Gold: Russisches Metall fließt nach Hongkong

Russisches Gold gelangt verstärkt über Hongkong nach China; der direkte Einfluss auf den Goldpreis dürfte laut Artikel gering bleiben.

Die Kernpunkte:
  • Russische Goldimporte übertreffen Hongkongs Vorjahresrekord
  • Anteil russischen Goldes erreicht 14,7 Prozent
  • Chinas Goldreserven wachsen im ersten Halbjahr
  • Hongkong wirbt Zentralbanken als Lagerkunden an

Der Goldhandel sucht sich neue Wege. Hongkong hat von Januar bis Juli 112,7 Tonnen Gold russischer Herkunft importiert und damit den bisherigen Jahresrekord aus 2025 geknackt. Für den Preis ist das weniger entscheidend als die Frage, wer am anderen Ende der Kette kauft.

Sanktionen verschieben die Handelsströme

Vor Russlands Einmarsch in die Ukraine spielte das Thema kaum eine Rolle. 2021 kamen nur 3,3 Tonnen russisches Gold in die Stadt, das entsprach 0,6 Prozent der nicht-monetären Importe. In den ersten sieben Monaten 2026 liegt der Anteil bei 14,7 Prozent.

Die gesamten Importe erreichten knapp 766 Tonnen. Allein im Juni gingen mehr als 150 Tonnen ein, so viel wie seit über zehn Jahren in keinem Monat.

Der Hintergrund: Die London Bullion Market Association strich im März 2022 alle sechs russischen Raffinerien von ihren Good-Delivery-Listen. London war zuvor der zentrale Handelsplatz für russische Produzenten. Zwischen 2019 und 2021 gingen etwa zwei Drittel der russischen Minenproduktion nach Großbritannien.

Diese Lieferungen und die in andere sanktionierende Länder sind nach Einschätzung von BullionVault-Analyst Adrian Ash eingebrochen. Der Großteil des Metalls landet laut Vita Spivak von Gatehouse Advisory Partners nun auf dem chinesischen Festland, weil Peking keine Sanktionen verhängt hat.

Peking kauft, Hongkong wirbt um Zentralbanken

Chinas offizielle Bestände wuchsen im ersten Halbjahr um mehr als 40 Tonnen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die People’s Bank of China meldete zuletzt für August ein Plus von 20 Tonnen auf 2.387 Tonnen. Es war der 22. Kaufmonat in Folge.

Hongkong führte im Juli ein neues Clearing-System für Gold ein und umwirbt Zentralbanken als Lagerkunden. Rhona O’Connell von StoneX sieht die Stadt im Rennen mit Singapur um die Rolle als Drehkreuz rund sechs Monate vorn. Peking will zugleich zusätzliche Importzentren eröffnen, darunter Shenzhen und Peking selbst. Sie könnten Hongkongs Anteil künftig drücken.

Einordnung für den Goldpreis

Russisches Gold verschwindet nicht vom Weltmarkt, es nimmt nur einen anderen Weg. Das Angebot bleibt ungefähr gleich, der direkte Preiseffekt dürfte daher gering sein.

Relevanter ist die Nachfrageseite. Staaten wollen offenbar Reserven halten, die außerhalb westlicher Sanktionsreichweite liegen. Dieses politische Motiv ist langfristig angelegt und hängt nicht am nächsten Zinsentscheid der Fed. Allerdings sind 20 Tonnen im Monat für die PBoC solide, aber kein Gamechanger. Der Markt liest die offiziellen chinesischen Zahlen zudem skeptisch.

Die LBMA-Delegiertenumfrage sieht Gold in zwölf Monaten bei rund 5.013 Dollar je Unze, nach 4.980 Dollar in der Umfrage von 2025. Ob der russische Zufluss nach Hongkong anhält, zeigen die nächsten Monatsdaten des dortigen Statistikamts.

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