Gold: Sicherer Hafen wackelt
Trotz Eskalation am Golf fällt Gold unter 4.000 Dollar. Fed-Zinserhöhungsängste belasten das Edelmetall stärker als geopolitische Risiken.

- Goldpreis fällt unter 4.000 Dollar
- Nahost-Konflikt befeuert Ölpreise
- Fed signalisiert mögliche Zinserhöhung
- US-Inflationsdaten im Fokus
Eigentlich müsste Gold in solchen Zeiten glänzen. Im Nahen Osten spitzt sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiter zu, Öl schießt nach oben, die Nervosität an den Märkten wächst. Trotzdem kommt das Edelmetall nicht vom Fleck — ein Widerspruch, der sich mit einem Blick auf die Zinserwartungen erklärt.
Eskalation am Golf drückt Gold unter 4.000 Dollar
Der Auslöser der jüngsten Verwerfungen liegt am Wochenende: Die im Juni vereinbarte Waffenruhe zwischen Washington und Teheran ist praktisch kollabiert. Nach iranischen Angriffen auf ein Schiff in der Straße von Hormus und Vergeltungsschlägen gegen US-Ziele reagierte Präsident Donald Trump mit der Ankündigung, die Blockade iranischer Schifffahrt wieder in Kraft zu setzen. Die USA wollen sich künftig als „Guardian of the Hormuz Strait“ positionieren und eine Gebühr von 20 Prozent auf Frachtgüter erheben, die die Meerenge passieren.
Die Folge: Ölpreise sprangen kräftig nach oben, Gold dagegen brach am Montag um rund 2,9 Prozent ein und rutschte erstmals seit drei Wochen unter die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze. Auch Silber gab deutlich nach, um mehr als 3 Prozent auf knapp 57,90 Dollar. Am Dienstagmorgen notierte Gold bei 3.995,64 Dollar, Gold-Futures bei 4.002,05 Dollar — beide leicht im Minus und damit weiterhin unter der psychologisch wichtigen 4.000er-Marke.
Waller und die Zinswende als Gegenspieler
Der eigentliche Bremsklotz für Gold liegt jedoch nicht im Nahen Osten, sondern in Washington selbst. Fed-Gouverneur Christopher Waller signalisierte, die Notenbank müsse ihre Zinsen möglicherweise anheben, sollte sich die zugrunde liegende Inflation als hartnäckig erweisen. Die steigenden Ölpreise nähren genau diese Sorge — höhere Energiekosten könnten die Teuerung zusätzlich befeuern und der Fed die Rückkehr zum Inflationsziel erschweren.
Die Markterwartung für eine Zinserhöhung beim Fed-Treffen am 28. und 29. Juli kletterte binnen weniger Tage von rund 34 auf 43 Prozent. Höhere Zinsen schmälern die Attraktivität von Gold, das keine laufenden Erträge abwirft, und stützen gleichzeitig den Dollar sowie die Anleiherenditen — beides Gegenwind für den Goldpreis.
Im Fokus stehen nun die US-Verbraucherpreisdaten für Juni, die am Dienstag veröffentlicht werden, sowie die Kongressanhörung von Fed-Chef Kevin Warsh. Beide Termine dürften maßgeblich mitbestimmen, ob die Zinserwartungen weiter steigen — und damit, ob Gold seine Rolle als Krisenwährung in den kommenden Tagen zurückerobern kann.
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