Gold: Polen kauft 63,6 Tonnen

Weltweite Goldreserven der Zentralbanken erreichen mit über 36.600 Tonnen einen neuen Höchststand, angetrieben durch geopolitische Unsicherheiten.

Die Kernpunkte:
  • Globale Reserven erreichen Rekordniveau
  • Polen bleibt aggressivster Goldkäufer
  • Geopolitische Motive treiben Nachfrage
  • Fed-Politik belastet kurzfristig den Preis

Zentralbanken weltweit halten inzwischen so viel Gold wie nie zuvor. Die globalen Reserven haben erstmals die Marke von 36.600 Tonnen durchbrochen. Bemerkenswert dabei: Der Kaufrausch hält an, obwohl der Goldpreis auf historisch hohem Niveau notiert.

Zusammen besitzen die Notenbanken 36.664,5 Tonnen Gold. Das entspricht 16,7 Prozent der gesamten Menge, die jemals aus der Erde gefördert wurde. Auf Basis der Juli-Notierungen beträgt der Marktwert dieser Reserven rund 4,78 Billionen US-Dollar.

Größter Einzelhalter bleiben die USA. Mit 8.133 Tonnen kommen die Vereinigten Staaten auf einen Marktwert von etwa 1,06 Billionen Dollar. Das macht 22,2 Prozent aller Zentralbank-Reserven weltweit aus.

Polen kauft, während der Kurs schwankelt

Am Freitag rutschte der Goldpreis um zwei Prozent auf 4.052 Dollar je Feinunze ab. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.252 Dollar liegt das Edelmetall damit rund fünf Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn steht sogar ein Rückgang von 6,48 Prozent zu Buche.

Notenbanken lassen sich davon nicht beirren. Polen bleibt der aggressivste Käufer weltweit: 2025 kaufte das Land 102 Tonnen Gold, in den ersten Monaten 2026 kamen weitere 63,6 Tonnen hinzu. Zum aktuellen Preis entspricht das einem Investment von rund 21,6 Milliarden Dollar.

Insgesamt zeigt sich das Bild 2026 differenzierter als in den Vorjahren. Nach Daten von BestBrokers kauften Zentralbanken bislang 224,2 Tonnen Gold, verkauften aber auch 221,4 Tonnen. Unterm Strich bleibt ein Nettokauf von nur rund drei Tonnen – deutlich weniger als in früheren Boomjahren.

Analyst Alan Goldberg von BestBrokers sieht darin trotzdem keinen Strategiewechsel. Die Notenbanken hätten ihre Käufe selbst bei Rekordpreisen fortgesetzt. Sein Erklärungsansatz: ein grundlegend verändertes geopolitisches Umfeld.

Der Auslöser liegt vier Jahre zurück

Den entscheidenden Wendepunkt markiert laut Marktbeobachtern das Jahr 2022. Damals froren westliche Staaten rund 300 Milliarden Dollar russischer Zentralbankguthaben ein. Seitdem gilt Gold als Absicherung gegen genau solche Maßnahmen – es liegt physisch im eigenen Land und unterliegt keiner fremden Jurisdiktion.

Neben Polen kaufen vor allem Länder aus Osteuropa und Zentralasien kräftig zu. Usbekistan erhöhte seine Reserven um 16,5 Tonnen, Kasachstan um 6,5 Tonnen. Tschechien, im Vorjahr noch unter den größten Käufern, kommt 2026 bislang auf 3,4 Tonnen.

China bleibt ebenfalls aktiv, allerdings in gemäßigterem Tempo. Peking stockte seine Bestände um 2,2 Tonnen auf – ein kleiner, aber seit Monaten konstanter Baustein in Chinas langfristiger Diversifikationsstrategie.

Fed-Zinspolitik drückt kurzfristig auf den Preis

Aktuell belasten steigende Ölpreise die Stimmung am Goldmarkt. Sorgen um Lieferengpässe am Golf treiben die Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen länger hoch hält. Das mindert die Attraktivität des zinslosen Edelmetalls und erklärt den jüngsten Rücksetzer auf rund 4.050 Dollar.

Mit einem RSI von 44,4 und einem Abstand von knapp 11 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt zeigt der Chart derzeit keine Überhitzung, aber auch keine klare Erholungstendenz. Die annualisierte Volatilität von 23,47 Prozent signalisiert weiterhin nervöse Handelsbedingungen.

Die strukturelle Nachfrageseite bleibt davon unberührt, solange die geopolitischen Motive fortbestehen. Ob sich weitere Länder dem Kurs von Polen, Kasachstan oder China anschließen, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Fiskalischer Druck könnte einzelne Notenbanken künftig aber auch vom Käufer zum Verkäufer machen.

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