Gold: Polen strebt 700 Tonnen Reserven an

Gold hält sich bei 4.601,25 US-Dollar, während Notenbanken ihre Käufe im zweiten Quartal auf 288,9 Tonnen steigerten.

Die Kernpunkte:
  • Zentralbankkäufe erreichen Quartalsrekord
  • Polen und China besonders aktiv
  • Gold-ETFs verzeichnen Nettoabflüsse
  • Inflation übertrifft US-Erwartungen

Gold notiert am heutigen Freitag bei 4.601,25 US-Dollar je Feinunze und behauptet damit sein hohes Niveau nach der kräftigen August-Rally. Der eigentliche Treiber hinter der Stärke liegt jedoch nicht im Tagesgeschäft, sondern in einer strukturellen Verschiebung: Notenbanken kaufen so viel Gold wie nie zuvor in einem zweiten Quartal.

Stärkstes zweites Quartal der Geschichte

Der World Gold Council bezifferte die Nettokäufe der Zentralbanken im zweiten Quartal auf 288,9 Tonnen – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal mit 177,9 Tonnen. Damit war es das stärkste zweite Quartal in der Historie der Erhebung. Für das erste Halbjahr insgesamt kamen die Notenbanken auf 345 Tonnen Nettokäufe, was zwar unter dem Vorjahrestempo liegt, aber die deutliche Beschleunigung im zweiten Quartal nicht schmälert.

Polen zählte mit 51 Tonnen im zweiten Quartal zu den aktivsten Käufern und kam im ersten Halbjahr auf 82 Tonnen – das Land arbeitet nach eigenen Angaben auf ein Ziel von 700 Tonnen Goldreserven hin.

Auch die chinesische Zentralbank blieb aktiv: Mit 33 Tonnen verzeichnete sie den größten Einzelquartalszukauf seit Ende 2023 und setzte damit eine seit 21 Monaten andauernde Serie kontinuierlicher Käufe fort. Eine Umfrage des World Gold Council im Juni ergab zudem, dass 45 Prozent von 74 befragten Zentralbanken weitere Goldkäufe planen – der höchste Anteil seit 2018.

Diese offizielle Nachfrage bildet ein Gegengewicht zu einem eher zurückhaltenden ETF-Markt: Im zweiten Quartal flossen netto 45 Tonnen aus Gold-ETFs ab, vor allem aus Nordamerika. Punktuell zeigte sich allerdings auch hier Kaufinteresse – der SPDR Gold Trust verbuchte an einem einzelnen Handelstag im August Nettozuflüsse von 637 Millionen US-Dollar.

Inflationsdaten und Zinsfantasie

Parallel zur Zentralbanknachfrage bleibt die geldpolitische Lage im Fokus der Anleger. Die am Mittwoch veröffentlichten PCE-Inflationsdaten für die USA fielen mit einem monatlichen Anstieg von 0,2 Prozent und einer Jahresrate von 3,7 Prozent stärker aus als erwartet – die Kernrate lag bei 3,3 Prozent auf Jahressicht.

Trotz der überraschend hohen Inflation taxiert der CME FedWatch-Indikator die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im September auf lediglich 38 Prozent.

Diese Gemengelage aus robuster Inflation und verhaltenen Zinserhöhungserwartungen hält Gold als zinslosen Vermögenswert attraktiv. Hinzu kommt eine gewisse geopolitische Entspannung: Der Iran erklärte am Donnerstag die Wiederaufnahme von Gesprächen mit Oman zum Management der Straße von Hormus unter US-Druck, während der Ölpreis parallel unter Druck geriet.

Blick auf Angebotsseite und kommende Termine

Auf der Angebotsseite bleibt die Lage angespannt. Die weltweite Förderung liegt bei rund 3.300 Tonnen pro Jahr, den bekannten wirtschaftlich abbaubaren Reserven von etwa 64.000 Tonnen stehen kaum neue große Funde gegenüber.

Eine Studie von S&P Global zeigte, dass zwischen 2023 und 2024 keine bedeutenden neuen Goldvorkommen entdeckt wurden – seit 2020 gab es lediglich sechs nennenswerte Funde mit zusammen 27 Millionen Unzen an Reserven und Ressourcen.

Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick auf zwei Termine: die heutige Rede von Fed-Chair Kevin Warsh in Jackson Hole, seine erste in dieser Funktion, sowie die FOMC-Sitzung Mitte September. Beobachter erwarten von Warsh keine klare Vorabfestlegung zum Zinspfad – die eigentliche Richtungsentscheidung dürfte damit auf den September vertagt bleiben.

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