Gold: Zentralbanken kaufen Rekord, Schmuck bricht ein

Notenbanken steigern ihre Goldkäufe im zweiten Quartal deutlich, während ETFs und Schmucknachfrage nachlassen und der Preis unter Druck bleibt.

Die Kernpunkte:
  • Zentralbanken erwerben 288,9 Tonnen
  • Polen führt weltweite Käufe an
  • Gold-ETFs verzeichnen Nettoabflüsse
  • Schmucknachfrage sinkt auf Quartalstief

Während der Goldpreis nach der Rede von Fed-Chef Kevin Warsh unter Druck steht, zeigt sich bei den größten Käufern der Welt ein gegenläufiges Bild. Zentralbanken haben im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold erworben – ein Rekordwert für ein zweites Quartal und ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie der World Gold Council Ende Juli mitteilte. Die Institute kaufen damit ausgerechnet in einer Phase zu, in der andere Marktteilnehmer eher verkaufen.

Angeführt wurde die Einkaufsliste von Polen mit 51 Tonnen, gefolgt von China mit 33 Tonnen – dem größten Einzelkauf des Landes seit Ende 2023. Auch Usbekistan, Kasachstan, Jordanien und Tschechien bauten ihre Reserven aus.

Die chinesische Notenbank akkumuliert nach Bloomberg-Angaben inzwischen seit 21 Monaten in Folge Gold. Für das erste Halbjahr summieren sich die Nettokäufe auf 345 Tonnen, nachdem das erste Quartal mit nur 57 Tonnen den schwächsten Jahresauftakt seit über einem Jahrzehnt markiert hatte.

Käufer bei fallenden Preisen, Verkäufer bei ETFs

Bemerkenswert ist die Rollenverteilung im Markt: Zentralbanken griffen ausgerechnet dann verstärkt zu, wenn die Preise nachgaben – ein Muster, das sich laut den Marktdaten des World Gold Council in beiden Quartalen wiederholte.

Gold-ETFs verzeichneten im zweiten Quartal dagegen Nettoabflüsse von 45 Tonnen, während einzelne Tage wie der 7. August mit Zuflüssen von 637 Millionen US-Dollar zeigen, dass die Investorennachfrage volatil bleibt.

Die Schmucknachfrage brach im gleichen Zeitraum um 17 Prozent auf 278 Tonnen ein, den niedrigsten Quartalswert seit der Corona-Pandemie – höhere Preise schreckten Käufer ab, obwohl der Ausgabenwert wegen des teureren Metalls um 14 Prozent auf 40 Milliarden Dollar stieg.

Eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken untermauert den strukturellen Trend: 45 Prozent der Institute planen für die kommenden zwölf Monate weitere Goldkäufe, der höchste Anteil seit 2018. Fast neun von zehn Befragten erwarten global steigende Goldreserven der Notenbanken.

Parallel dazu wächst das Interesse an einer breiteren geografischen Verteilung der Lagerorte – die Bank of England bleibt zwar der wichtigste internationale Lagerplatz, doch eine Verwahrung über mehrere Jurisdiktionen gewinnt an Bedeutung.

Kurs bleibt unter Druck der Zinserwartungen

Der aktuelle Kurs von 4.440,92 US-Dollar je Feinunze liegt rund 2,2 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.542,24 Dollar – ein Zeichen, dass die jüngste Korrektur nach der Warsh-Rede gestern noch nachwirkt.

Zugleich notiert der Preis weiterhin knapp 29 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3.437,07 Dollar, das Anfang September vergangenen Jahres erreicht wurde. Die Verdopplung des langfristigen Anleihe-Rückkaufprogramms des US-Finanzministeriums vor rund zwei Wochen hatte den Preis zwischenzeitlich gestützt, seither hat sich die Wirkung jedoch relativiert.

Auf der Angebotsseite bleibt die Lage angespannt: Die Minenproduktion erreichte im zweiten Quartal mit 965,6 Tonnen zwar einen neuen Rekordwert für dieses Quartal, doch der Analyst Paul Manalo von S&P Global rechnet mit einem Angebotshöhepunkt im laufenden Jahr und einem anschließenden Rückgang bis 2028. Seit 2020 seien lediglich fünf bedeutende neue Goldfunde mit zusammen 17 Millionen Unzen entdeckt worden – ein strukturelles Argument für langfristig knappes Angebot, das den Zentralbanken bei ihrer Kaufstrategie in die Karten spielen dürfte.

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