Gold und Silber im Zinsfeuer, Uran auf eigenem Kurs

Drei Gravitationszentren, fünf Rohstoffe — und kein gemeinsamer Nenner. Während Brent und WTI weiterhin dreistellig notieren, rutscht Gold unter 4.500 Dollar. Silber kämpft mit Zinsgegenwind trotz rekordverdächtigem Angebotsdefizit. Und Uran? Folgt seiner ganz eigenen Logik.
Gold: Die 4.500-Dollar-Marke ist gefallen
Der Goldpreis hat am Mittwochmorgen die psychologisch wichtige Schwelle von 4.500 US-Dollar unterschritten. Am europäischen Spotmarkt kostete die Feinunze 4.473 Dollar — rund 0,2 Prozent weniger als am Vortag. Bereits am Dienstag hatte das Edelmetall erstmals seit Ende März diese Marke gerissen und dabei 1,8 Prozent verloren.
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Der Rücksetzer ist kein Ausrutscher. Seit dem Allzeithoch bei 5.598 Dollar befindet sich Gold in einer Korrekturphase, die sich über Wochen hinzieht. Im Wochenchart bleibt die übergeordnete Aufwärtstrendstruktur zwar intakt. Kurzfristig dominiert aber ein anderer Faktor: steigende US-Anleiherenditen.
Die Rendite zehnjähriger Treasuries kletterte seit Ausbruch des US-Iran-Konflikts von 3,96 auf 4,53 Prozent. Noch eindrücklicher: 30-jährige US-Staatsanleihen haben die 5-Prozent-Marke überschritten — ein Mehrjahreshoch. Für ein zinsloses Asset wie Gold sind das toxische Bedingungen.
Etwas Entlastung brachte die Nachricht, dass US-Präsident Trump einen geplanten Militärschlag gegen Iran vorerst pausiert hat. Der Goldpreis stabilisierte sich daraufhin kurzzeitig, doch die Erleichterung blieb dünn. Entscheidend wird nun die Fed-Kommunikation: Signalisiert die Notenbank in ihren Protokollen einen härteren Inflationskampf, dürfte Gold weiter unter Druck geraten. Die US-Inflation stieg im April überraschend auf 3,8 Prozent, die Kerninflation erreichte mit 2,8 Prozent den höchsten Stand seit September. Schnelle Zinssenkungen rücken damit in weite Ferne.
Silber: Sechstes Defizitjahr trifft auf 60 Prozent Volatilität
Silber legte am Mittwochmorgen 1,4 Prozent zu auf 74,71 Dollar je Unze — ein kleiner Kontrast zur jüngsten Schwäche. Im Wochenverlauf hatte das Metall zuvor fast vier Prozent verloren. Vom Allzeithoch im Januar bei knapp 117 Dollar trennen den Silberpreis inzwischen 35 Prozent.
Das eigentliche Thema spielt sich unterhalb der Kursoberfläche ab. Der Silbermarkt wird 2026 voraussichtlich das sechste Defizitjahr in Folge verzeichnen. Der erwartete Fehlbetrag: 46,3 Millionen Unzen. Seit 2021 sind die oberirdischen Bestände um mehr als 762 Millionen Unzen geschrumpft. Der Markt zehrt von seinen Reserven — und die werden immer dünner.
Anders als Gold ist Silber ein unverzichtbarer Industrierohstoff. Die Solarbranche verschlingt große Mengen, hinzu kommen Anwendungen in Rechenzentren, Elektrofahrzeugen und Stromnetzen. Wegen seiner überlegenen Leitfähigkeit lässt sich Silber in vielen dieser Bereiche kaum substituieren.
- J.P. Morgan erwartet für 2026 einen Jahresdurchschnitt von rund 81 Dollar je Unze
- Reuters-Konsens (30 Analysten): 79,50 Dollar
- ING: 78 Dollar
- Annualisierte 30-Tage-Volatilität: knapp 60 Prozent
Die Nachfrage nach physischen Münzen und Barren soll 2026 um 18 Prozent steigen — getragen von einer Erholung der westlichen Investmentnachfrage nach drei Rückgangsjahren. Ein Markt mit schrumpfendem Angebot und wachsender Nachfrage, der trotzdem fällt. Das zeigt, wie dominant der Zins- und Dollarfaktor aktuell wirkt.
Brent Crude: Hormuz diktiert weiterhin den Takt
Brent-Rohöl schloss am Dienstag bei 111,28 Dollar je Barrel, ein leichtes Minus von 0,73 Prozent. Im vergangenen Monat stieg der Preis allerdings um gut 16 Prozent. Auf Jahressicht beträgt das Plus rund 70 Prozent.
Die Straße von Hormuz bleibt der zentrale Preismacher. Etwa 20 Prozent der weltweiten Rohöl- und Flüssiggaslieferungen flossen vor dem Konflikt durch diese Meerenge. Die Internationale Energieagentur warnte zuletzt, dass die globalen Ölvorräte bei anhaltender Schließung in Rekordgeschwindigkeit schwinden.
Der Jahresverlauf zeigt die enorme Amplitude: Von rund 60,75 Dollar zum Jahresauftakt schoss Brent am 9. März auf 116,29 Dollar — das höchste Niveau seit der Energiekrise 2022. Ein volatiler Rücksetzer drückte den Preis kurzzeitig auf 80,33 Dollar, bevor die Erholung einsetzte. Im April erreichte Brent sogar ein Tageshoch von 138 Dollar, der Monatsdurchschnitt lag bei 117 Dollar.
Die EIA erwartet, dass die globalen Ölvorräte im zweiten Quartal um durchschnittlich 8,5 Millionen Barrel pro Tag sinken werden. Für das vierte Quartal prognostiziert die Behörde einen Rückgang auf durchschnittlich 89 Dollar — vorausgesetzt, die Hormuz-Blockade lockert sich. Barclays hob sein Jahresziel auf 100 Dollar an, HSBC erhöhte auf 95 Dollar. Beide Schätzungen setzen eine schrittweise Normalisierung voraus, die derzeit alles andere als gesichert ist.
Rohöl WTI: Jeder Trump-Satz bewegt den Markt
WTI schloss am Dienstag bei 107,77 Dollar je Barrel, ein Minus von 0,82 Prozent. Der Monatszuwachs: gut 19 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr liegt die US-Benchmark rund 68 Prozent höher.
Die Kursentwicklung gleicht einer Fieberkurve der Geopolitik. Von Jahrestiefs bei 56,24 Dollar im Januar kletterte WTI am 9. März auf 115,78 Dollar, fiel dann abrupt auf 76,10 Dollar zurück und notiert nun wieder oberhalb der 100-Dollar-Marke.
Trump verschärfte am Dienstag die Rhetorik: Die USA müssten dem Iran möglicherweise „einen weiteren großen Schlag“ versetzen. Gleichzeitig setzte er dem Iran eine Frist von „zwei oder drei Tagen“ für eine Einigung. Seine Entscheidung, einen für Dienstag geplanten Angriff auf Wunsch der Golfstaaten abzusagen, hatte den Ölpreis nur kurzfristig entlastet.
Saudi Aramcos CEO Amin Nasser brachte es auf den Punkt: Selbst wenn Hormuz heute öffne, brauche der Markt bis 2027 zur Normalisierung. Monate würden vergehen, bis sich die Lieferketten neu ausbalanciert hätten. Citi-Analysten sehen die Preisrisiken weiterhin nach oben gerichtet — Iran behalte erhebliche Kontrolle über den Zeitpunkt eines möglichen Abkommens zur Wiedereröffnung der Meerenge.
Uran: Abgekoppelt vom geopolitischen Lärm
Uran notierte zuletzt bei 86,30 Dollar je Pfund. Im Monatsvergleich ein bescheidenes Plus von gut einem Prozent, im Jahresvergleich allerdings ein Zuwachs von mehr als 20 Prozent. Der Nuklearbrennstoff folgt einer völlig anderen Dynamik als die übrigen Rohstoffe.
Das US-Energieministerium vergab Aufträge im Umfang von 2,7 Milliarden Dollar an drei Unternehmen, um die heimische Urananreicherung in den kommenden zehn Jahren massiv auszubauen. Das Ziel ist klar: Abkoppelung von russischen Lieferungen. Parallel dazu plant die Europäische Union erstmals Sanktionen gegen den russischen Nuklearkonzern Rosatom und ein schrittweises Importverbot für russisches Uran bis 2028.
Russland ist aktuell der einzige Anbieter, der HALEU — hochangereichertes Uran für moderne Reaktordesigns — in kommerziell relevanten Mengen liefern kann. Die Neuordnung der westlichen Versorgungskette wird Jahre dauern.
Auf der Nachfrageseite schreibt die Tech-Branche Geschichte. Meta unterzeichnete Vereinbarungen über bis zu 7,8 Gigawatt Kernkraftkapazität für ihre KI-Rechenzentren. Microsoft sicherte sich die Erneuerung alter Reaktoren mit über 800 Megawatt Kapazität — exklusiv für den Betrieb von KI-Infrastruktur.
Kazatomprom, mit rund 43 Prozent Weltmarktanteil der größte Uranproduzent, kündigte an, die Förderung 2026 um etwa zehn Prozent zu kürzen. Eine bewusste „Value-over-Volume“-Strategie, die das ohnehin knappe Angebot weiter verknappt. Paladin Energy beziffert das jährliche Angebotsdefizit auf 50 Millionen Pfund — über das gesamte nächste Jahrzehnt. Bank of America erwartet stetig steigende Preise und sieht den Anlegerfokus auf Großproduzenten wie Cameco.
Drei Kräfte, fünf Richtungen — der Rohstoffmarkt im Spannungsfeld
Der Rohstoffsektor wird im Mai 2026 von drei übergeordneten Gravitationszentren geformt:
- Hormuz-Krise: Brent und WTI reagieren täglich auf Signale aus Washington und Teheran. Beide Benchmarks liegen rund 70 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die EIA geht davon aus, dass die Meerenge bis Ende Mai effektiv geschlossen bleibt, mit einem Anstieg des Schiffsverkehrs erst im Juni.
- Fed und Renditen: Gold und Silber leiden unter steigenden Realzinsen und einem festen Dollar. Die hartnäckig hohe Inflation mindert die Aussicht auf baldige Zinssenkungen.
- Energiewende und Versorgungssicherheit: Uran entkoppelt sich von kurzfristigen Makroimpulsen. Die Kombination aus westlicher Russland-Abkoppelung, KI-getriebener Nachfrage und bewusster Angebotsverknappung bildet ein langfristiges Stützgerüst.
Für Gold bleibt die 4.550-Dollar-Zone die übergeordnete Leitplanke. Hält sie auf Wochenschlussbasis, ist der mittelfristig bullische Ausblick intakt. Silber wird sein strukturelles Defizit irgendwann ausspielen — die Frage ist nur, wie lange der Zinsdruck die fundamentale Enge überlagern kann. Uran dürfte von der geopolitischen Neuordnung der Brennstoffversorgung langfristig profitieren, unabhängig davon, wie schnell sich die Lage am Persischen Golf entspannt. Die Neuausrichtung der westlichen Nuklearversorgungskette weg von Russland erstreckt sich über Jahre. Sie hat gerade erst begonnen.
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