Gold: Zentralbanken bremsen ab
Gold notiert trotz geopolitischer Spannungen unter 4.000 Dollar. Nachlassende Notenbanknachfrage und technische Signale belasten den Edelmetallmarkt.

- Gold seit Januar-Rekord im Abwärtstrend
- US-Inflationsdaten und Iran-Krise im Fokus
- Notenbanken kaufen weniger Gold
- Charttechnik zeigt bärische Signale
Gold behauptet sich über der Marke von 4.000 US-Dollar, aber der Glanz wirkt angeschlagen. Seit dem Rekordhoch im Januar 2026 bei 5.599 US-Dollar verläuft der Preis in einem intakten Abwärtstrend.
Zuletzt fiel er bis auf 3.958 US-Dollar – ein Rückgang von knapp 30 Prozent innerhalb weniger Monate. Nun wartet der Markt auf zwei Ereignisse, die die Richtung vorgeben könnten.
US-Inflationsdaten und Iran-Spannungen als Treiber
Am Dienstag richten sich die Blicke auf den US-Verbraucherpreisindex für Juni und die Anhörung von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh vor dem Kongress. Parallel dazu treiben erneute Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise nach oben und nähren Sorgen vor energiegetriebener Inflation. Eigentlich ein Umfeld, das Gold als Absicherung stützen sollte – trotzdem fehlt dem Metall die bullische Überzeugung.
Der US-Dollar pausiert nach einer zweitägigen Rallye. Das Euro-Dollar-Paar fiel zeitweise unter 1,14 US-Dollar, was Gold-Käufe für Anleger außerhalb des Dollarraums zusätzlich verteuert.
Charttechnik zeigt Schwäche
Auf Vierstundenbasis testet Gold bei 3.991,90 US-Dollar einen möglichen doppelten Boden. Ein Pin-Bar mit langem unteren Docht deutet auf Käuferinteresse an dieser Stelle hin, das Muster ist aber noch nicht bestätigt und braucht einen klaren Ausbruch nach oben.
Die dominanten Trendindikatoren bleiben bärisch: SuperTrend, Ichimoku-Wolke sowie die gleitenden 50- und 200-Tage-Durchschnitte notieren allesamt über dem aktuellen Kurs. Die Zone zwischen 4.030 und 4.080 US-Dollar gilt als Bereich mit hohem Whipsaw-Risiko, in dem sich noch keine klare Richtung zeigt.
Nachlassende Nachfrage der Notenbanken
Ein struktureller Faktor hinter dem Abwärtstrend könnte an Kraft verlieren: Die umfangreichen Goldkäufe einiger nicht-westlicher Notenbanken, die ihre Dollar-Abhängigkeit verringern wollten, scheinen ins Stocken geraten zu sein. Das nimmt dem Markt einen Nachfragepfeiler, der Gold in den vergangenen Jahren gestützt hatte. Bei Silber zeichnet sich ein ähnliches Bild ab – hier gilt die Zone zwischen 52 und 54 US-Dollar je Feinunze als nächstes wichtiges Level.
Bricht der Kurs unter 3.991,90 US-Dollar, öffnet sich technisch der Weg in Richtung 3.920 US-Dollar. Ein nachhaltiger Sprung über 4.109 US-Dollar würde das bärische Bild dagegen kippen. Die Antwort könnte noch am heutigen Dienstag kommen, wenn die US-Inflationsdaten für Juni veröffentlicht werden und Kevin Warsh vor dem Kongress spricht.
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