Gold: Warsh-Bestätigung mit 54 zu 45 Stimmen
Neuer Fed-Chef Kevin Warsh sorgt für Zinsangst und drückt den Goldpreis. Zentralbankkäufe stützen das Edelmetall dennoch.

- Gold fällt 16 Prozent unter Januarhoch
- Neuer Fed-Chef Warsh signalisiert straffere Geldpolitik
- Zentralbanken kaufen weiterhin große Goldmengen
- Goldman Sachs sieht Gold bei 5.400 Dollar
Jerome Powell ist Geschichte. Kevin Warsh übernahm am 15. Mai die Fed — mit der knappsten Bestätigung eines Notenbankchefs in der modernen Geschichte. 54 zu 45 Stimmen im Senat. Seine Agenda: weniger Transparenz, strikteres Quantitative Tightening, ein neues geldpolitisches Regime. Für Goldanleger bedeutet das vor allem eines: anhaltende Zinsunsicherheit.
Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.557 US-Dollar je Feinunze, knapp 16 Prozent unter dem Januarhoch von 5.450 Dollar. Die Märkte preisen eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für mindestens eine Zinserhöhung bis Jahresende ein. Für Warsh‘ erste Sitzung am 16. und 17. Juni weist das CME FedWatch Tool eine Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent für unveränderte Zinsen aus.
Energiepreise heizen Inflationssorgen an
Die PCE-Inflation liegt bei 2,7 Prozent — deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent. Drastisch gestiegene Energiepreise haben die Gefahr einer wieder anziehenden Inflation vergrößert. Genau das drückt auf Gold. Solange Zinssenkungen ausbleiben, fehlt dem Edelmetall der klassische Rückenwind niedriger Realzinsen.
Powell meldete sich nach seinem Ausscheiden erstmals öffentlich zu Wort und warnte vor den Gefahren einer politisierten Zentralbank. Ein Seitenhieb Richtung Warsh? Die Märkte interpretieren den Führungswechsel jedenfalls als Bruch mit der Powell-Ära institutioneller Kontinuität.
Zentralbanken kaufen weiter — China verlängert Serie
Während die Zinspolitik Gegenwind erzeugt, liefern Notenbanken weltweit strukturelle Unterstützung. Der World Gold Council meldete für Q1 2026 weltweite Netto-Käufe von 244 Tonnen — 17 Prozent mehr als im Vorquartal. Besonders aktiv: Polen, Usbekistan und China.
Die chinesische Zentralbank kaufte im April rund 8 Tonnen Gold und verlängerte ihre Kaufserie damit auf 18 Monate. Der stärkste Monatszukauf seit Dezember 2024. Der Haupttreiber bleibt De-Dollarisierung. Die Nutzung des US-Dollars als außenpolitische Waffe hat das Vertrauen in Fiat-Währungsreserven im globalen Süden und bei BRICS-Staaten erschüttert. Gold ist das einzige Reserven-Asset, das nicht von einer fremden Regierung eingefroren oder entwertet werden kann.
Dollar-Korrelation bröckelt
Die klassische inverse Beziehung zwischen Goldpreis und US-Dollar-Index hat sich gelockert. Laut einer JPMorgan-Analyse vom Februar reagiert Gold weiterhin auf Realzinsbewegungen, allerdings asymmetrisch: Es steigt bei fallenden Zinsen stärker, als es bei steigenden fällt. Die Ursache liegt in strukturellen Verschiebungen bei Angebot und Nachfrage — vor allem durch die anhaltenden Zentralbankkäufe.
Gold wird zunehmend unabhängiger vom US-Dollar gehandelt. Diversifizierungsbestrebungen der Notenbanken, geopolitische Risiken und Verschiebungen bei der Nachfrage nach Währungsreserven wirken als eigenständige Preistreiber.
Banken halten an bullischen Zielen fest
Trotz der laufenden Korrektur bleiben große Banken optimistisch. Goldman Sachs sieht Gold bis Ende 2026 bei 5.400 US-Dollar je Feinunze, ANZ bei 5.600 Dollar, JPMorgan erwartet einen Jahresdurchschnitt von 5.243 Dollar mit Potenzial für knapp 6.000 Dollar bis Jahresende.
Goldman bekräftigte sein Jahresendziel, nachdem Gold im März um mehr als 10 Prozent gefallen war — dem stärksten monatlichen Rückgang seit Juni 2013. Investoren richten ihren Blick nun auf die US-Arbeitsmarktdaten dieser Woche sowie bevorstehende Kommentare von Fed-Offiziellen. Diese Daten dürften den nächsten Impuls setzen.
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