Gold: Zentralbanken am Drücker?

Zentralbanken und Goldfonds stocken ihre Käufe auf, während Schmuck sowie Barren und Münzen weniger gefragt sind.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis steigt um 1,6 Prozent
  • Zentralbanken kaufen netto 321 Tonnen
  • Goldfonds verzeichnen Zuflüsse von 211 Tonnen
  • Schmucknachfrage sinkt um 17 Prozent

Der schwächere US-Dollar und niedrigere US-Staatsanleiherenditen entlasten Gold heute. Reuters führt die Erholung nach den US-Zwischenwahlen auf diese beiden Faktoren zurück. Der Rückenwind trifft allerdings auf eine geteilte Nachfrage: Zentralbanken und börsengehandelte Goldfonds kaufen zu, während Schmuck sowie Barren und Münzen weniger gefragt sind. Die Erholung bedeutet deshalb nicht, dass sämtliche Käufergruppen wieder stärker zugreifen.

Dollar und Renditen geben den Impuls

Gold schließt heute bei 4.126,29 USD je Feinunze und gewinnt 1,6%. Die Bewegung passt zu der von Reuters beschriebenen Entlastung durch den Dollar und die Anleiherenditen. Damit prägen finanzielle Rahmenbedingungen die jüngste Preisentwicklung.

Für Anleger sind dabei zwei Ebenen zu unterscheiden. Dollar und Renditen liefern die Erklärung für die heutige Bewegung. Die Nachfrage einzelner Käufergruppen zeigt dagegen, wie unterschiedlich der Goldmarkt unterhalb dieser Tagesbewegung aufgestellt ist. Aus einem steigenden Preis allein lässt sich keine breit angelegte Belebung des physischen Geschäfts ableiten.

Institutionelle Käufer setzen einen Gegenpol

Nach den am Dienstag veröffentlichten Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken und andere offizielle Institutionen im erfassten Quartal netto 321 Tonnen Gold. Das waren 42 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Seit Jahresbeginn summierten sich ihre Käufe auf 675 Tonnen.

Damit bildeten die offiziellen Käufer einen Gegenpol zur schwächeren Nachfrage anderer Abnehmer. Auch bei physisch besicherten Goldfonds zeigte die Entwicklung in Richtung zusätzlicher Käufe, nicht eines Rückzugs.

Diese Fonds verzeichneten im erfassten Quartal Zuflüsse von 211 Tonnen. Ihre Bestände erreichten mit 4.256 Tonnen einen Rekordwert.

Beide Käufergruppen liefern damit ein positives Nachfragesignal. Ihre Käufe dürfen allerdings nicht mit einer Verbesserung in allen Marktsegmenten gleichgesetzt werden.

Schwächeres physisches Geschäft begrenzt das Bild

Die Nachfrage nach Barren und Münzen sank gegenüber dem Vorjahresquartal um 19 Prozent. Bei Schmuck betrug der Rückgang 17 Prozent. Die weltweite Goldnachfrage ging insgesamt um 1 Prozent zurück.

Der entscheidende Kontrast liegt somit zwischen kräftigen institutionellen Käufen und rückläufiger Nachfrage nach Schmuck sowie Anlagegold in physischer Form. Die heutige Erholung erhält durch günstigere Währungs- und Renditebedingungen einen nachvollziehbaren Impuls.

Eine umfassende Nachfragebelebung belegen die Zahlen dagegen nicht. Für die Einordnung des Goldpreises zählt deshalb nicht nur, wie viel gekauft wird, sondern auch, welche Käufergruppen hinter den Käufen stehen.

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