Gold und Rheinmetall: Warum das Kapital jetzt Schutz sucht
Notenbanken treiben Gold auf Rekordkurs, während Adidas und Nemetschek trotz Umsatzrekorden wegen Margenschwäche abstürzen.

- Rekordnachfrage der Notenbanken nach Gold
- Rheinmetall und Rolls-Royce profitieren strukturell
- Adidas bricht trotz Umsatzrekord ein
- Nemetschek stürzt nach Margenenttäuschung ab
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
289 Tonnen Gold – so viel kauften Notenbanken weltweit im zweiten Quartal 2026, ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr und Rekord für einen Dreimonatszeitraum. Das ist der Rahmen, in dem sich der heutige Handelstag bewegt: Gold und Rüstungswerte gewinnen als Anker, während die Berichtssaison einen gnadenlosen Filter installiert hat. Wer wächst, aber die Marge verfehlt, wird abgestraft – Adidas und Nemetschek haben das am eigenen Kurs zu spüren bekommen. Fünf Geschichten, die zeigen, wo Kapital heute Schutz sucht und wo es keinen findet.
Die Notenbanken selbst treiben den Goldpreis
Der eigentliche Motor hinter dem Goldpreis ist selten so klar sichtbar wie jetzt. Größte Käufer im zweiten Quartal waren Polen mit rund 51 Tonnen und China mit rund 33 Tonnen – keine spekulative Modewelle, sondern strukturelle Nachfrage aus geopolitischer Vorsicht.
Gold notierte nach Xetra-Schluss über 4.100 Dollar je Unze, ein Tagesplus von gut einem Prozent. Bemerkenswert ist der Kontrast an den beiden Enden der Nachfragekette: Während die Notenbanken zugreifen, ist die Schmucknachfrage wegen der hohen Preise auf ein Rekordtief gefallen. Für Anleger heißt das, dass der Preis derzeit von den größten und preisunempfindlichsten Käufern der Welt gestützt wird. Wer über einen physisch besicherten Gold-ETC eine Depot-Absicherung sucht, findet in dieser institutionellen Nachfrage ein solides Fundament – auch wenn Gold seit Jahresbeginn leicht im Minus liegt und deutlich unter seinem Januar-Hoch von über 5.600 Dollar handelt.
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Rheinmetall und Rolls-Royce: Rüstung wird zum Infrastruktur-Thema
Rheinmetall gab nach einem starken Lauf am Donnerstag leicht nach und notiert bei rund 1.139 Euro. Die Aktie liegt auf Zwölfmonatssicht deutlich im Minus und weit unter ihrem Oktober-Hoch von gut 2.000 Euro – doch auf 30-Tage-Sicht zeigt sie wieder relative Stärke. In einem Umfeld, in dem Wachstumswerte unter Konjunktursorgen leiden, bleibt Verteidigung ein struktureller Profiteur der Makro-Unsicherheit.
Wie tragfähig dieses Thema geworden ist, zeigt Rolls-Royce: Der Konzern hob seine Gewinnprognose auf 4,7 bis 4,9 Milliarden Pfund an, zuvor waren es 4 bis 4,2 Milliarden. Der Umsatz im ersten Halbjahr stieg um 24 Prozent auf 11,3 Milliarden Pfund. Der eigentliche Treiber sitzt in der Sparte Power Systems, die zunehmend von der Stromversorgung für Rechenzentren lebt: Der Umsatz dort wuchs organisch um 28 Prozent, der operative Gewinn sogar um 72 Prozent. Rüstung und Energie-Infrastruktur wachsen hier zusammen – ein Thema, das vom KI-Boom profitiert, ohne den volatilen Chip-Zyklus mitzumachen.
Adidas: Wenn ein Umsatzrekord nicht mehr reicht
Der lauteste Warnschuss des Tages kam von Adidas. Die Aktie brach um über zwölf Prozent ein und schloss bei knapp 158 Euro – trotz eines Umsatzrekords von 6,7 Milliarden Euro, ein Plus von 14 Prozent. Der Grund: Der operative Gewinn verfehlte mit 574 Millionen Euro die erwarteten 615,6 Millionen deutlich. Adidas hob die Umsatzprognose auf plus 9 bis 10 Prozent an, fror die Gewinnprognose aber bei 2,3 Milliarden Euro ein.
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Die Marketingkosten stiegen wegen der Fußball-WM um 212 Millionen Euro. Damit reiht sich Adidas in ein Muster ein, das diese Berichtssaison prägt: Der Markt bestraft steigende Kosten, selbst wenn oben Rekorde stehen. Wer investiert ist, sollte die Margenentwicklung im Blick behalten, nicht die Umsatzschlagzeile – Kostendisziplin entscheidet derzeit über den Kurs, nicht Wachstum.
Nemetschek: Der Preis eines langen Laufs
Ähnlich hart traf es Nemetschek. Die Aktie brach um fast 13 Prozent auf 58,55 Euro ein – obwohl die Zahlen an sich überzeugten: Umsatz plus 13 Prozent auf 327,7 Millionen Euro, Gewinn plus 25 Prozent auf 66 Millionen Euro. Auch die milliardenschwere Übernahme des US-Bausoftware-Spezialisten HCSS wurde abgeschlossen. Doch die Marge enttäuschte, und nach einem starken Kurslauf reicht das für eine harte Korrektur. Der Titel steht damit rund 55 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Lehre ist dieselbe wie bei Adidas: In dieser Marktphase gewinnt nicht, wer wächst, sondern wer profitabel wächst.
Der Halbleiter-Riss – und wo Stärke bleibt
Der Absturz des koreanischen KOSPI um rund ein Drittel im Juli, getrieben von Samsung und SK Hynix, hat die Chip-Nervosität global verankert. Umso auffälliger ist die relative Stärke im deutschen Halbleiter-Zulieferbereich: Siltronic sprang nach einer vorsichtig angehobenen Umsatzprognose um über neun Prozent, auch Süss MicroTec legte deutlich zu. Beide bleiben allerdings hochvolatil und notieren weit unter ihren Jahreshochs. Infineon zog bereits im Vorfeld der Quartalszahlen am 5. August an – hier wird die konkrete Nachricht mehr zählen als der Sektortrend.
Der globale Kompass
Die Berichtssaison hat einen klaren Filter installiert: Rekordumsätze schützen nicht mehr, Kostendisziplin schon. Adidas und Nemetschek zeigen, was passiert, wenn die Marge enttäuscht – unabhängig davon, wie gut die Wachstumszahlen aussehen. Parallel dazu bleibt die Suche nach echten Ankern intakt: Gold, gestützt von der stärksten Notenbank-Nachfrage seit Jahren, und Verteidigung als struktureller Profiteur einer Welt, die zwischen Konjunktursorgen und geopolitischer Vorsicht navigiert. Die kommende Woche mit den Zahlen von Infineon am 5. August und AMD am 4. August wird zeigen, ob sich die Halbleiter-Nerven beruhigen oder der nächste Test bevorsteht.
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