Gold: Zentralbanken kaufen 288,9 Tonnen

Gold überschreitet 4.700 Dollar dank massiver Notenbankkäufe. Polen und China führen die Nachfrage an, während der Markt auf die Fed-Sitzung blickt.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis überschreitet 4.700-Dollar-Marke
  • Zentralbanken kaufen Rekordmenge Gold
  • Polen und China führen Käufe an
  • Fed-Entscheidung im September im Fokus

Der Goldpreis hat am Donnerstag die Marke von 4.700 Dollar pro Feinunze überschritten und damit den zweiten Handelstag in Folge über dieser Schwelle notiert. Die Dezember-Futures starteten bei 4.715,70 Dollar, kletterten im Tagesverlauf bis auf ein Zwischenhoch von 4.730,90 Dollar, bevor sie wieder unter die 4.700-Dollar-Linie zurückfielen.

Der jüngste Schub setzt eine Rallye fort, die sich seit der Entscheidung des US-Finanzministeriums beschleunigt hatte, langfristige Schuldenrückkäufe zu verdoppeln.

Hinter der Bewegung steht allerdings mehr als ein einzelner Auslöser: Strukturell treibt vor allem die anhaltende Kaufwelle der Zentralbanken den Markt.

Nach Angaben des World Gold Council kauften Notenbanken im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der stärkste je verzeichnete Wert für ein zweites Quartal in der Datenreihe der Organisation.

Polen führte die Käufe mit 51 Tonnen an und verfolgt laut eigenen Angaben das Ziel, seine Reserven auf 700 Tonnen auszubauen. Die chinesische Zentralbank erwarb 33 Tonnen, das größte Einzelquartal seit Ende 2023, und setzte damit laut Bloomberg eine Serie von 21 aufeinanderfolgenden Monaten mit Goldzukäufen fort.

Breite Nachfragebasis stützt den Trend

Die Kauflaune der Notenbanken ist kein kurzfristiges Phänomen. Eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken ergab im Juni, dass 45 Prozent von ihnen für die kommenden zwölf Monate weitere Goldkäufe planen – der höchste je in dieser Erhebung gemessene Anteil seit 2018. Bereits im Mai stiegen die globalen Reserven netto um 41 Tonnen, angeführt von Polen, China, Usbekistan und Kasachstan.

Auch private Anleger und institutionelle Investoren ziehen mit. Der SPDR Gold Trust verzeichnete Anfang August an einem einzigen Tag rund 637 Millionen Dollar an Netto-Zuflüssen.

Parallel dazu legten die Netto-Goldimporte über Hongkong nach China im Juli rund 11 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, getragen von robuster Investitionsnachfrage. Der August entwickelt sich damit zum stärksten Monat für Gold seit Januar: Ausgehend von einem Niveau nahe 4.000 Dollar liegt der Zugewinn im laufenden Monat bei etwa 10 Prozent.

Marktumfeld bleibt angespannt

Am Mittwoch war der Goldpreis noch unter 4.650 Dollar geblieben, während Anleger auf den PCE-Preisindex warteten und der Markt nahe seinem Dreimonatshoch verharrte. Zusätzlichen Rückenwind lieferten geopolitische Spannungen: Gespräche zwischen Iran und Oman über den Hormuz-Schifffahrtskanal drückten den Brent-Ölpreis unter 86 Dollar je Barrel, was die Nervosität an den Rohstoffmärkten insgesamt erhöhte.

Zum Handelsschluss am Mittwoch stand Gold bei 4.597,78 Dollar, ein Minus von 1,3 Prozent auf Tagesbasis – auf Wochensicht bleibt jedoch ein Plus von 1,7 Prozent stehen, und binnen 30 Tagen hat sich der Preis um 14 Prozent verteuert.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 Dollar aus Ende Januar beträgt 18 Prozent, während der Goldpreis das Jahrestief von vor knapp einem Jahr um 36 Prozent übertrifft. Diese Spannbreite zeigt, wie volatil sich die Rekordjagd des Edelmetalls in den vergangenen zwölf Monaten gestaltet hat – auf Jahressicht steht ein Zuwachs von 35 Prozent.

Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick der Anleger auf die Fed-Sitzung am 15. und 16. September. Die Märkte preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 69 Prozent für einen unveränderten Leitzins zwischen 3,50 und 3,75 Prozent ein, während rund 31 Prozent auf eine Anhebung um 25 Basispunkte setzen.

Die Entscheidung dürfte mitbestimmen, ob die jüngste Kaufwelle bei Gold anhält oder ob dem Edelmetall nach dem starken Monatsverlauf eine Verschnaufpause bevorsteht.

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