Gold: Warsh bremst die Rally

Fed-Chef Warsh stellt bei anhaltender Inflation sogar höhere Zinsen in Aussicht. Gold fällt, während Nachfrage und ETC-Zuflüsse stabil bleiben.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis fällt auf 4.535 Dollar
  • Dollar und Anleiherenditen ziehen an
  • Gold schwankt deutlich stärker als üblich
  • Strukturelle Nachfrage bleibt auf hohem Niveau

Kevin Warsh hat aus Jackson Hole nicht die erhoffte Zinssenkungsfantasie mitgebracht, sondern eine Warnung. Der Fed-Chef stellte klar: Ohne eine überzeugende Rückkehr der Kerninflation zum Zwei-Prozent-Ziel bleibt die Notenbank bereit, die Zinsen sogar noch anzuheben. Für Gold, das zinslos bleibt und von niedrigen Realzinsen lebt, ist das Gift.

Der Preis reagierte prompt. Von über 4.600 Dollar je Feinunze rutschte die Notierung auf ein Tagestief von 4.535 Dollar, bevor sich etwas Erholung einstellte. Der Dollar zog an, die Renditen kurzlaufender Anleihen kletterten – beides typische Belastungsfaktoren für das Edelmetall.

Ein Jahr der Extreme

Die Bewegung von heute fügt sich in ein Jahr ein, das Anleger bereits einiges an Nerven gekostet hat. Nach einem Rekordhoch von rund 5.600 Dollar im Januar brach der Goldpreis um etwa 30 Prozent auf ein Tief von knapp 3.940 Dollar ein.

Seit Ende Juni ging es wieder steil nach oben, angetrieben von der Ankündigung des US-Finanzministeriums, verstärkt langlaufende Staatsanleihen zurückzukaufen – eine Maßnahme, die den Dollar schwächte und Gold für internationale Käufer günstiger machte.

Die Volatilität bleibt entsprechend hoch. Der World Gold Council beziffert die annualisierte Schwankungsbreite zuletzt auf rund 30 Prozent, deutlich über dem langfristigen Niveau von 10 bis 18 Prozent. Trotz der jüngsten Korrektur steht für das laufende Jahr noch ein Plus zu Buche.

Strukturelle Nachfrage bleibt intakt

Was die Kaufbereitschaft der vergangenen Wochen erklärt, ist weniger Spekulation als Sorge. Die US-Staatsverschuldung hat die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, viele Industrieländer kämpfen mit chronischen Haushaltsdefiziten. Notenbanken weltweit kaufen laut Marktbeobachtern weiterhin Gold in großem Stil – ein struktureller Nachfragefaktor, der von den kurzfristigen Zinsschwankungen unabhängig ist.

Auch die Fondsflüsse bestätigen dieses Bild: Gold-ETCs verzeichneten in den ersten sieben Monaten des Jahres deutliche Nettozuflüsse, während aus Silber-Produkten Kapital abgezogen wurde. Der Goldbestand des größten europäischen ETCs bewegt sich seitwärts auf hohem Niveau bei rund 174 Tonnen.

Die eigentliche Weichenstellung dürfte erst mit den US-Inflationsdaten für August fallen, die kurz vor der nächsten Fed-Sitzung Mitte September veröffentlicht werden. Sie gelten als das Zünglein an der Waage für die Frage, ob Warsh seine hawkishe Rhetorik in eine tatsächliche Zinserhöhung ummünzt – oder ob die Fed doch noch Spielraum für Geduld findet.

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