Gold: Rentenmarkt rettet die Bullen
Fallende Anleiherenditen und ein nachgebender Dollar stützen Gold trotz Inflationsdruck und drittem Wochenverlust in Folge.

- Renditen sinken trotz höherer Zinserwartungen
- Schwächerer Dollar gibt Gold Auftrieb
- Dritter Wochenverlust mit fast 1,9 Prozent
- Fed-Entscheidung am 15. und 16. September
Ein Inflationsschock, der eigentlich Gold hätte belasten müssen, endete am Freitag mit einer Kehrtwende. Die US-Verbraucherpreise zogen im August stärker an als im Vormonat, die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung in der kommenden Woche kletterte auf über 86 Prozent. Trotzdem drehte der Goldpreis ins Plus – ein Widerspruch, der sich bei genauerem Blick auflöst.
Warum steigende Zinserwartungen Gold nicht schaden
Normalerweise gilt: Höhere Zinserwartungen machen zinslose Anlagen wie Gold unattraktiver. Diesmal reagierte vor allem der Rentenmarkt anders als erwartet – die Renditen gaben nach, der US-Dollar-Index gab seine anfänglichen Gewinne wieder ab und pendelte um die Marke von 99,10 Punkten.
Genau diese Kombination aus fallenden Renditen und einem schwächelnden Dollar verschaffte dem Edelmetall Auftrieb, auch wenn die Kernrate der Inflation mit 2,4 Prozent im Jahresvergleich noch über den Fed-Zielen liegt.
Am Freitag kletterte Gold zwischenzeitlich wieder über seinen 100-Tage-Durchschnitt zurück, nachdem die CPI-Zahlen für kurzfristige Volatilität gesorgt hatten. Das Comex-Future für Oktober notierte zuletzt bei 4.375,80 Dollar je Feinunze.
Charttechnisch bleibt die Lage vertrackt
Zum Wochenschluss stand der Goldpreis dennoch bei 4.347,80 Dollar – der dritte Wochenverlust in Folge, ein Minus von fast 1,9 Prozent. Im 4-Stunden-Chart notiert das Metall unterhalb der SMA200, was kurzfristig für eine leicht bärische Tendenz spricht. Auf Tagesbasis bietet die Zone um 4.268,40 Dollar, abgeleitet aus dem 50-Tage-Durchschnitt, eine wichtige Unterstützung.
Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 4.443 Dollar würde das Bild wieder klar bullisch aufhellen. Bis dahin dürfte sich Gold in einer Konsolidierungsphase bewegen, in der Rentenmärkte und Dollarkurs die eigentlichen Taktgeber bleiben – nicht allein die Zinserwartungen selbst.
Die Fed entscheidet am 15. und 16. September über die Zinsen. Bleibt es bei der aktuell eingepreisten Erhöhung um 25 Basispunkte, dürfte sich zeigen, ob der Rentenmarkt seine stützende Rolle für Gold auch nach der Entscheidung beibehält.
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