Gold: Rally verliert an Tempo

Nach dem Tagesverlust von 3,2 Prozent liegt Gold auf Monatssicht 9,5 Prozent vorn; Makrofaktoren halten die weitere Richtung offen.

Die Kernpunkte:
  • Feinunze schließt bei 4.454,60 US-Dollar
  • Monatsplus bleibt bei 9,5 Prozent
  • Keine neuen Angebotsmeldungen bestätigt
  • Kurs nähert sich dem 200-Tage-Schnitt

Der Goldpreis kommt nach Wochen kräftiger Kursgewinne nicht zur Ruhe. Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.454,60 US-Dollar, ein Rückgang von 3,2 Prozent binnen Tagesfrist. Trotz des Rücksetzers steht auf Sicht von 30 Tagen weiterhin ein Plus von 9,5 Prozent zu Buche – die jüngste Schwäche relativiert die vorangegangene Rally, beendet sie aber nicht.

Neue fundamentale Impulse fehlten zuletzt. Reuters berichtete, dass keine bestätigten Primärmeldungen zu Angebotsstörungen, Minenausfällen oder offiziellen Lagerbestandsdaten vorlägen. Die bereits bekannten Treiber – anhaltende Nachfrage nach sicheren Häfen sowie die Entwicklung von Zinsen und Dollar – bestimmten weiterhin das Sentiment, ohne dass sich daraus ein frischer Impuls ergeben hätte.

Rally verliert an Tempo, Fundament bleibt intakt

Die Kursbewegung der vergangenen Wochen war außergewöhnlich. Medienberichten zufolge hatte Gold Ende August bereits eine Rally von mehr als 16 Prozent binnen weniger als vier Wochen hinter sich, bevor eine Verschnaufpause einsetzte. Zuvor hatte der Preis mehrfach Mehrmonatshochs markiert und Marken übersprungen, die seit Monaten nicht mehr erreicht worden waren.

Diese Dynamik speiste sich aus mehreren Quellen: schwächere Realzinsen, ein unter Druck stehender Dollar und geopolitische Verunsicherung hatten die Nachfrage nach dem Edelmetall über Wochen hinweg getrieben.

Die Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht ordnete die Entwicklung Ende vergangener Woche mit Sorgen über steigende Staatsschulden und einer dollarschwächenden Wirkung angekündigter Anleiherückkäufe des US-Finanzministeriums ein – ein Thema, das den Markt bereits am vergangenen Mittwoch bewegt hatte und seither nachwirkt.

Charttechnik zeigt Abkühlung, aber keinen Trendbruch

Der aktuelle Kurs liegt nur noch 2,0 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Das deutet darauf hin, dass Gold trotz der jüngsten Verluste in unmittelbarer Nähe seines langfristigen Trends notiert und noch keinen fundamentalen Bruch der Aufwärtsbewegung signalisiert. Die Konsolidierung wirkt damit eher wie eine Verdauungsphase nach einem sehr schnellen Anstieg als wie eine Trendwende.

Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Ohne neue Primärnachrichten zu Angebot oder Nachfrage dominieren weiterhin die bekannten Makrofaktoren das Bild. Solange Zins- und Dollarentwicklung sowie geopolitische Risiken im Fokus bleiben, dürfte der Goldpreis volatil bleiben, ohne dass sich aus den aktuellen Daten eine klare Richtungsentscheidung ablesen lässt.

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