Gold: Zentralbank-Käufe oder Schwäche?
Zentralbank- und ETF-Käufe stützen Gold, während schwache chinesische Großhandelszahlen und mögliche US-Zinserhöhungen gegenhalten.

- Chinas Zentralbank kaufte im September 23 Tonnen
- Großhandelsnachfrage lag 21 Prozent niedriger
- Gold-ETF-Zuflüsse erreichten 31 Milliarden US-Dollar
- Mögliche Fed-Zinserhöhung begrenzt die Erholung
Gold hat sich am Freitag vom Rückgang zur Wochenmitte erholt. Medienberichten zufolge halfen ein schwächerer US-Dollar und sinkende US-Renditen. Die Erholung trifft allerdings auf eine gespaltene Nachfrage: Während Zentralbankkäufe und Zuflüsse in Goldfonds stützen, fällt die chinesische Großhandelsnachfrage schwach aus. Zugleich begrenzt die Aussicht auf eine mögliche Fed-Zinserhöhung den Rückenwind.
Chinas Nachfrage sendet unterschiedliche Signale
Die am Donnerstag gemeldeten Zahlen zu China zeigen diesen Gegensatz besonders deutlich. Die People’s Bank of China kaufte im September 23 Tonnen Gold. Das war der größte Monatskauf seit Oktober 2023.
Die staatlichen Käufe stehen damit einer schwachen Großhandelsnachfrage gegenüber. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Ein kräftiger Zentralbankkauf bedeutet nicht automatisch, dass auch die übrige Nachfrage im selben Markt anzieht.
Chinas Großhandelsnachfrage belief sich im betrachteten Quartal auf 234 Tonnen. Sie lag damit 21 Prozent unter dem Vorjahresniveau und 44 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt.
Das chinesische Nachfragebild liefert folglich kein einheitliches Signal für den Goldpreis. Die Zentralbank tritt als Käufer auf, während die Großhandelszahlen auf Zurückhaltung hindeuten. Wer allein auf die staatlichen Käufe blickt, lässt diese gegenläufige Entwicklung außer Acht.
Goldfonds liefern ein weiteres Gegengewicht
Zusätzliche Unterstützung kommt von der Anlageseite. Am 12. Oktober veröffentlichte Zahlen bezifferten die September-Zuflüsse in weltweit physisch besicherte Gold-ETFs auf 67,3 Tonnen. Ihr Wert betrug knapp 10 Milliarden US-Dollar. Für das betrachtete Quartal erreichten die Zuflüsse den Rekordwert von 31 Milliarden US-Dollar.
Damit beschränkt sich das Kaufinteresse nicht auf die chinesische Zentralbank. Auch über börsengehandelte Goldfonds floss Kapital in das Edelmetall. Diese Nachfrage bildet ein Gegengewicht zur Schwäche im chinesischen Großhandel, beseitigt aber nicht das geldpolitische Risiko.
Die Zinsfrage begrenzt die Entlastung
Die US-Inflationsdaten für September hatten die Erwartungen einer Zinserhöhung zunächst verstärkt und Gold belastet. Die Entlastung durch Dollar und Renditen am Freitag änderte nichts daran, dass die Märkte diese Möglichkeit weiter bewerteten.
Der nächste Terminanker ist die Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve am 27.–28. Oktober 2026. Bis dahin bleibt für die Einordnung entscheidend, beide Seiten zusammenzudenken: Zentralbank- und Fondskäufe stützen die Nachfrage, während schwache Großhandelszahlen und das Zinsrisiko gegen eine uneingeschränkt positive Bewertung sprechen. Die jüngste Erholung ist deshalb ein Entlastungssignal, aber kein Beleg für ein durchgehend stärkeres Nachfrageumfeld.
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