Gold und Silber springen an, Brent und WTI bleiben schwach

Schwache US-Arbeitsmarktdaten treiben Edelmetalle an, während Ölpreise unter Angebotsnormalisierung leiden. Kaffee zeigt gemischte Tendenz.

Die Kernpunkte:
  • Gold steigt auf 4.187 Dollar
  • Silber mit stärkstem Tagesplus
  • Brent Crude fällt auf Vorkrisenniveau
  • Kaffee: Robusta legt zu, Arabica fällt

Ein einzelner Konjunkturbericht hat gereicht, um den Rohstoffmarkt in zwei Lager zu spalten. Während Edelmetalle nach einer enttäuschenden US-Arbeitsmarktzahl kräftig zulegten, blieben die Ölpreise von der geldpolitischen Erleichterung nahezu unberührt. Kaffee schlägt derweil einen ganz eigenen Kurs ein – zwischen Erntesorgen in Brasilien und trägen Ladenpreisen in Deutschland.

Gold: Schwacher Jobbericht bremst Zinserhöhungs-Fantasie

Der US-Arbeitsmarktbericht für Juni hat die Erwartungen krachend verfehlt: Statt der prognostizierten 110.000 neuen Stellen wurden lediglich 57.000 gemeldet. Die Reaktion an den Zinsmärkten folgte prompt. Investoren rechnen inzwischen nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 46 Prozent für eine restriktivere Fed-Politik zum Jahresende.

Gold reagierte darauf mit einem Satz nach oben und schloss am Freitag bei 4.187,30 US-Dollar, ein Tagesplus von 1,23 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Plus von gut zwei Prozent zu Buche – auf Monatssicht bleibt allerdings ein deutliches Minus, das die Erholung relativiert.

Strategen der OCBC Bank sprechen von einer „vorsichtig positiven“ Einschätzung. Die schwachen Arbeitsmarktdaten hätten das Risiko einer fortgesetzt restriktiven Geldpolitik gemindert, mahnten aber zugleich zur Zurückhaltung: Die Arbeitslosenquote selbst bleibe stabil, und Inflationsrisiken seien nicht vom Tisch. Rückenwind kommt zusätzlich von der Nachfrageseite. Der World Gold Council meldete, dass Zentralbanken im Mai wieder verstärkt zukauften – die offiziellen Reserven wuchsen netto um 41 Tonnen.

Silber: Stärkste Reaktion unter den Edelmetallen

Kein anderes Asset im Rohstoffkorb reagierte so heftig wie Silber. Nach Monaten des Abwärtstrends drehte der Kurs abrupt und schloss am Freitag bei 62,72 US-Dollar je Feinunze – ein Tagesplus von 2,06 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Anstieg auf gut fünf Prozent.

Der Auslöser war identisch mit dem bei Gold: schwächere Zinserwartungen, sinkende Anleiherenditen und ein nachgebender Dollar verschafften dem Industrie- und Edelmetall Auftrieb. Hinzu kamen geopolitische Unsicherheiten. Die indirekten Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Doha verliefen Berichten zufolge schleppend, insbesondere die iranische Forderung nach Durchfahrtsgebühren für die Straße von Hormus sorgte für Nervosität an den Märkten.

Fundamental bleibt das strukturelle Angebotsdefizit ein Thema, wenn auch kleiner als ursprünglich befürchtet. Statt der zunächst erwarteten Lücke von 67 Millionen Unzen rechnen Analysten mittlerweile nur noch mit rund 46,3 Millionen Unzen – dennoch wäre es bereits das sechste Defizitjahr in Folge. Trotz der jüngsten Erholung notiert Silber noch immer rund 12,5 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Brent Crude: Rückkehr auf Vorkrisenniveau

Bei Brent Crude hat sich die Lage nach den geopolitisch bedingten Ausschlägen der vergangenen Monate spürbar beruhigt. Das Nordseeöl schloss am Freitag bei 72,13 US-Dollar je Barrel, nahe jenen Niveaus, die zuletzt vor dem Ausbruch des Nahost-Konflikts Ende Februar zu beobachten waren. Auf Jahressicht bleibt dennoch ein Plus von 18,65 Prozent bestehen – ein Hinweis darauf, wie stark der Konflikt die Notierungen zwischenzeitlich getrieben hatte.

Verantwortlich für die Entspannung ist vor allem die Normalisierung des Angebots. Die Rohölexporte aus Saudi-Arabien kletterten zurück auf rund 90 Prozent ihres Vorkriegsniveaus, während auch die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak erste Anzeichen einer Verschiffungserholung zeigten. Zusätzlich sorgten diplomatische Signale für Entlastung – Vermittler aus Katar und Pakistan hielten separate Treffen mit US- und iranischen Vertretern in Doha ab.

Unter Analysten herrscht allerdings Uneinigkeit über die weitere Richtung. Während einige Häuser wegen der Angebotsnormalisierung mit weiter sinkenden Notierungen rechnen, verweisen andere auf niedrige Lagerbestände als Gegengewicht. Eine Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet auf Sicht der kommenden Wochen fallende Preise, eine Minderheit setzt auf eine Gegenbewegung.

Rohöl WTI: Unter der 70-Dollar-Marke gefangen

West Texas Intermediate notiert zuletzt bei rund 69 US-Dollar, nachdem es zuvor mit knapp 68,50 US-Dollar den niedrigsten Stand seit Ende Februar markiert hatte. Die amerikanische Sorte bleibt damit klar unter der psychologisch wichtigen 70-Dollar-Marke gefangen.

Belastend wirkt die Erwartung eines höheren Angebots aus dem Nahen Osten. Die Märkte preisen inzwischen eine allmähliche Erholung der Exporte ein, auch wenn Risiken rund um die Straße von Hormus grundsätzlich bestehen bleiben. Analysten der Commerzbank und Rabobank warnen jedoch, dass Investoren bei den Angebotsaussichten möglicherweise zu optimistisch geworden sind.

Ein Gegenargument gegen weiter fallende Preise liefern die Lagerbestände. Die US-Energiebehörde EIA wies die kommerziellen Rohöllager zuletzt mit rund 412 Millionen Barrel aus – das liegt etwa sieben Prozent unter dem saisonalen Fünfjahresdurchschnitt. Das vermeintlich reichlichere Angebot trifft also auf spürbar leere Lager, was der Abwärtsbewegung Grenzen setzen könnte.

Kaffeepreis: Robusta zieht an, Arabica gibt nach

Beim Kaffee zeigt sich ein gespaltenes Bild zwischen den beiden Hauptsorten. Der Robusta-Kontrakt für Juli legte um 1,62 Prozent auf 3.817 US-Dollar pro Tonne zu, während die Arabica-Futures um 0,71 Prozent auf 286,75 US-Cent pro Pfund nachgaben.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die brasilianische Ernte. Der Branchenverband Cooxupé beziffert den Erntefortschritt derzeit auf gut 20 Prozent – im Vorjahr lag der Wert zum gleichen Zeitpunkt bei über 24 Prozent. Analysten machen anhaltende Regenfälle für die Verzögerung verantwortlich, während Wettermodelle für die kommenden Tage trockenere Bedingungen voraussagen. Trotz einer erwarteten Rekordernte von rund 75 Millionen Säcken bleibt das kurzfristige Angebot laut Rabobank knapp – die Lagerbestände an der ICE-Börse markieren mit rund 382.000 Säcken den tiefsten Stand seit über zwei Jahren.

Auch in Vietnam, dem weltweit größten Robusta-Produzenten, ziehen die Preise an. Die Inlandsnotierungen kletterten zuletzt auf bis zu 90.500 Dong pro Kilogramm. Die Exportzahlen für das erste Halbjahr zeigen dabei ein zwiespältiges Bild: Das Volumen legte um fast 12 Prozent zu, während der Gesamtwert der Ausfuhren wegen der volatilen Preise um rund 11 Prozent sank.

Beim deutschen Verbraucher kommt die jüngste Entspannung an der Börse bislang kaum an. Röstereien sichern sich meist über langfristige Lieferverträge ab – Preisänderungen am Weltmarkt benötigen erfahrungsgemäß sechs bis zwölf Monate, um vollständig durchzuschlagen.

Ein gemeinsamer Taktgeber, zwei entgegengesetzte Richtungen

Der schwache US-Arbeitsmarktbericht hat sich als der dominierende Impuls für den gesamten Sektor erwiesen – allerdings mit gegensätzlichen Effekten:

  • Edelmetalle im Aufwind: Gold und Silber profitierten unmittelbar von der Aussicht auf eine mildere Fed-Politik, sinkenden Anleiherenditen und einem schwächeren Dollar. Silber zeigte dabei die stärkere prozentuale Reaktion – ein Ausdruck seiner höheren Volatilität und seines Doppelcharakters als Edel- und Industriemetall.
  • Energie unter Druck: Bei Brent Crude und WTI dominierte stattdessen die schrittweise Normalisierung des Nahost-Angebots. Die Aussicht auf sinkende Zinsen entfaltete hier kaum stützende Wirkung – die Angebotsseite blieb der bestimmende Faktor.
  • Kaffee auf eigenem Pfad: Wetterrisiken in Brasilien und Vietnam sowie strukturelle Lagerknappheit bestimmen die Terminmarktbewegungen, während sich der Effekt auf die Ladenpreise erst zeitverzögert zeigt.

Rohstoff-Ausblick: Inflationsdaten und Erntewetter als nächste Weichensteller

Für die kommenden Tage richtet sich der Blick der Edelmetall-Anleger auf die FOMC-Protokolle sowie den nächsten US-Verbraucherpreisindex. Sollten weitere Konjunkturdaten die Erwartung einer restriktiveren Fed-Politik zusätzlich dämpfen, dürfte das sowohl Gold als auch Silber weiteren Rückenwind verschaffen – Gold notiert mit einem RSI von 46,6 derzeit in neutralem Terrain, während Silber mit 43,5 leicht überverkauft erscheint.

Bei Brent Crude und WTI bleibt die Nahost-Diplomatie neben den wöchentlichen US-Lagerbestandsdaten der entscheidende Faktor. Eine anhaltende Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus könnte den Abwärtsdruck fortsetzen, während die vergleichsweise knappen Öllager eine Gegenbewegung auslösen könnten. Beim Kaffee richten sich alle Blicke auf den weiteren Erntefortschritt in Brasilien – trockenere Witterung in den kommenden Tagen könnte für spürbare Aufholeffekte sorgen und die gespaltene Preisentwicklung zwischen Robusta und Arabica neu ordnen.

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