Gold: Unter 4.100 Dollar gerutscht
Trotz geopolitischer Spannungen fällt der Goldpreis unter 4.100 Dollar. Steigende Ölpreise und Zinsängste belasten das Edelmetall.

- Gold fällt trotz Nahost-Krise
- Ölpreise treiben Inflationssorgen
- Fed-Zinserhöhung wird wahrscheinlicher
- Gold-ETFs verzeichnen Milliardenabflüsse
Ein Krieg im Nahen Osten und Gold fällt trotzdem. Das ist die paradoxe Lage am 13. Juli. Eigentlich sollte Gold in solchen Momenten steigen. Stattdessen rutscht der Preis unter die wichtige Marke von 4.100 Dollar.
Auslöser ist eine militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran am Wochenende. Neue Raketenangriffe konzentrieren sich auf die Region um die Straße von Hormus. Der Iran droht zeitweise mit einer Schließung der Wasserstraße, das US-Zentralkommando startet Gegenmaßnahmen zur Sicherung der Schifffahrt.
Warum die Krise Gold nicht hilft
Normalerweise würde eine solche geopolitische Zuspitzung den Goldpreis treiben. Diesmal passiert das Gegenteil. Der Grund: Rohöl verteuert sich zum Wochenauftakt um 4 bis 5 Prozent. Das schürt Inflationssorgen, und die treffen Gold hart.
Steigende Energiekosten erhöhen den Druck auf die US-Notenbank. Anleger befürchten nun, dass die Fed die Zinsen länger hoch hält oder sogar weiter anhebt. Die Terminmärkte preisen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September mittlerweile mit rund 63 Prozent ein — ein deutlicher Sprung gegenüber der Vorwoche.
Höhere Zinsen schmälern die Attraktivität von Gold. Das Edelmetall wirft schließlich keine Zinsen ab. Parallel legt der US-Dollar zu, getrieben von steigenden Anleiherenditen. Das macht Gold für Käufer außerhalb der Dollarzone zusätzlich teurer.
Der Ausverkauf in Zahlen
Spot-Gold verliert im frühen Handel rund 1,2 Prozent und fällt zeitweise auf 4.070 Dollar je Feinunze. Der Freitagsschluss lag noch bei 4.127,60 Dollar. Auf Wochensicht steht damit ein Minus von 1,18 Prozent, auf Monatssicht sind es 2,64 Prozent.
Seit Jahresbeginn verliert Gold knapp 5 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 Dollar aus dem Januar klafft mittlerweile eine Lücke von über 26 Prozent. Der Kurs notiert auch deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.365 Dollar und dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.539 Dollar.
Charttechnik zeigt noch keine Panik
Der RSI steht bei rund 44 Punkten. Das signalisiert Verkaufsdruck, aber noch keine extreme Überverkauft-Situation. Die Zone zwischen 3.940 und 4.040 Dollar gilt als entscheidende Unterstützung — nur gut 5,8 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3.901,30 Dollar aus dem Oktober.
Im Juni fiel Gold zeitweise auf 3.942 Dollar. Zuletzt bildete sich bei 4.021 Dollar ein höheres Tief. Das könnte auf eine beginnende Stabilisierung hindeuten, auch wenn der übergeordnete Trend nach unten zeigt.
Institutionelle Anleger ziehen derweil Kapital aus Gold-ETFs ab, Schätzungen sprechen von Abflüssen in Milliardenhöhe im laufenden Quartal. Gegenläufig bleibt die physische Nachfrage der Notenbanken robust. China, Polen und Indien haben ihre Goldbestände zuletzt weiter aufgestockt. Diese strukturelle Nachfrage reicht derzeit aber nicht aus, um den kurzfristigen Verkaufsdruck auszugleichen.
Am 14. Juli tritt der designierte Fed-Vorsitzende Kevin Warsh erstmals vor dem US-Kongress auf. Seine Aussagen dürften zeigen, wie die Notenbank auf die Kombination aus Energiepreis-Schock und Kriegsrisiko reagieren will. Hält die Unterstützung bei 4.000 Dollar, könnte sich der Ausverkauf vorerst stabilisieren — bricht sie, droht ein Test der Marke von 3.940 Dollar.
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