Gold: Unter 4.000 Dollar je Unze
Gold fällt unter 4.000 Dollar, belastet durch steigende Zinserwartungen und einen starken US-Dollar. Der anstehende PCE-Bericht könnte die Richtung vorgeben.

- Gold verliert über drei Prozent
- Fed-Zinserhöhung rückt näher
- Zentralbanken kaufen weiter Gold
- PCE-Daten als nächster Impuls
Gold hat am Mittwoch mehr als drei Prozent verloren. Der Preis fiel unter 4.000 Dollar je Unze — das niedrigste Niveau seit November 2025. Auslöser war ein Zusammenspiel aus starkem US-Dollar und neu aufgeflammten Zinserhöhungserwartungen.
Fed-Wende treibt den Druck
Händler preisen mittlerweile mit rund 68 Prozent eine Zinserhöhung im September ein. Vor einer Woche lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei 29 Prozent. Der Schwenk folgt auf die Juni-Sitzung der Fed unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh.
Der Leitzins blieb unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Warsh verzichtete auf Forward Guidance und setzte Arbeitsgruppen ein, die Bilanzgröße und Inflationsrahmen der Fed überprüfen sollen. Neun FOMC-Mitglieder erwarten mindestens eine Zinserhöhung in diesem Jahr, sechs sogar mindestens zwei.
Das Ergebnis: Steigende Ölpreise schüren Inflationssorgen. Die Fed-Projektionen für die PCE-Inflation 2026 stiegen um 0,9 Punkte auf 3,6 Prozent. Für Gold bedeutet das höhere Opportunitätskosten — das Edelmetall wirft keine Zinsen ab.
PCE-Bericht als Wegmarke
Heute Donnerstag erscheint der Mai-PCE-Inflationsbericht. Ökonomen erwarten, dass der Kern-PCE von 3,3 auf 3,4 Prozent steigt. Der Gesamt-PCE soll von 3,8 auf 4,1 Prozent klettern.
Ein Wert auf oder über der Fed-Zielmarke von 3,6 Prozent würde den Zinsdruck verlängern. Fällt der Kern-PCE hingegen unter 3,4 Prozent, könnten die eingepreisten Zinserhöhungserwartungen scharf zurückgehen — und einen Weg in Richtung 4.400 Dollar freimachen.
Zentralbanken kaufen trotzdem
Kurzfristig drückt die Geldpolitik den Preis. Strukturell kaufen Zentralbanken weiter.
Im ersten Quartal 2026 erwarben sie netto rund 244 Tonnen Gold — mehr als im Vorquartal und mehr als im Fünfjahresdurchschnitt. Im April folgten weitere 19 Tonnen netto. Polen war mit 14 Tonnen der größte Einzelkäufer. China kaufte 8 Tonnen — der höchste Monatswert seit Dezember 2024 und der 18. Monat in Folge mit Nettozukäufen.
Auf der Gegenseite stehen Russland und die Türkei als größte Nettoverkäufer des Jahres. Russland verkauft wegen fiskalischer Kriegslasten und Sanktionsdruck. Die Türkei reduziert ihre Bestände, um die Lira zu stabilisieren.
Laut einer Umfrage des World Gold Council erwarten 89 Prozent der befragten Zentralbanken, dass die globalen Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten steigen. Ein Rekordanteil von 45 Prozent plant, die eigenen Reserven aufzustocken.
Wo Gold jetzt steht
Gold notiert rund fünf Prozent unter dem Jahresanfangsniveau. Vom Januar-Rekordhoch — erreicht vor Ausbruch des Iran-Konflikts — trennen den Preis fast 20 Prozent.
J.P. Morgan Global Research hält bis Jahresende ein Kursziel von 6.000 Dollar je Unze für möglich, knüpft das aber an eine Entspannung geopolitischer Konflikte und eine Kehrtwende der Fed. Der heutige PCE-Bericht liefert den ersten konkreten Datenpunkt, ob sich der Inflationsdruck im Mai bereits abschwächt oder der Ölpreisschock die Zahlen weiter dominiert.
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