Gold: Überholt US-Treasuries in Reserven

Gold erreicht 27 Prozent der Zentralbankreserven und übertrifft US-Treasuries. China kauft weiter zu, während Staaten Bestände verlagern.

Die Kernpunkte:
  • Goldanteil übertrifft US-Treasuries
  • Chinas Notenbank kauft weiter Gold
  • Peking plant globale Tresorstandorte
  • Zentralbanken erwarten wachsende Goldbestände

Gold notiert am Freitag bei 4.371,85 Dollar je Feinunze und legt damit 0,6 Prozent zu. Der eigentliche Treiber der Nachrichtenlage liegt jedoch nicht im Tagesgeschäft, sondern in einer strukturellen Verschiebung: Erstmals seit rund 30 Jahren übertrifft der Goldanteil an den weltweiten Währungsreserven den Anteil von US-Staatsanleihen.

Gold überholt Treasuries in den Reserven der Notenbanken

Laut EZB-Daten entfielen Ende 2025 bereits 27 Prozent der Währungsreserven der Zentralbanken auf Gold, während US-Treasuries nur noch auf 22 Prozent kamen. Das ist eine historische Zäsur.

Die People’s Bank of China treibt die Entwicklung seit Monaten voran. Im Juli kaufte die chinesische Notenbank 20 Tonnen Gold, den 21. Monat in Folge. Seit Jahresbeginn kommt China damit auf ein Plus von 60 Tonnen und hält inzwischen 2.366 Tonnen – Platz sechs weltweit.

Dollar unter Druck, China baut Infrastruktur aus

Der Rückzug aus dem Dollar hat einen konkreten Hintergrund: Die US-Bruttostaatsverschuldung überstieg im August erstmals 40 Billionen Dollar, die Schuldenquote liegt bei rund 125 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Zwar lag der Dollar-Anteil an den offiziellen Reserven im ersten Quartal laut Internationalem Währungsfonds noch bei 57,13 Prozent, leicht über dem Vorquartalswert – doch die Richtung der Goldkäufe zeigt, wohin die langfristige Reallokation geht.

China nutzt die Gelegenheit, um parallel zur Reservediversifizierung auch die eigene Infrastruktur auszubauen. Einem Bericht von S&P Global Ratings zufolge baut das Land ein globales Netz an Goldtresoren auf, um den Yuan im Welthandel zu stärken.

Nach einem ersten Offshore-Tresor in Hongkong prüft Peking weitere Standorte in Singapur, Kuala Lumpur, Dubai, Riad und Moskau. Auch Singapur selbst positioniert sich als Goldlager-Hub: Private Anbieter wie Le Freeport und The Reserve verfügen bereits über eine Kapazität von mindestens 2.200 Tonnen, die Bank DBS erweitert zusätzlich ihre Tresorflächen.

Auch europäische Staaten justieren ihre Goldbestände neu. Frankreich verkaufte zwischen Juli 2025 und Januar 2026 129 Tonnen Gold aus New York, während die Niederlande umgekehrt 86 Tonnen von London nach Hause verlegen wollen.

Venezuela wiederum steht laut Financial Times kurz vor einer Einigung, Goldreserven im Wert von rund 4 Milliarden Dollar von der Bank of England zur Federal Reserve Bank of New York zu transferieren – Reuters konnte den Bericht bislang nicht unabhängig bestätigen.

Was das für Anleger bedeutet

Der Goldpreis bewegt sich derzeit mit 4.371,85 Dollar rund 1,6 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.303,99 Dollar, notiert aber weiterhin 2,8 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.496,90 Dollar. Diese technische Gemengelage spiegelt eine Konsolidierung nach dem jüngsten Höhenflug wider, während die strukturelle Nachfrageseite – die Notenbanken – laut einer Umfrage des World Gold Council für 2026 kaum Anzeichen einer Kehrtwende zeigt: 89 Prozent der befragten Institutionen erwarten steigende Zentralbank-Goldbestände, 84 Prozent rechnen binnen fünf Jahren mit einem höheren Goldanteil an ihren Reserven. Für den Goldmarkt bedeutet das einen strukturellen Nachfragesockel, der unabhängig von kurzfristigen Zinsentscheidungen wirkt.

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