Gold: Schluss bei 4.040,60 US-Dollar

Schwache US-Erzeugerpreise und der Iran-Konflikt setzen Gold unter Druck. Trotz geopolitischer Spannungen fällt der Kurs, während Notenbanken weiter kaufen.

Die Kernpunkte:
  • Gold schließt bei 4.040 Dollar
  • US-Inflationsdämpfung senkt Zinserwartungen
  • Iran-Konflikt treibt Ölpreise in die Höhe
  • Chinas Notenbank stockt Goldreserven auf

Auf der einen Seite dämpfen schwächer als erwartete US-Erzeugerpreise die Zinssorgen, auf der anderen Seite schürt die Eskalation zwischen den USA und dem Iran neue Risikoaufschläge bei Öl und Anleiherenditen. Am Mittwoch schloss Gold bei 4.040,60 US-Dollar je Feinunze. Auf Wochensicht bedeutet das ein Minus von 2,22 Prozent, über 30 Tage steht ein Rückgang von 7,18 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt das Edelmetall 6,94 Prozent im Minus.

Charttechnisch angeschlagen

Das technische Bild bleibt schwach. Der aktuelle Kurs notiert 6,73 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.332,01 Dollar und 11,00 Prozent unter der 200-Tage-Linie bei 4.540,12 Dollar. Vom Jahreshoch bei 5.626,80 Dollar, erreicht Ende Januar 2026, trennen den Goldpreis mittlerweile 28,19 Prozent. Zum Jahrestief vom 28. Oktober 2025 bei 3.901,30 Dollar beträgt der Abstand dagegen nur noch 3,57 Prozent. Der RSI von 40,2 signalisiert keine überverkaufte Lage, aber anhaltend schwache Dynamik, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 28,06 Prozent auf nervöse Handelsbedingungen hindeutet.

Schwache US-Erzeugerpreise bremsen Fed-Sorgen

Die US-Erzeugerpreise für Juni sanken überraschend um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, während Ökonomen mit Stagnation gerechnet hatten. Auf Jahressicht kletterten die Preise um 5,5 Prozent, deutlich weniger als die erwarteten 6,2 Prozent. Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie legte um 4,7 Prozent zu, ebenfalls unter der Prognose von 5,1 Prozent. Auch der Verbraucherpreisindex fiel im Juni um 0,4 Prozent zum Vormonat, die Jahresrate sank auf 3,5 Prozent. Nach FXStreet-Daten reduzierten Marktteilnehmer daraufhin ihre Erwartung einer weiteren Fed-Zinserhöhung von 35 auf 22 Basispunkte. Eigentlich ein Umfeld, das Gold stützen sollte – tatsächlich rutschte der Preis am Mittwoch dennoch ab, weil die geopolitische Lage die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Iran-Konflikt treibt Öl, nicht Gold

Die USA starteten am Mittwoch eine zweite Angriffswelle gegen iranische Militäreinrichtungen, gezielt gegen Fähigkeiten Teherans, Handelsschiffe in der Straße von Hormuz zu bedrohen. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete Explosionen in Chabahar, Rasht, Bandar Abbas und Ahwaz. In Bahrain heulten erneut die Sirenen, Kuwait fing nach eigenen Angaben vier Marschflugkörper und 21 Drohnen ab. Die Folge: Brent-Rohöl kletterte am Donnerstag den vierten Handelstag in Folge auf 85,28 Dollar, WTI auf 80,02 Dollar. Goldman Sachs hält im vierten Quartal einen Anstieg von Brent auf über 110 Dollar für möglich, sollte sich der Konflikt ausweiten – bei einer Entspannung könnte der Preis dagegen auf 60 Dollar zurückfallen. Steigende Ölpreise nähren Inflationssorgen und stützen damit die Anleiherenditen, was den eigentlich geopolitisch bedingten Sicherheitsbedarf für Gold konterkariert. Zusätzlich belastete eine schwächere Wachstumsmeldung aus China das Edelmetall: Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal nur um 4,3 Prozent zu, die langsamste Rate seit 2022, während der BIP-Deflator erstmals seit über drei Jahren wieder positiv ausfiel. Laut BullionVault verlor Gold dadurch binnen einer Woche etwa 1,0 Prozent, Silber sogar 2,5 Prozent.

Notenbanken als Stabilitätsanker

Trotz der kurzfristigen Schwäche bleibt die strukturelle Nachfrageseite intakt. Die chinesische Notenbank PBoC hat ihre Goldkäufe im Juni den 20. Monat in Folge fortgesetzt und dabei die größte monatliche Aufstockung seit zweieinhalb Jahren vorgenommen. Gold hat damit den Euro als zweitgrößte Reservewährung der Weltnotenbanken abgelöst. Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken laut Daten von Discovery Alert rund 244 Tonnen, was den viertgrößten Jahresstart seit 1950 markiert. JPMorgan rechnet für den weiteren Jahresverlauf 2026 mit einer institutionellen Nachfrage von etwa 585 Tonnen pro Quartal. Der World Gold Council sieht im Rahmen seines Halbjahresausblicks für die zweite Jahreshälfte ein Kursniveau nahe 4.100 Dollar als realistisch, mit Potenzial für einen Anstieg auf 4.500 bis 5.000 Dollar, sollten sich geopolitische oder wirtschaftliche Risiken weiter verschärfen. Kurzfristig bleibt die Marke von 4.000 Dollar die entscheidende Unterstützung, während charttechnisch Widerstand im Bereich um 4.100 Dollar wartet.

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