Gold: Reuters-Umfrage mit Haken?

Reuters-Befragte senken ihre Goldschätzung für 2026 geringfügig und heben die Erwartung für 2027 an.

Die Kernpunkte:
  • 2026-Prognose bei 4.495 Dollar je Feinunze
  • 2027-Schätzung steigt auf 4.650 Dollar
  • Zentralbankkäufe stützen die Goldnachfrage
  • Hohe US-Renditen belasten den Goldpreis

Die Erwartungen für Gold entwickeln sich auseinander: Eine heute veröffentlichte Reuters-Umfrage zeigt eine leicht gesenkte Preisprognose für das laufende Jahr. Für das kommende Jahr fällt die Einschätzung dagegen höher aus als zuvor. Unter den befragten Analysten und Händlern stehen hohe US-Renditen und ein starker Dollar einer stützenden Nachfrage von Zentralbanken gegenüber.

Kurzfristig vorsichtiger, langfristig zuversichtlicher

Der Median der Goldpreisprognosen für 2026 liegt laut Reuters bei 4.495 Dollar je Feinunze. Vor drei Monaten hatten die Befragten noch 4.509 Dollar erwartet. Die Anpassung fällt damit gering aus.

Die Umfrage zeichnet kein einheitlich negatives Bild. Vielmehr unterscheiden die Teilnehmer zwischen den Belastungen durch das Zinsumfeld und der Nachfrage nach physischem Gold. Diese Trennung ist für Anleger wichtiger als eine isolierte Betrachtung der gesenkten Jahresschätzung.

Für 2027 stieg die mittlere Prognose auf 4.650 Dollar je Feinunze. In der vorherigen Befragung hatte sie bei 4.610 Dollar gelegen.

Reuters nennt Zentralbankkäufe sowie die physische Nachfrage aus Indien und China als Stützen. Auf der Gegenseite stehen hohe US-Anleiherenditen und die Erwartung länger hoher Zinsen. Die angehobene Prognose für das kommende Jahr bedeutet deshalb nicht, dass die Befragten die kurzfristigen Belastungen bereits überwunden sehen.

Niedrigere Realrenditen reichen nicht aus

Wie schwierig das Umfeld bleibt, betonen die Commerzbank-Analysten Thu Lan Nguyen und Carsten Fritsch heute. Gold sei trotz gesunkener US-Zinserwartungen und niedrigerer realer Renditen unter Druck geraten. Auch Turbulenzen am französischen Anleihemarkt hätten bislang keine Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen ausgelöst.

Damit fehlt dem Edelmetall nach ihrer Einschätzung Unterstützung aus Entwicklungen, die ihm sonst helfen könnten. Die Analysten halten eine Zinserhöhung der Fed in dieser Woche für sehr unwahrscheinlich. Eine begrenzte Überraschung durch die Notenbank könnte aus ihrer Sicht entsprechend nur eine begrenzte Goldreaktion auslösen.

Die aktuelle Preisentwicklung liefert ebenfalls noch kein eindeutiges Erholungssignal. Mit 4.047,99 USD je Feinunze liegt der Spot-Schlusskurs weiterhin in einem Umfeld, das Analysten von Dollarstärke und Zinsunsicherheit geprägt sehen.

Für die Einordnung der Reuters-Prognosen ist dieser Unterschied entscheidend: Eine höhere Erwartung für das kommende Jahr ist keine Aussage darüber, wann die laufende Schwäche endet. Ebenso wenig garantiert die Nachfrage der Zentralbanken eine unmittelbare Trendwende.

Erholung möglich, Spielraum begrenzt

Roukaya Ibrahim von BCA Research sieht nach übermäßigen Verkäufen eine mögliche Erholung in den kommenden Wochen. Ihre Einschätzung bleibt jedoch ausdrücklich vorsichtig. Anhaltende Inflation und eine restriktive Fed-Politik könnten den Aufwärtsspielraum begrenzen. Hinzu kommt ein Dollar, der ihrer Erwartung nach bis Jahresende stark bleiben dürfte.

Die Reuters-Umfrage und diese Einschätzung widersprechen sich daher nicht grundsätzlich. Eine kurzfristige Erholung kann begrenzt bleiben, während die längerfristigen Erwartungen steigen. Zentralbankkäufe und physische Nachfrage bilden dabei das Gegengewicht zu den geldpolitischen Belastungen. Für Goldanleger ergibt sich daraus eine vorsichtig konstruktive Perspektive – aber noch keine Bestätigung, dass die Korrektur abgeschlossen ist.

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