Gold: Zehn-Prozent-Erholung in 30 Tagen

Gold steigt dank überraschend moderater US-Inflationsdaten über 4.400 Dollar. Analysten sehen die Zinsbelastung für das Edelmetall weitgehend eingepreist.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis erreicht Zehn-Wochen-Hoch
  • Inflationsdaten senken Zinserhöhungswahrscheinlichkeit
  • Physische Nachfrage und ETF-Zuflüsse stützen
  • Fed-Entscheidung im September als nächster Impuls

Der Goldpreis meldet sich zurück über der Marke von 4.400 Dollar. Auslöser ist eine überraschend milde US-Inflationszahl. Sie kippt die Erwartungen an die nächste Zinsentscheidung der Federal Reserve. Analysten sehen die schlimmste Phase der Zinsbelastung für das Edelmetall offenbar hinter sich.

Inflationsdaten dämpfen Zinssorgen

Die jüngsten US-Teuerungsdaten fielen moderater aus als befürchtet. Das dämpft die Erwartung an weitere aggressive Zinsschritte der Fed beim Treffen im September. Händler preisen aktuell nur noch eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung ein – deutlich weniger als noch vor einer Woche.

Besonders wichtig für Gold sind die realen Renditen. Die Rendite zehnjähriger inflationsgeschützter US-Staatsanleihen kletterte seit Jahresbeginn von 1,94 auf rund 2,41 Prozent. Analysten von Jefferies und BCA Research gehen davon aus, dass der Großteil dieser Neubewertung bereits eingepreist ist.

Das ist die eigentliche Nachricht für Goldanleger. Sinkt der Druck durch steigende Realzinsen, sinken auch die Opportunitätskosten fürs zinslose Gold.

Charttechnik zeigt Erholung

Am Mittwoch legte der Goldpreis um 1,2 Prozent zu und schloss bei 4.478,80 US-Dollar. Das markiert ein Zehn-Wochen-Hoch.

Der Anstieg der vergangenen 30 Tage summiert sich bereits auf zehn Prozent. Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 4.541 Dollar fehlen dem Kurs aktuell aber noch 1,4 Prozent.

Der RSI notiert bei 68,9 – nahe der Überkauft-Schwelle von 70, aber noch nicht darüber. Zum bisherigen Rekordhoch aus dem Januar fehlen weiterhin rund 20 Prozent.

Die Erholung ist also real, aber noch nicht abgeschlossen. Erst ein dauerhafter Sprung über den 200-Tage-Durchschnitt würde das Bild technisch eindeutig drehen.

Fundamentale Stütze durch physische Nachfrage

Während der Terminmarkt auf Zinssignale reagiert, bleibt die physische Nachfrage stabil. Europäische Gold-ETFs verzeichneten trotz des hohen Preisniveaus zuletzt wieder Zuflüsse. Das deutet auf eine Rückkehr institutioneller Anleger hin.

Notenbanken kaufen weiter zu und stützen den Kurs nach unten ab. Hinzu kommen geopolitische Impulse: Berichte über diplomatische Bewegungen im Nahen Osten und die anhaltende Sorge um die globale Staatsverschuldung halten die Funktion von Gold als Absicherung aufrecht.

Bleiben Realzinsen und Dollar-Index in den kommenden Wochen ohne neue Höchststände, sehen Analysten den Weg für eine Fortsetzung der Erholung offen. Die Fed-Entscheidung im September dürfte dabei die nächste wichtige Weichenstellung liefern.

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