Gold: Unter 4.000 Dollar gerutscht

Trotz eskalierender Konflikte fällt der Goldpreis unter 4.000 Dollar. Steigende Zinserwartungen und eine starke US-Notenbank belasten das Edelmetall.

Die Kernpunkte:
  • Gold fällt unter 4.000 Dollar
  • Fed-Zinsangst dominiert den Markt
  • China baut Goldreserven weiter aus
  • Realrenditen steigen, Gold wird teurer

Eskalierende Kämpfe im Nahen Osten treiben normalerweise den Goldpreis nach oben. Diesmal passiert das Gegenteil. Das Edelmetall ist unter die Marke von 4.000 Dollar gerutscht und nähert sich seinem tiefsten Stand seit acht Monaten.

Öl steigt, Gold fällt

Die USA griffen in dieser Woche mehrfach Ziele im Iran an. Präsident Donald Trump drohte zusätzlich mit Angriffen auf die iranische Infrastruktur, sollte es keinen diplomatischen Durchbruch geben.

Auch an der Straße von Hormus bleibt die Lage angespannt. Die USA stoppten einen Öltanker mit iranischer Ladung. In den vergangenen 24 Stunden passierten nur zehn Schiffe die Meerenge, während rund 250 Frachter noch warten.

Normalerweise treibt genau so eine Krise den Goldpreis nach oben. Diesmal dominiert jedoch die Angst vor einer restriktiveren Geldpolitik. Höhere Energiepreise nähren die Erwartung, dass die Federal Reserve die Zinsen länger hoch hält. Das schmälert die Attraktivität von Gold, das selbst keine Zinsen abwirft.

Falken bei der Fed

Innerhalb der Notenbank mehren sich hawkishe Stimmen. Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan forderte eine weitere Zinserhöhung. Vize-Chef Philip Jefferson kündigte an, eine straffere Politik zu unterstützen, sollte sich die Inflation nicht bessern.

Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Bei den Konjunkturdaten zeigt sich dagegen ein gemischtes Bild.

Verbraucher- und Erzeugerpreise sanken im Juni, vor allem wegen niedrigerer Energiekosten. Die Importpreise stiegen dagegen unerwartet. Die schwächeren Inflationsdaten schlossen eine Zinserhöhung im Juli weitgehend aus. Fed-Chef Kevin Warsh betonte dennoch sein Engagement für die Preisstabilität.

Am Freitag schloss Gold bei 4.015,40 Dollar je Feinunze. Für die Woche steht damit ein Verlust von 2,72 Prozent zu Buche. Steigende US-Anleiherenditen und eine leichte Entspannung an der Straße von Hormus drückten den Preis zusätzlich.

Indien und die globale Nachfrage

Die Schwäche zeigt sich auch auf regionalen Märkten. In Indien blieben die Goldpreise am 17. Juli weitgehend stabil, trotz leichter Rückgänge von den jüngsten Höchstständen.

Ein schwächerer Dollar, anhaltende Zentralbankkäufe und die Erwartung neuer US-Inflationsdaten stützen dort weiterhin ein erhöhtes Preisniveau.

Notenbanken kaufen weiter

Trotz des kurzfristigen Drucks bleibt die strukturelle Nachfrage stabil. China erhöhte seine Goldreserven im Juni um 14,93 Tonnen. Es war bereits der 20. Monat in Folge mit Käufen und der größte monatliche Zuwachs seit 2023.

Auch institutionelle Anleger positionieren sich bereits für die Zukunft. Fidelity kündigte an, seine Goldpositionen wieder aufzubauen. Der Vermögensverwalter setzt dabei auf eine mögliche Rallye im Jahr 2027.

Der Zinspfad entscheidet

Die kommenden Wochen dürften weiter von der Zinsdebatte geprägt sein. Nach aktuellen CME-FedWatch-Daten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung beim FOMC-Treffen am 28. und 29. Juli bei rund 20 Prozent. Bis September steigt die Chance auf mindestens eine Erhöhung auf rund 60 Prozent.

Der Mechanismus dahinter ist einfach. Jede Erhöhung der Realrendite um 10 Basispunkte macht das Halten von Gold teurer im Vergleich zu US-Staatsanleihen. Steigende Realrenditen belasten den Preis deshalb direkt.

Gold notiert derzeit nur noch 2,92 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 3.901,30 Dollar aus dem Oktober 2025. Hält der Zinsdruck aus Washington an, dürfte das Edelmetall diese Marke in den kommenden Wochen erneut testen. Die langfristige Nachfrage von Notenbanken und institutionellen Käufern bleibt dabei der wichtigste Puffer gegen einen tieferen Rückgang.

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