Gold: Unter 4.000 Dollar gerutscht

Der Goldpreis fällt unter 4.000 Dollar, erholt sich aber wieder. Fed-Politik und Liquiditätsbedarf belasten, langfristige Nachfrage bleibt intakt.

Die Kernpunkte:
  • Gold fällt unter 4.000 Dollar
  • Iran-Krieg erhöht Liquiditätsbedarf
  • Fed-Politik belastet Goldpreis
  • Langfristige Nachfrage bleibt stabil

Gold beendet das erste Halbjahr 2026 mit einem herben Rückschlag. Erstmals seit Oktober rutschte die Feinunze unter die Marke von 4.000 Dollar. Vom Rekordhoch bei 5.626,80 Dollar im Januar trennen das Edelmetall damit gut ein Viertel.

Zum Wochenschluss kämpfte sich der Preis zurück auf 4.187,30 Dollar. Das entspricht einem Tagesplus von 1,23 Prozent. Auf Wochensicht steht sogar ein Plus von 2,04 Prozent zu Buche, auf Monatssicht bleibt aber ein Minus von 6,16 Prozent.

Warum der Iran-Krieg die Nachfrage nicht ankurbelte

Gold gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Trotzdem sorgte der Iran-Krieg nicht für einen Nachfrageschub. Der World Gold Council liefert eine Erklärung dafür.

„Der Iran-Krieg hat zu einem höheren Bedarf an Liquidität geführt, was die Nachfrage nach Gold einschränkte“, sagt Chefanalyst Juan Carlos Artigas. Besonders betroffen waren die Golfstaaten. Investoren brauchten dort schlicht Bargeld statt Edelmetall.

Warsh und die falkenhafte Fed

Hinzu kam die geldpolitische Wende in Washington. Die erste Zinsentscheidung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh setzte den Goldpreis unter Druck. Marktteilnehmer werteten seine Aussagen als überraschend restriktiv.

Goldman-Ökonomen rechnen inzwischen nicht mehr mit einer Zinssenkung der Fed in diesem Jahr. Erwartete Zinsschritte verschieben sich von Dezember 2026 und März 2027 auf Juni und Dezember 2027. Neun Mitglieder des Offenmarktausschusses erwarten sogar eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr.

Erholung zum Wochenschluss

Zuletzt hellte sich die Stimmung wieder auf. Der Goldpreis erholte sich im asiatischen Handel von einem fast siebenmonatigen Tief. Händler bewerteten dabei die jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Warsh neu.

Evercore-Ökonom Krishna Guha ordnete die Kommentare ein: „Seine Kommentare lieferten zumindest keinen Anlass für Spekulationen über eine Zinserhöhung im Juli in naher Zukunft.“ Zusätzlich stützten Fortschritte in den US-Iran-Gesprächen die Kurse. Katar erklärte, US- und iranische Verhandlungsführer hätten „positive Fortschritte“ bei Fragen zum Memorandum of Understanding erzielt.

Nachfrage bleibt strukturell intakt

Trotz der Korrektur sehen Branchenkenner die langfristige Aufwärtsbewegung nicht gefährdet. Seit Jahresbeginn 2024 hat sich der Goldpreis verdoppelt. Der World Gold Council bestätigt in seinem Halbjahresbericht: Die längerfristige Hausse bleibt intakt.

Auffällig ist eine geografische Verschiebung der Nachfrage. Sie wandert kontinuierlich von westlichen Ländern nach Asien. Der Preis tendiert während westlicher Handelszeiten oft nach unten, steigt aber wieder, sobald asiatische Investoren übernehmen.

Auch Zentralbanken bleiben ein stabilisierender Faktor. Der Markt erwartet Notenbank-Zukäufe von über 600 Tonnen in diesem Jahr, ein Großteil davon aus Schwellenländern. Parallel dazu haben sich Käufe von börsengehandelten Goldanlagen mehr als verdoppelt, weil Investoren Schutz vor einer möglichen Finanzkrise suchen.

Charttechnik und Ausblick

Die Erholung reicht noch nicht, um die technische Schwäche aufzulösen. Der Goldpreis notiert 5,16 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.415,02 Dollar und 100-Tage-Durchschnitt von 4.648,46 Dollar. Der RSI liegt bei 46,6 und signalisiert damit eine neutrale Marktlage.

In der ersten Juliwoche fehlt ein großer markttreibender Termin. Die nächste US-Zinsentscheidung steht erst am 28. und 29. Juli an. Der Verbraucherpreisindex für Juni folgt am 14. Juli.

Bis dahin dürften einzelne Notenbanker-Aussagen sowie der Nahost-Konflikt und der Handelsstreit zwischen USA und EU die Richtung vorgeben. Die 4.000-Dollar-Marke bleibt dabei der zentrale psychologische Referenzpunkt. Verteidigt Gold dieses Niveau in den kommenden Wochen, dürfte der Fokus wieder stärker auf das strukturelle Aufwärtspotenzial rücken, das laut World Gold Council trotz der jüngsten Konsolidierung nicht gebrochen ist.

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