Gold: Warsh löst Kursrutsch aus

Nach dem Wochenverlust von 3,2 Prozent steht Gold unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Fed-Termine und Arbeitsmarktdaten rücken nun in den Fokus.

Die Kernpunkte:
  • Gold verliert 3,2 Prozent
  • Fed-Zinserhöhung im September bleibt offen
  • US-Arbeitsmarktdaten folgen am 4. September
  • Zentralbanken stützen die Goldnachfrage

Der Goldpreis hat die vergangene Handelswoche mit einem Minus von 3,2 Prozent beendet und schließt bei 4.454,60 US-Dollar je Feinunze. Damit rutscht das Edelmetall unter seinen 200-Tage-Durchschnitt von 4.544,86 Dollar, ein Abstand von rund 2 Prozent. Anleger richten den Blick nun auf eine Woche voller Termine, die zeigen dürfte, ob der jüngste Rückschlag nur eine Verschnaufpause ist oder der Beginn einer längeren Konsolidierung.

Warsh hat die Karten neu gemischt

Fed-Chef Kevin Warsh sorgte in seiner ersten großen Grundsatzrede in Jackson Hole für Bewegung an den Märkten. Er bezeichnete die Inflation als besorgniserregend und ließ eine Zinserhöhung im September ausdrücklich offen. Die Wahrscheinlichkeit dafür, gemessen am CME FedWatch Tool, sprang von rund 35 Prozent auf zeitweise über 60 Prozent.

Für Gold, das keine Zinsen abwirft, ist ein restriktiverer geldpolitischer Kurs ein klassischer Belastungsfaktor – entsprechend fiel der Preis am Freitag um 3,2 Prozent, der stärkste Tagesverlust seit Mitte Juni.

Warsh begründete seine Haltung mit einer Kerninflation von 3,7 Prozent, die das Fed-Ziel von 2 Prozent seit mehr als fünf Jahren verfehlt. Gleichzeitig gilt der Arbeitsmarkt mit einer Quote von 4,1 Prozent als nahezu vollbeschäftigt. Diese Kombination lässt der Notenbank nach Einschätzung mehrerer Analysten wenig Spielraum, an ihrem bisherigen Kurs festzuhalten.

Diese Termine könnten die Richtung vorgeben

In der kommenden Woche stehen gleich mehrere Wegmarken an, die für Gold-Anleger relevant sind. Am Mittwoch spricht Fed-Gouverneur Christopher Waller über den Konjunkturausblick – womöglich das letzte öffentliche Signal vor der sogenannten Blackout-Periode, die ab dem 5. September gilt und während der sich Notenbanker vor der Zinsentscheidung nicht mehr öffentlich äußern.

Am 4. September folgt der US-Arbeitsmarktbericht für August, für den Ökonomen ein Plus von rund 55.000 Stellen und eine unveränderte Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent erwarten. Die eigentliche Zinsentscheidung der Fed fällt dann am 15. und 16. September.

Am Anleihemarkt zeigt sich bereits, wie stark die Erwartungen umgeschwenkt sind: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen kletterte um rund 12 Basispunkte auf 4,35 Prozent, die zehnjährige liegt bei 4,72 Prozent. Steigende Realzinsen schmälern tendenziell die Attraktivität von Gold als zinsloser Anlage.

Strukturelle Nachfrage bleibt eine Stütze

Trotz des Rückschlags bleibt die langfristige Nachfragebasis intakt. Notenbanken hatten laut dem World Gold Council im zweiten Quartal netto 289 Tonnen Gold gekauft, ein Wert von umgerechnet 45 Milliarden US-Dollar nach Berechnung der Deutschen Bank. Rund 45 Prozent der befragten Zentralbanken planen demnach, ihre Bestände weiter aufzustocken.

China allein kaufte im Juli 20 Tonnen hinzu und hält nun 2.377,5 Tonnen in seinen Reserven. Diese strukturelle Käuferschicht hat den Goldpreis seit dem Rekordhoch von 5.600 Dollar im Januar zwar nicht vor Rücksetzern bewahrt, dürfte größere Abwärtsbewegungen aber weiterhin abfedern.

Auf Jahressicht steht für Gold trotz der jüngsten Schwäche noch ein Plus von gut 3 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar ein Zuwachs von etwa 30 Prozent. Der RSI von 54,8 signalisiert derzeit weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage – der Markt scheint die Neubewertung der Zinsaussichten noch zu verdauen.

Ob sich der Preis oberhalb oder unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts einpendelt, dürfte maßgeblich von den Datenpunkten und Fed-Kommentaren der kommenden Tage abhängen.

Anzeige

Gold: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gold-Analyse vom 30. August liefert die Antwort:

Die neusten Gold-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gold-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gold: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Gold