Gold: Zentralbank-Rückhalt reicht nicht?

ETF-Zuflüsse und offizielle Käufe federn sinkende Schmuck- und Münznachfrage ab; der World Gold Council senkt seine Wachstumsprognose.

Die Kernpunkte:
  • Gold-ETFs verbuchten 211 Tonnen Zuflüsse
  • Barren- und Münznachfrage sank um 19 Prozent
  • Schmuckverbrauch ging um 17 Prozent zurück
  • Offizielle Käufer erwarben netto 321 Tonnen

Gold gewinnt bei börsengehandelten Fonds an Zuspruch, während Barren, Münzen und Schmuck weniger gefragt sind. Der heute veröffentlichte Nachfragebericht des World Gold Council zeigt damit eine deutliche Verschiebung innerhalb des Marktes. ETF-Zuflüsse und kräftige Zentralbankkäufe stützen die Nachfrage. Sie reichen aber nicht aus, um die Schwäche anderer Käufergruppen vollständig auszugleichen.

Fonds kaufen, private Käufer halten sich zurück

Physisch hinterlegte Gold-ETFs verzeichneten im dritten Quartal 2026 Zuflüsse von 211 Tonnen. Ihre Bestände erreichten nach Angaben des World Gold Council 4.256 Tonnen.

Damit stehen die Fonds im deutlichen Gegensatz zum Geschäft mit Barren, Münzen und Schmuck. Für Anleger ist diese unterschiedliche Entwicklung entscheidend: Die Unterstützung für Gold verteilt sich nicht gleichmäßig auf alle Nachfragebereiche. Starke Fondskäufe sind deshalb kein Beleg für eine durchgehend robuste physische Nachfrage.

Die Nachfrage nach Barren und Münzen sank gegenüber dem Vorjahr um 19 %. Beim Schmuckverbrauch betrug das Minus 17 %; er erreichte noch 312,9 Tonnen.

Die Schwäche im Barren- und Münzgeschäft schlägt auch auf den Ausblick durch. Trotz der ETF-Zuflüsse fällt die Einschätzung zur gesamten Investmentnachfrage vorsichtiger aus.

Wie Reuters heute berichtet, senkte der World Gold Council seine Prognose für deren Wachstum im Jahr 2026 auf 200 Tonnen. Zuvor hatte er mit 400 Tonnen gerechnet. Als Grund nannte der Verband die schwächere Nachfrage nach Barren und Münzen.

Zentralbanken bilden ein Gegengewicht

Neben den Fonds bleiben offizielle Käufer eine wichtige Stütze. Ihre Käufe entwickeln sich deutlich stärker als die Nachfrage nach Schmuck oder Anlagegold in Form von Barren und Münzen. Der Bericht zeichnet somit kein einheitlich schwaches Bild, sondern einen Markt mit gegenläufigen Kräften.

Zentralbanken und andere offizielle Institutionen kauften im Berichtsquartal netto 321 Tonnen Gold. Das waren 42 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Der World Gold Council bezeichnet dies als höchsten Quartalswert seit dem Schlussquartal 2024.

Für den weiteren Verlauf setzt der Verband ebenfalls auf diese Käufergruppe. Das ist allerdings eine Erwartung und noch kein gesichertes Kaufergebnis.

Für 2026 rechnet der World Gold Council mit Zentralbankkäufen mindestens auf Höhe der 848 Tonnen aus dem Jahr 2025.

Zinsaussichten begrenzen die Entlastung

Die Nachfragestützen treffen auf ein schwieriges geldpolitisches Umfeld. Der World Gold Council warnt vor möglichen Belastungen durch höhere Zinsen und gemischte Inflationserwartungen. Geopolitische Risiken und Finanzmarktstress könnten Gold dagegen unterstützen.

Wie schnell diese Kräfte wechseln können, zeigte die Erholung gestern. Reuters führte sie auf sinkende Ölpreise zurück, die Inflations- und längerfristige Zinssorgen linderten. Den vorherigen Ausverkauf brachte die Nachrichtenagentur mit Nachschussforderungen und erzwungenen Verkäufen von Sicherheitsanlagen nach dem Technologie-Ausverkauf in Verbindung.

Der aktuelle Spot-Schlusskurs von 3.936,72 USD je Feinunze unterstreicht, dass die Nachfrageunterstützung bislang keine nachhaltige Preiserholung gesichert hat. Neben den heutigen US-Zwischenwahlen richten sich die Blicke auf die morgigen Eurozonen-Inflationsdaten und den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.

Für Goldanleger bleibt damit die zentrale Unterscheidung: ETF-Zuflüsse und Zentralbankkäufe bieten Rückhalt. Eine breit abgestützte Nachfragebelebung lässt sich aus dem jüngsten Bericht jedoch nicht ableiten.

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