Gold: Warum 5.400 Dollar diesmal realistisch klingen
Gold erreicht dank schwachem Dollar, fallender Renditen und starker Notenbanknachfrage ein Dreimonatshoch. Analysten sehen Potenzial bis 5.400 Dollar.

- Gold markiert neues Dreimonatshoch
- US-Schuldenlast über 40 Billionen Dollar
- Notenbanken erwarten steigende Goldreserven
- UBS-Analyst sieht Kursziel von 5.400 Dollar
Gold hat am Montagmorgen ein neues Dreimonatshoch markiert und notiert bei rund 4.640 bis 4.700 Dollar je Feinunze. Was diesen Anstieg von früheren Rallys unterscheidet: Diesmal ziehen gleich drei Kräfte in dieselbe Richtung — Anleihemarkt, Dollar und Notenbanken.
Der Rückkaufplan als stiller Preistreiber
Auslöser der jüngsten Bewegung ist eine Entscheidung des US-Finanzministeriums, die Liquiditätskäufe für langlaufende Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Das drückt die Renditen und schwächt parallel den Dollar — beides klassische Zutaten für steigende Goldpreise. Hinzu kommt eine Schuldenlast, die inzwischen die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat und die Sorgen um die US-Fiskalpolitik neu befeuert.
Charttechnisch hat sich das Bild deutlich aufgehellt. Von 26 auf Tradingview erfassten Indikatoren stehen aktuell 15 auf „Kaufen“, nur zwei auf „Verkaufen“. Das Überwinden der 200-Tage-Linie hat zusätzlich für Rückenwind gesorgt.
Notenbanken kaufen wie nie zuvor
Die strukturelle Nachfrageseite bleibt der eigentliche Langfrist-Faktor. Laut einer Umfrage des World Gold Council erwarten 89 Prozent der befragten Notenbanken steigende globale Goldreserven, 45 Prozent rechnen mit höheren eigenen Beständen — ein Rekordwert.
Der weltweite Verbrauch liegt bei fast 5.000 Tonnen, während das Angebot nur um gut 1,5 Prozent wächst. UBS-Analyst Giovanni Staunovo hält vor diesem Hintergrund ein Kursziel von 5.400 Dollar je Unze auf Sicht von zwölf Monaten für möglich.
Die aktuelle Erholung folgt dabei auf eine harte Korrektur: Nach den Rekordständen von fast 5.600 Dollar Anfang des Jahres erlebte Gold im zweiten Quartal die schwächste Entwicklung seit 2013. Diese Achterbahnfahrt zeigt, wie schnell sich Stimmung und Preis drehen können, sobald sich die Erwartungen an Fed-Politik oder Dollar ändern.
Diese Woche dürfte die Richtung mitentscheiden. Vom 27. bis 29. August treffen sich die Notenbanker in Jackson Hole, dabei richtet sich die Aufmerksamkeit besonders auf die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh. Hält er sich geldpolitische Optionen offen, könnte das dem Goldpreis weiteren Schub geben.
Am Mittwoch stehen zudem der PCE-Index und Daten zum Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter an — beides Zahlen, die die Zinserwartungen und damit den Dollar direkt beeinflussen.
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