Gold: Vier Monatsverluste in Folge

Goldpreis fällt im Juni um über zehn Prozent. Hohe Zinsen und starke US-Konjunkturdaten belasten das Edelmetall zusätzlich.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis fällt auf 4.035 USD
  • Zinserhöhungen belasten die Nachfrage
  • Zentralbanken kaufen weiter Gold
  • Schmucknachfrage sinkt deutlich

Vier Monate in Folge Verluste — das hat Gold zuletzt selten erlebt. Im Juni allein brach der Preis um mehr als zehn Prozent ein. Der Schlusskurs vom Montag lag bei 4.035 USD je Feinunze, rund 28 Prozent unter dem Januarhoch von 5.627 USD.

Der RSI von 34 signalisiert überverkaufte Bedingungen. Trotzdem fehlt ein klarer Auslöser für eine Trendwende.

Zinsen fressen die Safe-Haven-Prämie

Das Kernproblem ist bekannt: Gold wirft keine laufenden Erträge ab. In einem Hochzinsumfeld wird das zum Nachteil.

Die PCE-Inflation beschleunigte sich im Mai auf 4,1 Prozent. Die Märkte preisen aktuell drei weitere Fed-Zinserhöhungen in diesem Jahr ein. Eine erste Anhebung im September gilt mit rund 62 Prozent Wahrscheinlichkeit als wahrscheinlichstes Szenario. Fed-Chef Warsh bekräftigte das Bekenntnis zur Inflationsbekämpfung und erteilte vorzeitigen Zinssenkungen eine klare Absage.

J.P. Morgan-Analyst Greg Shearer beschreibt Golds aktuelle Position als „technisches Niemandsland“. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei rund 4.340 USD, der 50-Tage-Durchschnitt bei 4.730 USD — Gold notiert deutlich darunter. Solange die Fed auf energiegetriebene Inflation mit Zinserhöhungen reagieren könnte, stehe das Edelmetall bei den meisten Investoren nicht im Vordergrund.

Hormus-Krise: Stütze und Belastung zugleich

Die Straße von Hormus bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Nach gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran — inklusive iranischer Attacken auf Handelsschiffe und Militärbasen in Kuwait und Bahrain — haben beide Seiten weitere Angriffe vorerst ausgesetzt. Friedensgespräche in Doha sollen folgen.

Der Ölpreis verharrt bei rund 73 USD je Barrel. Die Krise entfaltet dabei eine widersprüchliche Wirkung: Geopolitische Spannungen stützen die Nachfrage nach sicheren Anlagen. Gleichzeitig befeuern sie Inflationserwartungen — und liefern der Fed damit weitere Argumente für Zinserhöhungen. Das drückt auf Gold.

Heute stehen der US-Arbeitsmarktbericht für Juni und der ISM-Einkaufsmanagerindex an. Beide Daten dürften das Bild über den Fed-Kurs schärfen — und Gold unmittelbar bewegen.

Zentralbanken kaufen weiter

Strukturell bleibt die Nachfrage robust. Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken netto 244 Tonnen Gold — drei Prozent mehr als im Vorjahr. Im April setzten die Notenbanken die Käufe mit 19 Nettottonnen fort. Polen erwarb allein 14 Tonnen. China steigerte sein Tempo auf 8 Tonnen netto — den höchsten Wert seit Dezember 2024 — und verlängert damit seine Kaufserie auf 18 aufeinanderfolgende Monate.

Die Nachfrage nach Barren und Münzen erreichte mit 474 Tonnen den zweithöchsten Quartalswert aller Zeiten. Das entspricht einem Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Asiatische Anleger trieben diese Entwicklung maßgeblich.

Die Schmucknachfrage hingegen sank volumenmäßig um 23 Prozent. Die Ausgaben stiegen dennoch um 31 Prozent — ein Zeichen, dass Käufer trotz Rekordpreisen bereit bleiben zu zahlen.

Der World Gold Council erwartet, dass Zentralbanken strukturell weiter kaufen — solange geoökonomische Unsicherheit und Anreize zur Reservediversifizierung bestehen bleiben. Das allein reicht nicht für eine Kurswende. Aber es begrenzt das Abwärtspotenzial, wenn Gold sich dem 52-Wochen-Tief bei 3.901 USD nähert.

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