung, die viele Portfolios noch nicht abbilden. Rohstoffe und Agrar-Investments ziehen institutionelles Geld an, das nach Schutz vor einer Kombination sucht, die kein Lehrbuch empfiehlt: steigende Preise bei stockendem Wachstum.
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Die neuen Bullen tragen Helm und Schutzbrille
Bank-of-America-Chefstratege Michael Hartnett hat den Materialsektor zu den „neuen Bullen“ erklärt. Der Sektor macht gerade einmal 2 Prozent des S&P 500 aus — aber er sitzt an der Schnittstelle dreier gewaltiger Nachfragetreiber: 750 Milliarden US-Dollar an KI-Kapitalausgaben, die physische Infrastruktur verschlingen. Fast 3 Billionen US-Dollar an globalen Militärausgaben, die Stahl, Kupfer und seltene Erden binden. Und ein US-Wohnungsdefizit von über 4 Millionen Häusern, das jede Konjunkturdelle bei den Baumaterialien auffängt.
Das sichtbarste Signal liefert Gold. Globale Gold-ETFs verzeichneten im April Zuflüsse von 6,6 Milliarden US-Dollar, davon 3,7 Milliarden allein aus Europa. Die weltweiten Bestände kletterten auf 4.137 Tonnen, das verwaltete Vermögen auf 615 Milliarden US-Dollar. Der Preis pendelt zuletzt um 4.723 US-Dollar pro Unze.
State Street liefert dazu eine bemerkenswerte Formel: Solange Öl über 100 US-Dollar pro Fass notiert, bleibe Gold unter 5.000 US-Dollar. Bei einem Friedensabkommen und Ölpreisen unter 80 US-Dollar seien hingegen 5.500 US-Dollar pro Unze erreichbar. Von diesem Umfeld profitieren Minenbetreiber unmittelbar. Schroders setzt in seinen Portfolios auf Agnico Eagle Mines, die im April durch die Übernahmen von Rupert Resources und Aurion Resources sowie einer B2Gold-Beteiligung massiv expandierten.
Weizen unter Wasser, Kasachstan im Aufwind
Die zweite Front verläuft auf dem Acker. In Deutschland decken die Erlöse oft nicht mehr die Produktionskosten: Weizen notiert bei 180 Euro pro Tonne, der Breakeven liegt bei 230 Euro. Die Bewirtschaftungskosten sind in fünf Jahren um 25 Prozent gestiegen, Pachtpreise von über 700 Euro pro Hektar kaum noch zu erwirtschaften. Europas Landwirtschaft steckt in einer strukturellen Ertragskrise.
Kasachstan nutzt diese Lücke. Durch verlängerte Vegetationszeiten infolge des Klimawandels baut das Land vielfältigere Fruchtfolgen an und bedient den hohen Futtermittelbedarf Chinas ebenso wie die europäische Nachfrage nach Leinsamen. Wer auf der Weltkarte nach dem nächsten Agrar-Hub sucht, sollte den Blick nach Zentralasien richten.
Einen unerwarteten Nachfrageschub löst die Pharmaindustrie aus: Der Siegeszug der GLP-1-Abnehmspritzen treibt den Bedarf an Proteinprodukten, insbesondere Whey. Die Preise für Molkenprotein steigen rasant, die Industrie kämpft mit Lieferengpässen. Was als medizinische Innovation begann, wird zum Preistreiber im Ernährungssektor.
Hormus: Die dritte Front bleibt die gefährlichste
Am Freitag feuerte die US-Marine auf die iranischen Öltanker „M/T Sea Star III“ und „M/T Sevda“ und setzte beide außer Gefecht. Die Straße von Hormus bleibt der bestimmende Faktor für die Energiemärkte — auch wenn sich die Börsen an militärische Meldungen aus der Region gewöhnt haben.
Die Versorgungslage ist angespannt. Shell-CEO Wael Sawan warnte bei der Präsentation der Quartalszahlen vor einer globalen Rohölknappheit von fast 1 Milliarde Barrel. Goldman Sachs schätzt den täglichen Lagerbestandsabbau auf 11 bis 12 Millionen Barrel. Brent pendelt zwischen 100 und über 111 US-Dollar.
Die Ölkonzerne verdienen an der Verknappung: Shell übertraf mit einem bereinigten Quartalsgewinn von 6,92 Milliarden US-Dollar die Erwartungen, erhöhte die Dividende um 5 Prozent und kündigte ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm an. Für Aktionäre ist das erfreulich. Für die europäische Industrie, die jeden Dollar Ölpreisanstieg in ihren Margen spürt, ist es das Gegenteil.
Deutschland: Rekorddividenden bei politischem Stillstand
In Frankfurt reagieren Anleger auf die Konjunkturflaute mit einer klaren Strategie: Dividenden kassieren. Die DAX-Konzerne schütten laut einer aktuellen EY-Analyse eine Rekordsumme von 55,3 Milliarden Euro aus — ein Plus von 5,9 Prozent. Angeführt von der Allianz mit 6,5 Milliarden Euro und der Deutschen Telekom mit 4,8 Milliarden Euro.
Die Autobranche fällt dagegen ab. Mercedes-Benz kürzt die Ausschüttung um 19 Prozent, die Porsche AG sogar um 56 Prozent. Die Branche, die Deutschlands Wohlstandsversprechen über Jahrzehnte verkörperte, liefert den Aktionären zuletzt vor allem Enttäuschungen.
Das politische Umfeld verschärft die Unsicherheit. Nach dem Veto des Bundesrates gegen die 1.000-Euro-Entlastungsprämie sucht die Koalition nach Alternativen. Ifo-Präsident Clemens Fuest warnt vor dem ab Juli 2026 geltenden neuen Grundsicherungssystem, bei dem die Grenzbelastung auf bis zu 90 Prozent steigen kann — ein System, das Mehrarbeit bestraft statt belohnt. Vor dem am Sonntag beginnenden DGB-Bundeskongress warnte Verdi-Chef Frank Werneke die SPD vor „Selbstzerstörung“ durch drohenden Sozialabbau.
Die Wähler ziehen ihre Schlüsse: Laut Insa führt die AfD mit 28 Prozent nun fünf Punkte vor der Union, die SPD rutscht auf 13 Prozent. Der Euro fiel derweil auf ein Allzeittief von 0,9095 Schweizer Franken. Die UBS prognostiziert mittelfristig 0,95 Franken, Contrarian-Investoren wetten auf 0,87.
Was jetzt zählt
Drei Knappheiten bestimmen die kommenden Wochen: knappes Öl, knappes Gold, knappe Agrar-Margen. Alle drei sind strukturell, nicht zyklisch. Wer sein Portfolio bisher als Wahl zwischen Tech und Anleihen verstand, muss diese Achse erweitern.
Rekorddividenden auf der einen, politische Unsicherheit und Inflationsdruck auf der anderen Seite — wer sein Depot jetzt neu ausrichtet, sollte verstehen, warum klassische Zinsanlagen in diesem Umfeld an ihre Grenzen stoßen. Der kostenlose Report „Die Zinsillusion platzt“ zeigt konkrete Strategien, wie Anleger ihr Portfolio gegen Inflation und Anleihekrise absichern können. Gratis-Report jetzt herunterladen
Am Montag veröffentlicht Bayer die Q1-Zahlen — CEO Bill Anderson präsentiert ab 7:30 Uhr das mit Spannung erwartete Update. In der Folgewoche berichtet Nvidia am 20. Mai, die PMIs für Deutschland und die Eurozone folgen am 21. Mai, der Ifo-Geschäftsklimaindex am 22. Mai. Die Frage dieser Tage lautet nicht mehr, ob Rohstoffe eine Renaissance erleben. Sondern ob Europas Wirtschaft stark genug ist, um von ihr zu profitieren — oder ob sie nur die Rechnung bezahlt.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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